Geldanlagen

Fast zwei Prozent Sparzins – aber Vorsicht!

Bei der Haspa und der Postbank gibt es nur etwa 0.05 Prozent Zinsen auf das Tagesgeld (Symbolbild)

Bei der Haspa und der Postbank gibt es nur etwa 0.05 Prozent Zinsen auf das Tagesgeld (Symbolbild)

Foto: dpa / picture alliance

Die Rendite für Tages- und Festgeld wird äußerst niedrig bleiben. Es gibt Ausreißer nach oben, doch ohne Risiko sind die Anlagen nicht.

Hamburg.  Mit niedrigen Sparzinsen werden sich die Anleger auch im neuen Jahr abfinden müssen. „Die Zinsen im Anlagezeitraum von bis zu zwölf Monaten werden im ersten Halbjahr unter Druck bleiben, also eher noch weiter sinken“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung, die Bankkonditionen für Verbraucher vergleicht. Schon jetzt bewegen sich viele Konditionen der Geldinstitute nahe der Nullprozentmarke.

So zahlen etwa die Haspa und die Postbank nur noch 0,05 Prozent für das Tagesgeld. Eine weitere Absenkung ist da kaum noch möglich, oder es drohen negative Zinsen. „Bei der Haspa gibt es derzeit keine negativen Zinsen für Einlagen unserer Privat- und Firmenkunden. Minuszinsen können wir uns für diese Kundengruppen unter den aktuellen Rahmenbedingungen auch nicht vorstellen“, sagt Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg. 55 von 800 Banken verzinsen das Tagesgeldkonto überhaupt nicht mehr, ermittelte das Vergleichsportal Verivox. Auch wer sein Geld für einen längeren Zeitraum fest anlegt, kann nicht mit besseren Konditionen rechnen. Für zweijähriges Festgeld gibt es bei der Deutschen Bank noch 0,05 Prozent Zinsen.

Die Deutschen favorisieren weiterhin Sparkonto, Tages- und Festgeld

Ursache für die historisch niedrigen Konditionen ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Banken müssen bei der EZB Strafzinsen in Höhe von 0,3 Prozent bezahlen, wenn sie dort Einlagen parken, bekommen also weniger Geld zurück, als sie angelegt haben. Auch das EZB-Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen wurde bis Ende März 2017 verlängert. Beides sind Faktoren, die nicht für steigende Zinsen sprechen. Das ist fatal, denn die Deutschen favorisieren als Anlageprodukte das Sparkonto, das Tagesgeld und das Festgeld, wie eine Umfrage des Bundesverbands deutscher Banken zeigt. „Die Anleger entscheiden sich überwiegend für konservative und risikoarme Anlageprodukte, die in der aktuellen Niedrigzinsphase wenig bis gar keine Rendite bringen“, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands.

Dennoch gibt es noch Zinsangebote bei Spezialbanken, die deutlich höher liegen als bei der Hausbank. Außerdem drängen immer mehr ausländische Banken auf den deutschen Markt, die über die Internetplattformen Savedo und Weltsparen vermittelt werden. So bietet Weltsparen inzwischen Festgeldangebote von zwölf europäischen Banken an. Bisher wurden 700 Millionen Euro Festgelder vermittelt.

Beim Tagesgeld ist die Lage noch übersichtlich, denn neue ausländische Anbieter aus Bulgarien oder Kroatien sind in diesem Segment noch nicht aktiv. Es gibt viele deutsche Banken wie die Volkswagen Bank oder die ING-DiBa, die mit einem hohen Anfangszins von bis zu 1,25 Prozent für drei oder vier Monate locken. Danach sinken die Konditionen allerdings deutlich.

Wer schon absehen kann, dass er sein Geld für einen längeren Zeitraum parken will, setzt lieber auf Banken, die ihre Konditionen uneingeschränkt Neu- und Bestandskunden anbieten. Dazu gehören die niederländischen Banken MoneYou und Rabo Direct. „Vom hohen Anfangszins sollte sich keiner blenden lassen“, sagt Gabriele Schmitz von der Verbraucherzentrale Hamburg. Denn wer 10.000 Euro bei der ING-DiBa für zwölf Monate anlegt, hat einen Zinsertrag von 67 Euro. Beim niederländischen Konkurrenten MoneYou sind es dagegen 95 Euro – jeweils konstante Zinsen unterstellt. Schmitz: „Allerdings können bei Tagesgeldkonten die Zinsen jederzeit gesenkt werden, sofern sie nicht garantiert sind.“

Eine leichte Zinsbewegung nach oben kann es im Verlauf des Jahres geben, wenn die EZB den negativen Einlagezins für die Banken reduzieren sollte, sagt Max Herbst. Bei Festgeldanlagen rät er zu einem Anlagezeitraum von zwei bis drei Jahren. Angesichts der niedrigen Zinsen hält er längere Anlagezeiträume für nicht akzeptabel.

Finanztest rät ab von hochverzinsten Angeboten aus Bulgarien und Kroatien

Für einen Anlagezeitraum von zwei Jahren bieten einige Banken Zinsen von knapp zwei Prozent pro Jahr. Auch diese Anlagen sind mit 100.000 Euro pro Sparer abgesichert. Dafür stehen die jeweiligen nationalen Sicherungsfonds ein, etwa in Bulgarien, Kroatien oder Portugal. Doch die Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest rät nur zu Angeboten von Banken, hinter denen eine starke Wirtschaft mit leistungsfähiger Sicherungseinrichtung steht. Das sei bei Banken aus Österreich, Luxemburg, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden der Fall. Das Kriterium für diese Einschätzung sind die langfristigen Länder-Ratings. Dagegen rät Finanztest von den gut verzinsten Festgeldern aus Bulgarien, Kroatien, Portugal und anderen Ländern ab. Außerdem wird teilweise die Einlage im Entschädigungsfall in Landeswährung zurückgezahlt.

So generelle Einschränkungen will Herbst nicht treffen. Er macht die Entscheidung vom Anlagezeitraum abhängig und ob es sich bei dem Geld lediglich um einen kleinen Teilbetrag des Vermögens oder die gesamten Spargroschen handelt. „Für zehn Jahre würde ich mein Geld auch nicht in Bulgarien oder Kroatien anlegen“, sagt er. Die neuen Angebote seien eher für Anleger geeignet, die größere Beträge auf mehrere Banken aufteilen können. Anleger erleiden auch keine gewaltigen Zinseinbußen, wenn sie sich auf Banken aus Ländern mit erstklassiger Wirtschaftskraft beschränken. Dann gibt es für eine zweijährige Anlage zwischen 1,35 und 1,50 Prozent (siehe Tabelle).

Während Sparer steigende Zinsen herbeisehnen, wollen potenzielle Immobilienkäufer noch lange von niedrigen Zinsen profitieren. Die Aussichten dafür sind 2016 gut. Zumindest im ersten Halbjahr. „Da könnten die Zinsen für die Baufinanzierung noch etwas sinken“, sagt Herbst. Der Grund sei, dass viel Kapital nach Deutschland strömt, weil das Vertrauen in die Bundesrepublik sehr groß sei. Das Geld fließt zum Teil in Pfandbriefe, deren Verzinsung die Konditionen des Baugeldes bestimmen. Gegenwärtig kostet eine Baufinanzierung mit einer Zinsbindung von zehn Jahren 1,50 Prozent. Vor zwei Jahren waren es noch 2,65 Prozent. Das zeigt, dass selbst eine leichte Erhöhung an den günstigen Zinsen kaum etwas ändern würden.

Auch für längere Zinsbindungsfristen sind die Konditionen günstig. Bei 15-jähriger Zinsbindung liegen die Konditionen bei zwei Prozent. Dirk Scobel von der Verbraucherzentrale Hamburg rät, die Konditionen für 15 oder gar 20 Jahre festzuschreiben. „Das bringt mehr Sicherheit in das Finanzierungskonzept“, sagt er. Steigende Zinsen beim Baugeld sind eher im zweiten Halbjahr zu erwarten, „falls deutlich wird, dass die USA die Zinsen stärker erhöhen“, sagt Herbst. Geld würde dann von Europa in die USA abfließen und hier die Zinsen steigen lassen. Auch Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, hält einen moderaten Anstieg um 0,5 Prozentpunkte bei den Baugeldkonditionen für möglich.