Die Pittroff-Kolumne

Make-up-Trend zum maximalen Minimalismus

In dieser Saison ist es ganz schön anstrengend, gut auszusehen. Elke Willemen, Senior Make-up-Artist bei M.A.C., erklärt warum.

Der neue Make-up-Trend ist wahrlich eine Herausforderung: Maximales Make-over, um einen möglichst minimalistischen Look zu erzeugen.

Auf den Laufstegen von Paris, Mailand, London und New York – von Balmain über Donna Karan bis zu Vivienne Westwood – war der Look zu sehen. Federführend bzw. pinselführend dabei: Elke Willemen, Senior Make-up-Artist bei M.A.C., jenem Lieblings-Make-up-Label, das u.a. auch Lady Gaga begeistert.

Von Elke Willemen wollten wir wissen, wie man den „Viel Lärm um nichts“-Look hinbekommt und warum „nude“ das neue „geschminkt“ ist.

Woher kommt diese Trendwelle zum maximalen Minimalismus?

Elke Willemen: Auslöser sind Ikonen aus den 60er-Jahren wie Twiggy, Brigitte Bardot, Jane Birkin und Charlotte Rampling. Typisch für die Zeit ist der „Augenblick“ – die Augen wirken runder, größer. Um das zu erreichen, benutzt man viel Beige (Chromagraphic Pencil NW 25 ) und Honigbraun als Lidschatten, dazu als harmonischen Kontrapunkt pfirsichfarbenen Lippenstift mit viel Gloss. Mascara betont obere sowie untere Wimpern, falsche Wimpern setzen Akzente.

Wieso ausgerechnet die 60er?

Elke Willemen: Es war eine sehr spielerische Zeit. In jener Ära der Miniröcke und des Hippie-Styles wollten Frauen ihre Individualität ausdrücken, ihre Persönlichkeit entdecken. Die Make-up-Übersetzung in die heutige Zeit heißt: Frauen wollen keine perfekte Kopie ihrer selbst sein, sondern einfach nur eine schönere Version ihrer selbst – man spielt mit Texturen, um eine interessantere Wirkung zu erzielen, aber ohne, dass man diese sieht. Wie Make-up-Artist Tom Pecheux bei Balmain sagte: „Nothing to be seen, everything to be done”. Dieser Look wurde auch bei Giambattista Valli, Hakaan und Vivienne Westwood aufgegriffen.

Und wie schminkt man das nun?

Elke Willemen: Keep it simple! Vor allem, wenn Sie sich für Farben entscheiden. Man muss sich auf eine Partie fokussieren, den Mund wie bei der Show von Rick Owens mit roten Lippen oder die Augenpartie mit blauen “smoky eyes” wie bei Zac Posen. Wenn man Farbe sowohl auf Lidern als auch auf Lippen möchte, sollte man sich für monochromatische oder "ausgewaschene” Farbfamilien konzentrieren – das gibt Harmonie, wie man bei den Schauen von Max Mara, Costume National oder Marni (alles mit violetten Untertönen) sehen konnte. Der Trick: Benutzen Sie Farben, die in Ihrem natürlichen Hautton vorhanden sind.

Aber wie schaffe ich es, nicht angemalt auszusehen?

Elke Willemen: Man muss erreichen, dass Produkte quasi mit der Haut verschmelzen, sich optisch angleichen und zart ineinander übergehen. Eine winzige Menge des jeweiligen Produkts für maximalen Effekt ist die Losung. Wenn Sie beispielsweise hoch pigmentierte Foundation benutzen, gelingt das am besten mit Pinseln (Nr. 217 und 130 von M.A.C. sind ideal).

Klingt anstrengend, gut auszusehen...

Elke Willemen: Tja, in dieser Saison ist harte Arbeit an sich selbst angesagt!