Hamburger Börse

Tipps für Einsteiger: Chancen und Risiken beim Aktienkauf

Der gelernte Bankkaufmann und promovierte Jurist Thomas Ledermann im Handelsraum der Hamburger Börse

Der gelernte Bankkaufmann und promovierte Jurist Thomas Ledermann im Handelsraum der Hamburger Börse

Foto: Marcelo Hernandez

Nicht einmal jeder Zehnte in Hamburg investiert bislang Geld an der Börse. Welche Branchen und Aktien als aussichtsreich gelten.

Hamburg.  Kaum noch Zinsen auf Sparanlagen und eine Besserung ist nicht in Sicht. Das könnte das Interesse der Hamburger am Börsentag, der am heutigen Sonnabend zum 20. Mal in der Handelskammer stattfindet, steigern. Denn nur mit Zinsanlagen lässt sich kaum noch für das Alter, die Ausbildung der Kinder oder die eigene Immobilie sparen. „Wir möchten einfach und verständlich Wissen rund um die persönliche Geldanlage vermitteln“, sagt Thomas Ledermann, Geschäftsführer der Börse Hamburg. Doch noch schrecken viele vor einer Aktienanlage zurück. Das Abendblatt beantwortet wichtige Fragen zur Geldanlage.

Warum ist es derzeit so schwierig, sein Geld gewinnbringend anzulegen?

„Die Deutschen bevorzugen Zinsanlagen“, sagt Michael Arpe, Geschäftsführer des Hanseatischen Anleger-Clubs. Damit sei es über Jahrzehnte möglich gewesen, das Vermögen zu mehren. Doch mit den historisch niedrigen Zinsen ist das jetzt nicht mehr möglich. Für einen zweijährigen Sparbrief beträgt der Zins im Durchschnitt 0,24 Prozent. Sechs- bis siebenjährige Pfandbriefe bringen noch 0,50 Prozent Zinsen. Auf dem Tagesgeldkonto wird das Geld noch im Schnitt mit 0,11 Prozent verzinst. Dennoch halten die Deutschen 40 Prozent ihres Geldvermögens in kaum verzinsten Sparformen. „Diese Niedrigzinsphase dürfte noch länger andauern“, sagt Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken. In Japan wird eine solche Null-Zinspolitik durch die dortige Notenbank bereits seit 1999 praktiziert.

Gibt es keine Anleihen mit einem angemessenen Zins?

„Es gibt noch Hochzinsanleihen, die drei bis vier Prozent Rendite bringen“, sagt Bernd Schimmer, Anlagestratege der Hamburger Sparkasse. „Aber die lauten meist nicht auf Euro, damit ist man einem Währungsrisiko ausgesetzt und mit der schlechteren Bonität der Papiere riskiert man auch Zahlungsausfälle.“ Gemessen an den Risiken seien diese Papiere nicht empfehlenswert.

Warum gibt es so große Vorbehalte gegenüber Aktien?

„Das konservative Anlageverhalten wird von den Eltern auf die Kinder übertragen“, sagt Arpe. Es fehle eine Grundbildung in Finanzfragen und der Geldanlage. Deshalb sei es auch nachvollziehbar, dass viele vor den Kursschwankungen an der Börse zurückschrecken. Ein Umdenken ist nur schwer zu erreichen. „Viele Kunden, die bisher nicht in Aktien investiert haben, werden das auch künftig nicht tun“, sagt Sönke Niefünd von der Otto M. Schröder Bank.

Wie risikobereit sind die Hamburger?

Die Risikobereitschaft der Hamburger liegt im bundesweiten Durchschnitt. Für höhere Gewinnaussichten sind gerade einmal 42 Prozent der Deutschen bereit, auch Verluste in Kauf zu nehmen, ergibt sich aus einer Studie der Comdirect Bank. „Für die Hamburger liegt dieser Wert mit 41,4 Prozent noch leicht darunter“, sagt Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der Comdirect Bank. In Bayern ist die Wagnisbereitschaft der Bevölkerung mit rund 88 Prozent mehr als doppelt so hoch. Das wirkt sich auch direkt auf die Geldanlage aus. 9,4 Prozent der Hamburger halten Aktien. In München sind es 17,8 Prozent der Bewohner.

Was spricht für Aktien?

„Die Entwicklung an den Aktienmärkten wird von einer expansiven Geldpolitik der Notenbanken in Europa und China gestützt“, sagt Niefünd. Das erkläre auch die schnelle Erholung des Deutschen Aktienmarktes (DAX) nach dem Einbruch in den vergangenen Wochen. Mit Blick auf das Jahresende hält er wieder einen DAX-Stand von 12.000 Punkten für möglich. „Die globalen wirtschaftlichen Perspektiven sprechen nach wie vor für Aktien, denn die Weltwirtschaft wird im nächsten Jahr um 3,5 Prozent wachsen“, sagt Schimmer. Unabhängig von möglichen Kursgewinnen bieten auch Aktien mit der Dividende regelmäßige Ausschüttungen. „Die dividendenstärksten Aktien im DAX haben eine Dividendenrendite von rund drei Prozent“, sagt Schimmer.

Welche Branchen und Aktien gelten als besonders aussichtsreich?

Die Haspa favorisiert exportstarke Unternehmen, die auch von einem schwächeren Euro profitieren. Dazu gehört der Autobauer Daimler, der über eine attraktive Modellpalette und über eine beeindruckende Gewinndynamik verfüge. „Außerdem ist das Unternehmen nicht so stark wie seine Konkurrenten vom China-Geschäft abhängig“, sagt Haspa-Analystin Tina Hecking. Zu den Favoriten der Haspa gehört auch das Schweizer Pharmaunternehmen Roche, das ein überdurchschnittliches Wachstumstempo und weitere Dividendensteigerungen in Aussicht stellt. Auch die Schröder Bank favorisiert mit dem DAX-Wert Fresenius SE ein Gesundheitsunternehmen, „das ein hohes Umsatz- und Ergebnispotenzial in allen Geschäftsbereichen besitzt“, wie Niefünd sagt. Das operative Geschäft sei zudem kaum konjunkturabhängig. Ebenso aussichtsreich sei Bayer nach der Abspaltung des Lack- und Dichtstoffgeschäfts.

Wie haben sich Hamburger Aktien seit Jahresbeginn entwickelt?

In der Stadt gibt es Unternehmen, die seit Jahresbeginn eine sehr positive Kursentwicklung aufweisen. Dazu gehören das Karrierenetzwerk Xing (Kursplus 94 Prozent), der Windanlagenbauer Nordex (85 Prozent) und der Mobilfunkdienstleister Freenet (35 Prozent). Mit einer Dividendenrendite von knapp fünf Prozent und gut positionierten Marken gehört Freenet zu den Kaufempfehlungen der Haspa. Wer dagegen auf Hamburgs Hafen mit der HHLA-Aktie setzte, hat 20 Prozent seines Geldes verloren.

Welche Risiken sind mit der Aktienanlage verbunden?

„Wer in Aktien investiert, muss sich mit Kursschwankungen abfinden“, sagt Schimmer. Es gebe auch immer Ereignisse wie der Abgasskandal bei VW, die sich nicht voraussehen lassen und dann den gesamten Markt negativ beeinflussen. Aktuell sehen die Experten Risiken vor allem in China, wenn dort das Wirtschaftswachstum noch stärker nachlässt. „Auch der Problemfall Griechenland ist noch nicht gelöst“, sagt Niefünd.

Welchen Anlagehorizont braucht man für Aktien?

„Es ist eine mittelfristige Anlage von mindestens vier bis fünf Jahren notwendig“, sagt Schimmer.

Welche Rendite kann man langfristig mit Aktien erwarten?

Die langfristigen durchschnittlichen Renditen einer Aktienanlage liegen zwischen sechs und acht Prozent, aber das schließt nicht aus, dass in einzelnen Jahren auch Verluste auflaufen.

Was ist wichtig bei der Aktienanlage?

„Sie beansprucht viel Zeit und Ausdauer“, sagt Arpe. Wichtig sei, in Krisenzeiten nicht panisch zu reagieren. Je nach Risikobereitschaft sollten Aktien nur einen Teil der Geldanlage ausmachen, auch wenn es derzeit kaum Zinsen gibt. Ob direkt in Aktien oder Aktienfonds investiert wird, muss in einem zweiten Schritt entschieden werden.