Streit im Hafen

Neuer Vertrag zwischen Hapag-Lloyd und HHLA verzögert sich

Das 400 Meter lange Containerschiff „Barzan“ der Reederei Hapag-Lloyd wird am Containerterminal Burchardkai der HHLA entladen. Hapag-Lloyd ärgert sich über die hohen Umschlagskosten.

Das 400 Meter lange Containerschiff „Barzan“ der Reederei Hapag-Lloyd wird am Containerterminal Burchardkai der HHLA entladen. Hapag-Lloyd ärgert sich über die hohen Umschlagskosten.

Foto: Thorsten Ahlf / HA

Exklusiv: Gespräche gehen überraschend im neuen Jahr weiter. Woran es hakt und wie wichtig eine Einigung für Hamburg wäre.

Hamburg. Die Verhandlungen zwischen der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und der Reederei Hapag-Lloyd über einen neuen Vertrag zur Abfertigung am Burchardkai gestalten sich nach Abendblatt-Informationen deutlich komplizierter als von Branchenkennern angenommen. Da die Vorstellungen der beiden Unternehmen über die künftige Vertragsausgestaltung immer noch weit auseinander liegen, werden die Gespräche, die eigentlich noch in diesem Jahr abgeschlossen werden sollten, nun im Januar 2020 fortgesetzt. Darauf haben sich die Führungen von HHLA und Hapag-Lloyd am Montagnachmittag geeinigt.

Am späten Vormittag war der Vorstand der HHLA überraschend zu einer Sondersitzung zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen in dem Zwist mit der Reederei am Ballindamm zu beraten. Im Anschluss bot man der Hapag-Lloyd-Führung eine Verlängerung der aktuell festgefahrenen Gespräche an. Dies wurde angenommen.

Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

„Trotz Kompromissbereitschaft der HHLA ist es bisher nicht gelungen, eine Einigung mit Hapag-Lloyd zu erzielen“, sagte am Montagnachmittag ein HHLA-Sprecher dem Abendblatt. Die HHLA wolle die „seit vielen Jahren bestehende und erfolgreiche Geschäftsbeziehung“ mit Hapag-Lloyd im Hamburger Hafen fortsetzen. „Deshalb begrüßen wir es, dass Hapag-Lloyd heute unserem Vorschlag zugestimmt hat, die Verhandlungen im Januar fortzusetzen.“

Nach Abendblatt-Informationen hat sich mittlerweile auch Wirtschaftssenator Michael Westhagemann eingeschaltet. Schließlich ist die Stadt an beiden Unternehmen beteiligt. Zudem dürfte es nicht im Interesse des Senats sein, dass Hapag-Lloyd – im Falle eines Scheiterns der Gespräche – möglicherweise Ladung aus Hamburg abzieht. Denn dann stünden am hiesigen Standort Arbeitsplätze auf dem Spiel. Im Kern des Streits geht es um die unterschiedlichen Preisvorstellungen von Hapag-Lloyd und HHLA. Die Reederei kritisiert schon länger die aus ihrer Sicht zu hohen Kosten im Hamburger Hafen, wozu allerdings nicht nur die Terminalgebühren zählen. Zudem geht es um die Kapazitäten am begehrten Burchardkai.

Konkurrent Eurogate in den Startlöchern

Hapag-Lloyd hätte die Möglichkeit, Ladung zum HHLA-Konkurrenten Eurogate umzuleiten. Hier wäre der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven eine Option. Auch die Opposition in der Bürgerschaft hatte sich in den Konflikt bereits zu Wort gemeldet: „Der Abzug von Hapag-Mengen aus dem Hamburger Hafen wäre ein verheerendes Signal“, so FDP-Hafenexperte Michael Kruse.