Hamburger Hafen

Wasserschutzpolizei überführt Öko-Sünder auf der Elbe

Containerschiff auf der Elbe in Hamburg (Symbolbild)

Containerschiff auf der Elbe in Hamburg (Symbolbild)

Foto: Andreas Laible

200 Millionen Liter Ballastwasser in zwei Jahren eingeleitet. Hamburger Forscher erklären Auswirkungen auf Fischerei.

Hamburg. Wenn Schiffe sogenanntes Ballastwasser unbehandelt im Hamburger Hafen in die Elbe einleiten, kann das drastische Folgen haben. Es wird während der Fahrt aufgenommen, um leere oder fast leere Seeschiffe zu stabilisieren; vor dem Beladen muss es wieder abgelassen werden. Das Problem: Mit dem Wasser gelangen unter Umständen Organismen wie Fische, Krebse oder Bakterien in fremde Gewässer und Ökosysteme - genau dorthin also, wo sie nicht hingehören.

Forscher der Universität Hamburg vermuten, dass die eigentlich an der nordwestlichen Schwarzmeer-Küste beheimatete Fischart Kessler-Grundel auf diese Weise in die Elbe gelangt ist. In anderen Ökosystemen haben invasive Arten durch das Einleiten von Ballastwasser bereits einigen Schaden angerichtet. Nachdem etwa die Rippenqualle ins Kaspische Meer eingewandert war, ging dort der Fischfang deutlich zurück.

Hamburger Wasserschutzpolizei ertappt Umweltsünder

Aus gutem Grund ist das Abpumpen verunreinigten Wassers nach dem internationalen Ballastwasser-Übereinkommen verboten. Doch immer wieder verstoßen Seeschiffe gegen die Auflage, erst am Donnerstag stellte die Wasserschutzpolizei bei einer Kontrolle fest, dass der aus England kommende Frachter "Ijssel Confidence" gerade Ballastwasser in die Elbe pumpte.

Rund sechs Millionen Liter oder 6000 Tonnen waren am Kali-Kai, nahe der Retheklappbrücke, bereits in den Hafen eingeleitet worden, als die Beamten einschritten. Im Februar 2018 hatte das Seeschiff „Pilion“ am Reiherstieg sogar 15 Millionen Liter in die Elbe abgelassen.

Ballastwasser: Empfindliche Strafen drohen

Eigentlich hätte die ausschließlich im Intra-Nordsee-Verkehr eingesetzte "Ijssel Confidence" das verunreinigte Wasser in einem bestimmten Bereich der Nordsee loswerden müssen, in einem klar definierten Austauschgebiet, so sehen es die Bestimmungen vor, sagt Polizeisprecher Florian Abbenseth. Für die Schiffsbetreiber kann ein Verstoß erhebliche Kosten verursachen: Ist das Ballastwasser nicht vollständig aus den Tanks abgepumpt worden, kann das Schiff nicht vollständig beladen werden.

Oder aber das restliche Wasser muss kostenpflichtig an Land entsorgt werden. So oder so: Wer Schmu mit dem dreckigen Wasser betreibt, muss mit beträchtlichen Kosten rechnen – hinzu kommt das ohnehin fällige Bußgeld.

Das Verfahren in dem am Donnerstag entdeckten Fall richtet sich gegen den Ersten Offizier (39) an Bord der "Ijessel Confidence". Wegen des Abpumpens und zusätzlich wegen fehlerhafter Logbuch-Einträge musste er eine Sicherheitsleistung in Höhe von 7360,50 Euro hinterlegen.

200 Millionen Liter illegal entsorgt

Seit September 2017 kontrolliert die Hamburger Wasserschutzpolizei verschärft, ob Schiffe Ballastwasser ablassen. 35 Verstöße seien der für solche Fälle zuständigen Umweltbehörde gemeldet, insgesamt in den zwei Jahren rund 200 Millionen Liter im Hafen entsorgt worden. Bisher hatten Missetäter jedoch kaum Sanktionen zu fürchten, weil das Ballastwasser-Übereinkommen gerade erst ins Landesrecht überführt worden ist.

In der Vergangenheit habe die Umweltbehörde daher „beide Augen fest zugedrückt“, so Sprecher Björn Marzahn. Seit dem 14. August können Verstöße jedoch als Ordnungswidrigkeit geahndet und mit einem (hohen) Bußgeld belegt werden. Der Verstoß auf der "Ijssel Confidence" ist der erste, der unter die neue Vorschrift fällt.

Für Schiffe, auf deren Route keine Austauschgebiete zum Ablassen ihres Ballastwassers liegen, plane die Umweltbehörde eine Lösung: „Wir werden künftig für solche Fälle eine mobile Ballastwasser-Austauschanlage vorhalten“, sagt Marzahn.