Vorsorge

Was tun mit dem Haus im Alter?

Die bezahlte Immobilie kann auf verschiedene Weise genutzt werden, um es sich im Alter gut gehen zu lassen

Die bezahlte Immobilie kann auf verschiedene Weise genutzt werden, um es sich im Alter gut gehen zu lassen

Foto: Ulrich Baumgarten / picture alliance /

Wer sein Grundstück oder die Immobilie aufteilt in zwei Einheiten, um eine davon zu vermieten oder zu verkaufen, kann so die Rente aufstocken oder sein Zuhause barrierefrei gestalten. Ähnliche Chancen bieten sich auch Wohnungseigentümern

Alte Bäume soll man nicht verpflanzen. So denkt nicht nur der Großteil der Bundesbürger, wie die repräsentative Studie „Wohntrends 2030“ des Hamburger Beratungsunternehmens Analyse & Konzepte jetzt zusammen mit InWIS im Auftrag des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) belegt. Dies zeigt sich auch im Gespräch mit Helmut und Helga T. – beide leben seit mehr als 52 Jahren in ihrem Haus in Tonndorf. Auch wenn der Haushalt und der Garten die beiden 82-Jährigen allmählich überfordert – an den Gedanken, ihr abbezahltes Heim gegen eine Wohnung in einer Seniorenwohnanlage einzutauschen, daran mag sich insbesondere der Hausherr nicht so richtig gewöhnen. Gleichwohl ahnt auch er, dass es irgendwann an der Zeit sein wird.

Und deshalb hat er den Rat von Ute Bender-Franke und Birgit Höhnke von Immobilien-Consulting Großhansdorf gesucht. „Sie sollen uns helfen, das Dickicht, das mit dem Verkauf des Hauses einhergeht, zu bewältigen“, sagt der frühere Schiffsbau-Ingenieur.

Immer mehr hat sich dies zum Schwerpunkt der beiden IVD-Maklerinnen entwickelt. „Fast 70 Prozent der Käufer, die wir beraten, gehören mittlerweile zur Generation 60plus“, sagt Ute Bender-Franke. Manchen Kunden fiele es leicht, sich von Altem zu trennen. „Wer sich aber bis zum 75. Lebensjahr nicht dazu durchgerungen hat, für den wird es immer schwerer.“

Auch in Oliver Fründts Alltag spielen ältere Menschen, die sich von ihrer Immobilie trennen müssen oder wollen, eine immer größere Rolle. „Nahezu jede Woche habe ich damit zu tun“, sagt der Makler mit Tätigkeitsschwerpunkten in den Walddörfern und im Alstertal. Nicht zuletzt deshalb referierte der Immobilienkaufmann, der auch Dozent des Immobilienverbandes Deutschland ist, unlängst zu diesem Thema auf der Immobilienmesse des Abendblattes.

Wo Eigentümer ihr Wohnumfeld nicht verändern möchten, zugleich aber nach einer Möglichkeit suchen, die Rente aufzustocken, bringt Fründt die Teilung des Grundstücks oder die Aufteilung der Immobilie in zwei Wohnungen ins Spiel. „Das macht in beiden Fällen jedoch nur ab einer bestimmten Größe Sinn“, sagt der Immobilienkaufmann. Die Proportionen auf dem Grundstück müssten so gewahrt bleiben, dass auch nach der Teilung und Bebauung des Areals die Bestandsimmobilie ihren Wert behalte, mahnt Fründt. Grundsätzlich bedürfe es dafür auch einer Genehmigung. „Häufig ist eine moderate Nachverdichtung zwar möglich. Für Wellingsbüttel und Volksdorf gibt es allerdings junge Bebauungspläne, in denen bereits das Prinzip ,weniger ist mehr’ erkennbar wird.“

Auch bei der Aufteilung der Immobilie müssten Auflagen beachtet werden. Vorteil beider Modelle: Man kommt so zu Geld, um sich entweder den Lebensabend komfortabler zu gestalten und/oder, um Maßnahmen an der Immobilie vornehmen zu lassen – beispielsweise, um sie barrierefrei zu gestalten. Dies wird bekanntlich auch gefördert: So gibt der Bund über das KfW-Programm 159 einen Kredit von bis zu 50.000 Euro.

Mittel aus diesem Programm werden auch über die IFB Hamburg vergeben, die – allerdings einkommensabhängig – sogar Baukostenzuschüsse von bis zu 15.000 Euro je Wohnung für barrierefreies Umbauen vergibt.

Wohnungseigentümer haben darüber hinaus die Chance, die Immobilie zu verkaufen – und dort weiter zur Miete zu wohnen. Fründt: „Es gibt Anleger, die derzeit bereit sind, das 18- bis 20-fache einer Jahresmiete zu bezahlen.“ Vorteil bei diesem Modell: Man kann im Bedarfsfall – beispielsweise, wenn es der gesundheitliche Zustand erfordert – schneller aus- und umziehen. Andererseits, so gibt der Makler zu bedenken, spricht auch vieles für den direkten Verkauf mit freier Lieferung. „Der Erlös ist einfach höher, wenn der Käufer die Immobilie direkt ausgehändigt bekommt.“ Sorge, dass man sofort ausziehen müsse, brauche man nicht zu haben. „Man kann vereinbaren, dass man erst neun bis zwölf Monate nach Vertragsabschluss die Immobilie übergibt.“ Auch die Furcht, im Anschluss das Geld aus dem Verkauf des Hauses oder der Wohnung nicht gut anlegen zu können, braucht man nicht zu haben. „Es gibt interessante Produkte am Markt“, sagt der Immobilien-Spezialist, und verweist dabei auf die Möglichkeit, es in Form einer Sofort- oder Aufschubrente anzulegen, um so die monatlichen Bezüge aufzustocken.

„Focus Money“ (17/2014) hat hierzu eine aufschlussreiche Bewertung vorgelegt. Überzeugen konnte hier neben der Debeka und der Allianz auch die Europa Versicherung. Die Nachfrage dort zeigt: Beginnende Renten werden für die ersten drei Jahre aktuell mit 1,4 Prozent verzinst, bei später beginnenden Renten gilt dies für die ersten sechs Jahre. „Nach Ablauf dieser Zeiträume gibt es die normale laufende Gesamtverzinsung. Derzeit sind das 3,5 Prozent“, sagt Sprecherin Karin Wendland. Doris Kappes, Anlageexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, möchte dennoch weitere Modelle ins Spiel bringen. Sie rät, sich vorab in der Kirchenallee 22 beraten zu lassen. „Wir geben einen Überblick über sämtliche Optionen am Markt.“ Das beziehe auch Auszahlungspläne von Banken ein.

Regelrecht warnen möchte Fründt vor einem Modell, das noch vor Kurzem als attraktiv beworben wurde: der sogenannten Umkehrhypothek. Bei ihr wird die bezahlte Immobilie mit einem Darlehen belastet, um so schnell oder in Raten zu mehr Geld zu kommen. „Sie ist eine regelrechte Vermögensverlustgarantie“, sagt der Makler und verweist dabei auf miserable Zinskonditionen für Kreditnehmer und Modelle, die wegen der Ausrichtung auf eine sehr hohe Lebenserwartung nahezu unrealistisch sind. „Dann lieber ein Darlehen mit Grundpfandrecht aufnehmen“, rät er. Dieses Modell sei mit wenigen Kosten und einer großen Anbieterauswahl verbunden, ermögliche zudem die Option, zum bestmöglichen Zeitpunkt die Immobilie zu verkaufen.

Ute Bender-Franke: „Auch der Mietkauf mit Leibrente ist nichts für jedermann.“ Man sollte hier bedachtsam vorgehen. Selbst wenn der Entscheidungsprozess sich wie bei Helga und Helmut T. lange hinziehe.

Einen Überblick zu Fest- und Termingeld sowie zu Sparbriefen gibt das Verbraucherportal www.biallo.deDarüber hinaus referiert Doris Kappes am 17. November ab 18.30 in der Verbraucherzentrale Hamburg, Kirchenallee 22, zum Thema Geldanlage und Altersvorsorge. Die Teilnahme kostet 30 Euro. Anmeldungen erwünscht unter Tel. 248 32-108; www.vzhh.de

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