Schifffahrt

Ballastwasser: Dieser Filter schützt den Hamburger Hafen

Die Hamburger Firma Jongen GmbH, ein Spezialist zur Beseitigung  von Schiffsabfällen, betreibt die erste mobile Anlage zur Reinigung von Ballastwasser.

Die Hamburger Firma Jongen GmbH, ein Spezialist zur Beseitigung von Schiffsabfällen, betreibt die erste mobile Anlage zur Reinigung von Ballastwasser.

Foto: Jongen

Eingeschleppte Mikroorganismen schaden dem Ökosystem der Elbe. Hamburg testet als erste Stadt einen mobilen Filter.

Hamburg. Sie sind für das bloße Auge kaum zu erkennen, gelten aber als echte Bedrohung für die Meere: Mikroorganismen, die im Ballastwasser von Schiffen eingeschleppt werden, können unser Ökosystem schädigen. Die Weltschifffahrtsorganisation IMO verlangt deshalb, dass Schiffe das Ballastwasser reinigen, bevor es ins Meer abgegeben wird. Hamburg nimmt jetzt als erster Hafen weltweit eine mobile Ballastwasser-Reinigungsanlage in Betrieb.

Gebaut hat die 13 Meter lange Filteranlage der niederländische Hersteller Damen Green Solutions. Hamburgs Umweltbehörde hat das Gerät für drei Monate angemietet, um es zu testen. Betrieben wird die Anlage vom Hamburger Spezialisten für die Abfallentsorgung von Schiffen, Jongen GmbH.

Mit Ballastwasser werden gefährliche Mikroorganismen eingeschleppt

Ballastwasser wird von Seeschiffen zur Stabilisierung mitgeführt, die leer oder halbvoll über die Meere fahren. Werden die Schiffe voll beladen, lassen sie das Ballastwasser ab, das dann meist schon beträchtliche Strecken hinter sich hat. Doch in dem Ballastwasser werden Mikroorganismen eingeschleppt, die für die Umwelt schädlich sein können, Cholera-Bakterien aus Singapur, Algen aus dem chinesischen Shenzhen oder Krebse aus dem Golf von Mexiko.

Von vielen Seeschiffen geht darüber hinaus eine Gefahr für das Hamburger Ökosystem aus, sobald das Ballastwasser abgelassen wird. So gelangte die vor der Küste der USA heimische Rippenqualle nach Europa, die den Fischbestand dezimierte, die chinesische Wollhandkrabbe hat sich in der Elbe breit gemacht, und frisst hiesigen Krebsen und Fischen die Nahrung weg.

Ballastwasser: Die Filter sind störanfällig

Die IMO schreibt deshalb vor, dass alle neuen Schiffe ein eigenes Reinigungssystem an Bord haben und ältere Schiffe bis spätestens 2024 nachgerüstet werden. „Diese Filtersysteme sind aber sehr störanfällig. Wenn eines kaputt ist, kann das Schiff sein Ballastwasser nicht abgeben“, sagt Julia Dettmer, Geschäftsführerin bei der Jongen GmbH. „Zudem arbeiten viele Ballastwasser-Reinigungsanlagen mit chemischen Produkten, die für die Umwelt auch nicht besser sind. Unser mobiles System ist dazu eine gute Alternative.“

Umweltbehörde sponsert Projekt mit 300.000 Euro

Kommt also ein halb volles Schiff zum Beladen nach Hamburg, kann die Reinigungsanlage auf ihrem Ponton längsseits geschleppt werden. Über ein Schlauchsystem wird das Ballastwasser aus den Schiffstanks in die Reinigungsanlage gepumpt, die das Wasser in zwei Schritten säubert, bevor es ins Hafenbecken fließt.

Die Anlage arbeitet auch anders herum. Wird ein volles Schiff entladen, und benötigt Ballastwasser als Gewichtsstabilisator, nimmt die Filteranlage Hafenwasser auf, reinigt es und pumpt es dann an Bord. „Der Kapitän bekommt dann ein Zertifikat, dass er sauberes Ballastwasser hat“, so Dettmer.

„Als erster europäischer Hafen fördert Hamburg eine solche Anlage, und zwar mit gut 300.000 Euro“, sagt Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). „Dieses Pilotprojekt ist es wert. Denn mit der Anlage schaffen wir eine umweltfreundliche Nach-Behandlung von Ballastwasser, ohne den Einsatz schädlicher Chemikalien, die das Hafenwasser verschmutzen. Wir schützen so unser ökologisches Gleichgewicht und leisten einen Beitrag gegen die Ausbreitung invasiver Arten.“