Mögliche Räumung

Demonstranten randalieren wegen Flora-Ultimatum

Der Eigentümer der Roten Flora, Klausmartin Kretschmar, setzte den Nutzern ein Ultimatum, das Haus bis zum 20. Dezember zu räumen. Demonstranten reagierten nun und randalierten in Hamburg. Streit droht zu eskalieren.

Hamburg. Der Streit um das von linksautonomen Gruppen besetzte Kulturzentrum Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel droht nun zu eskalieren: Etwa 200 Menschen sind randalierend durch Hamburg gezogen.

Es waren 140 Polizisten im Einsatz, die sich vereinzelt mit Schlagstöcken wehrten.

Wie die Polizei am Freitagmorgen mitteilte, zündete die teils vermummte Gruppe am Donnerstagabend unter anderem Mülleimer an und bewarf eine Polizeistation mit Steinen.

Einige Scheiben seien dabei zu Bruch gegangen. Verletzt oder festgenommen wurde laut Polizei niemand. Die Beamten vermuten, dass hinter der Aktion der Streit um die mögliche Räumung des linksalternativen Hamburger Kulturzentrums Rote Flora steht.

Die unangemeldete Demonstration begann gegen 19 Uhr, als etwa 100 Menschen auf der Fahrbahn der Schäferkampsallee Richtung Christuskirche marschierten. Dabei kam vereinzelt Pyrotechnik zum Einsatz, verschiedene Baustellenzäune und -einrichtungen wurden auf die Straße gezogen.

Als die Demonstranten die Rote Flora erreichten, skandierten sie mehrmals „Flora bleibt“.

Eigentümer Klausmartin Kretschmer hat den Nutzern des Hauses am Dienstag ein Ultimatum gesetzt und sie zum Verlassen des Gebäudes aufgefordert. Bis zum 20. Dezember soll der Verein Rote Flora aus dem früheren Theater ausziehen, andernfalls werde er bei den Hamburger Behörden eine Räumung beantragen, teilte Kretschmer in einem Schreiben mit, das dem Abendblatt vorliegt.

Sollten die Besetzer der Roten Flora der Aufforderung nicht nachkommen, will er monatlich eine Nutzungsgebühr über 25.000 Euro plus Mehrwertsteuer verlangen. Die Frist zum 20. Dezember endet genau einen Tag bevor in Hamburg eine große Solidaritäts-Demonstration für die Rote Flora stattfinden soll. Seit Tagen schon rufen die „Rotfloristen“ europaweit zur Teilnahme auf. Sicherheitsexperten befürchten schwere Krawalle vor allem an dem letzten Advents-Sonnabend.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaft, Arno Münster, wertete die Ankündigung Kretschmers als „Provokation“, um die Stadt zu einem Rückkauf der Flora zu drängen.

2001 hatte Kretschmer das seit mehr als 20 Jahren besetzte Haus am Schulterblatt vom Senat für umgerechnet knapp 190.000 Euro gekauft. Seit 2011 versucht er, das rund 1770 Quadratmeter große, inzwischen wohl millionenteure Grundstück samt „Roter Flora“ wieder zu verkaufen – bislang vergeblich.