Nordsee

"Eingeschleppter Alien" aus Amerika im Wattenmeer entdeckt

Die Amerikanische Trogmuschel (Mulinia lateralis).

Die Amerikanische Trogmuschel (Mulinia lateralis).

Foto: Eric A. Lazo-Wasem

Eine neue Muschelart breitet sich im Norden aus. Sie ist aus den USA "eingewandert" und könnte heimische Muscheln bedrohen.

Hamburg. An der Küste Schleswig-Holsteins könnten Herzmuschel, Miesmuschel und Wellhornschnecke bald einen neuen Mitbewohner bekommen: Denn die Amerikanische Trogmuschel, die bereits im gesamten niederländischen Wattenmeer sowie im ostfriesischen Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer zu finden ist, wird vermutlich schon im kommenden Sommer das nördlichste Bundesland erreichen.

Im Sommer 2017 entdeckten Meeresforscher aus den Niederlanden im Rheindelta die Muschelart, die von der US-Ostküste stammt und bis dato in Europa unbekannt war. „Die Entdeckung der Art in Deutschland war eine echte Gemeinschaftsleistung. Durch niederländische Kollegen erfuhren wir im März 2019 von der neu eingeschleppten Art“, sagt Meeresbiologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer.

Konkurrenz für heimische Muscheln?

Die Amerikanische Trogmuschel bevorzugt Brackwasser und ist damit perfekt an das Wattenmeer mit den Flussmündungen von Rhein, Ems, Weser, Elbe und Eider angepasst. Sie wird etwa zwei Zentimeter groß und kann mehrmals pro Jahr laichen. Optisch erinnert sie an die Gedrungene Trogmuschel, die bereits in Deutschland heimisch ist.

Die neue Art könne laut Borcherding ein Nahrungskonkurrent für die heimischen Muscheln werden, aber auch ein gutes Vogelfutter für verschiedene Watvögel. „Wir können nur das Beste hoffen. Eingeschleppte Aliens wird man nicht wieder los“, sagt der Biologe.

Es wird vermutet, dass die Amerikanische Trogmuschel mit Ballastwasser nach Rotterdam verschleppt wurde und sich von dort aus ausgebreitet hat.