Kultläden

Bei Claus Kröger in Altona gibt es 3000 Leckereien

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Hanna-Lotte Mikuteit
Kandierte Früchte gehören zu den Spezialitäten, die Florian und Meike Kröger in der historischen Theke ihres Ladens Claus Kröger anbieten.

Kandierte Früchte gehören zu den Spezialitäten, die Florian und Meike Kröger in der historischen Theke ihres Ladens Claus Kröger anbieten.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Sie haben ein spezielles Angebot – und trotzen so dem Geschäftesterben in Hamburg. Heute: Der Feinkostladen in der Großen Bergstraße.

Hamburg.  Es passiert nicht selten, dass auf der geschäftigen Großen Bergstraße in Altona plötzlich jemand stehen bleibt und einfach nur in das Schaufenster schaut. Eine Minute, zwei, drei. Bunte Teeschachteln, Kaffee in besonderen Dosen, edeler Wein, fein verpackte Schokoladen, dazwischen Keramikschüsselchen aus Südafrika und Wäscheklammern mit liebevoll geschnitzten Tiermotiven. Im Hintergrund hängen gerade Holzmasken, knallbunt und aus Israel. Lauter sehr unterschiedliche Dinge, Farben und Formen, die aber wundersamerweise eine innere Einheit haben. „Die Dekoration ist immer eine Augenweide“, sagt eine Frau. Dann löst sie den Blick von der Auslage und marschiert Richtung Ladentür. „Claus Kröger“ steht in goldenen Buchstaben an dem blau gestrichenen Gründerzeitbau. Mehr braucht es gar nicht.

Der Laden führt auch Senf mit Äpfeln

Die Zuordnung in eine der handelstypischen Kategorien ist hier schwierig. „Die Mischung macht’s“, sagt Herr Kröger. Er heißt nicht Claus, sondern Florian und führt die Geschäfte in vierter Generation. Tee, Kaffee, Wein, Schokolade – jede Abteilung könnte ein eigener Laden sein. Feinkost trifft es wohl am besten. Es gibt auch Senf mit Äpfeln, grobes Salz, Korn aus Hamburg und ausgesuchte Wohnaccessoires.

Ein Kunde hat den Spezialitätenhändler mal „Altonas Wundertüte“ genannt. Schon beim Betreten des Verkaufsraums wird man eingehüllt von Wohlgerüchen aus 3000 und einer Leckerei. Jeder Zentimeter in den Regalen, auf Tischen und in Schränken ist ausgenutzt. Selbstbedienung? Hier darf man sich bedienen lassen. In einer langen Theke sind Pralinen appetitlich hinter Glas arrangiert, daneben kandierte Früchte aus Frankreich. Wenn man sich sattsehen könnte, wäre das ein idealer Ort dafür.

Im Jahr 1924 fing alles an

Florian Kröger ist quasi in dem Laden aufgewachsen. Sein Urgroßvater Adolf Kröger hatte das Geschäft 1924 einige Häuser weiter gegründet. Zunächst als Niederlassung der Elmshorner Mühle. Er verkaufte vor allem Brot und Mehl, man konnte auch Getreide bei ihm mahlen lassen. Wenige Jahre später erwarb Kröger das Haus mit der Nummer 241, bis heute Stammsitz des Handelsunternehmens. Und nicht nur das. Die ganze Familie wohnt in den Stockwerken über dem Laden. Krögers Großvater Claus war es, der dem Geschäft seinen Namen gab und das Sortiment erweiterte. „Im Keller hat er selbst Kaffee geröstet, bis er es wegen des Brandschutzes aufgeben musste“, sagt der 46-Jährige, der als Kind am liebsten im Untergeschoss zwischen alten Apparaturen und Kaffeedosen herumgestromert ist.

Kröger Nummer 3 war sein Vater Michael, der in den 1970-er Jahren Müsli für die ökobewegten Kunden mischte, Biobrot verkaufte und den Teehandel massiv ausbaute. „Er hat kistenweise Tee gekauft und konnte ihn so günstiger anbieten“, sagt der Sohn. Die Teestube ist bis heute direkt hinter dem Verkaufsraum. 500 unterschiedliche Sorten bietet Claus Kröger an, die seit drei Generation vom selben Hamburger Großhändler kommen. Ausgewählte Klassiker, aber auch viele Hausmischungen nach eigenen Rezepten. Gerade steht eine Mitarbeiterin an der Waage und füllt Tüten ab: Tut-Gut-Tee, Anti-Stress-Tee und Fitness-Tee. So was läuft gerade gut.

Immer wieder kam etwas Neues dazu

„Jede Generation hat etwas Neues in den Laden eingebracht“, sagt Florian Kröger. Als er vor 20 Jahren ins Geschäft einstieg, hat er das Angebot um Wohnaccessoires und Geschenkartikel erweitert. Vorher hatte der gelernte Hotelkaufmann in Hotels und in der Gastronomie gearbeitet. War die Rückkehr in den Familienbetrieb eine Verpflichtung? „Es passte einfach“, sagt er. Der Laden ist für ihn auch Heimat.

Dabei waren die Zeiten nicht einfach. Erst langsam, dann immer schneller machte sich der Niedergang der Großen Bergstraße bemerkbar. Als auch noch Karstadt die Filiale gegenüber dem traditionsreichen Feinkosthändler dicht machte, gab es fast nur noch Billigläden auf der einstigen Vorzeigemeile. „Wir haben uns auch gefragt, ob wir bleiben sollen“, sagt Florian Kröger. Aber eigentlich war die Entscheidung klar. „Wir gehören hierher, nach Altona.“

Der Feinkostmarkt ist hart umkämpft

Kröger setzte auf die Erneuerung und war im erbitterten Kampf um die Ikea-Ansiedlung von Anfang an für das Möbelkaufhaus. „Es gab damals Kunden, die gesagt haben, dass sie dann nicht mehr bei mir kaufen können“, erinnert er sich. Inzwischen ist das kein Thema mehr. Der Mix in der Straße hat sich neu sortiert, ohne Schickimicki zu werden. „Ikea hat sich positiv ausgewirkt. Auch wenn ich mich freuen würde, wenn noch mehr kleinere Geschäfte eröffnen würden“, sagt der Traditionshändler.

Der Feinkostmarkt in Deutschland ist hart umkämpft. Immer mehr Supermärkte, teilweise auch Discounter, bieten ausgefallene Delikatessen und Spezialitäten an. Zugleich wächst die Lust der Deutschen auf besondere Lebensmittel – und sie sind auch bereit, dafür Geld auszugeben. In Hamburg haben sich neue Händler wie Mutterland oder Oschätzchen etabliert, die Delikatessen aus ganz Deutschland anbieten. Dazu kommen neue Kaffeeröstereien und Schokoladen-Manufakturen.

Der Onlineshop bringt 15 Prozent vom Umsatz

Kröger schaut ziemlich gelassen auf das Auf und Ab vor der Ladentür. „Wir haben stabile Zahlen. Und es geht immer ein bisschen bergauf“, sagt er. Genauer will der Geschäftsmann sich nicht in die Bücher schauen lassen. Claus Kröger hat viele Stammkunden, die seit Jahren ihren Tee in dem kleinen Laden kaufen und nicht ohne das Marzipanbrot der Berliner Konfiserie Sawade mit Claus-Kröger-Schriftzug leben können. Im Sommer fragen sie schon sehnsüchtig nach den Trüffeln der Provence, auch wenn sie wissen, dass die erst bei weniger als 20 Grad Celsius lieferbar sind.

Wichtigen Anteil am Erfolg hat der Onlineshop, den der aktuelle Kröger-Chef vor 15 Jahren aufgebaut hat. „Das macht inzwischen bis zu 15 Prozent des Umsatzes aus.“ Kaffee, Tee und Schokolade verschickt er in die ganze Republik. Den Wein, den er selbst bei Winzern in Frankreich, Italien und Deutschland aussucht, gibt es nur im Laden. Inzwischen umfasst das Angebot gut 150 Sorten.

„Bei uns ist jede Urlaubs- auch eine Geschäftsreise“, sagt Florian Kröger, der in den vergangenen fünf Jahren das Café Kleine Schwester in direkter Nachbarschaft mit seiner Frau Meike betrieben hat. Zuletzt waren die beiden in Kopenhagen und haben dort besondere Puzzles und eine neue Schokoladensorte entdeckt, die sie ins Sortiment aufnehmen wollen. Familie und Laden lassen sich nicht trennen. Nicht nur Senior Michael Kröger guckt täglich vorbei, auch Florians Kinder, neun und zwölf Jahre alt, fühlen sich in diesem Paradies der Genussmenschen zu Hause. Natürlich auch, weil es dann schon mal Schokolade gibt und weil sie es – wie schon ihr Vater – lieben, mitzuhelfen. Auch die neuen Puzzles aus Dänemark haben sie ausprobiert. Die hängen jetzt im Schaufenster. Bis in einigen Wochen umdekoriert wird.

Der Laden in Kürze

Ladengröße: 120 Quadratmeter

Adresse: Große Bergstraße 241, 22767 Hamburg; www.claus-kroeger.de

Gegründet: 1924

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9–18.30 Uhr, Sonnabend 9–17 Uhr

Mitarbeiter: Sechs

Günstigster Artikel: 100 Gramm Ceylon-Tee für 1,50 Euro

Teuerster Artikel: Sechs-Liter-Flasche Bordeaux Imperial für 895 Euro

Der Onlinehandel ist für mich … ein wichtiger Teil des Geschäfts und die Möglichkeit, uns zu präsentieren.

In zehn Jahren … stehe ich immer noch im Laden und bin gespannt, was die nächste Generation macht.

Lesen Sie am kommenden Sonnabend den nächsten Teil der Serie.

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