Hamburg

Mieterhöhung – Teegeschäft Arka am Neuen Wall gibt auf

Und wieder schließt ein Traditionsladen in der Hamburger City: Susanne Roth muss ihren Arka-Teepavillon in der Mellin-Passage zwischen Neuem Wall und Alsterarkaden Ende Oktober schließen.

Und wieder schließt ein Traditionsladen in der Hamburger City: Susanne Roth muss ihren Arka-Teepavillon in der Mellin-Passage zwischen Neuem Wall und Alsterarkaden Ende Oktober schließen.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Susanne Roth sieht keine Perspektive für ihren Spezialladen. Die Mietsteigerung war zu hoch. Was wird aus Hamburgs Alsterarkaden?

Hamburg.  Die Mellin-Pasage zwischen den Alsterarkaden und dem Neuen Wall gilt als klein, aber fein und als älteste Einkaufspassage Hamburgs. Schon 1864 wurde sie eröffnet, benannt ist sie nach dem Biscuitbäcker Mellin, dessen Geschäft dort einst ansässig war. Heute sind es unter anderem die Buchhandlung Felix Jud, die Hamburger Filiale der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) und der Arka-Teepavillon.

„Ich könnte die ganze Zeit heulen“

Doch die Existenz des kleinen Fachgeschäfts neigt sich dem Ende zu. 15 Jahre nachdem sie ihren Laden in der Mellin-Passage eröffnet hat, wird Inhaberin Susanne Roth ihn in wenigen Wochen schließen. „Wir sind im Oktober 2004 eingezogen, Ende Oktober 2019 ist für uns Schluss“, sagt die 52-Jährige sichtlich bewegt – und lässt ihren Emotionen freien Lauf: „Ich könnte die ganze Zeit heulen.“ Doch ein Zurück gibt es für sie nicht: „Die Würfel sind gefallen.“

Wie so oft, wenn Fachhändler in der Innenstadt aufgeben, ist es auch beim Teepavillon eine steigende Ladenmiete, die zum Aus führt. „Es ist die Miete, die uns den Garaus macht. Sie galoppiert davon und das Geschäft kann die steigenden Kosten nicht mehr erwirtschaften“, sagt Roth.

1000 Euro mehr Miete

Zuletzt im Herbst vergangenen Jahres habe der Eigentümer einen weiteren Aufschlag verlangt. Wie viel sie heute für das Ladengeschäft mit kaum 30 Quadratmeter Verkaufsfläche und einem kleinen Lagerraum monatlich zahlen muss, will die Kauffrau nicht preisgeben. Nur so viel: „Binnen der 15 Jahre ist die Miete um 1000 Euro pro Monat angehoben worden.“ Nach der jüngsten Erhöhung habe sie „mit ganz spitzem Bleistift“ kalkuliert – letztlich habe es keine Perspektive für das Geschäft gegeben. „Ich bin es leid, Monat für Monat mit dem Rücken zur Wand zu stehen.“

Schon die zweite Geschäftsaufgabe

Susanne Roth durchlebt jetzt bereits die zweite Geschäftsaufgabe in der Innenstadt. Bis zum Herbst 2004 führte die Familie Roth das Haus des Ostens an der Ecke Jungfernstieg/Alsterarkaden, nur wenige Meter von der Mellin-Passage entfernt. 73 Jahre lang verkauften die Roths dort Tee, Kunsthandwerk und auch Kimonos. Dann musste das Familiengeschäft aufgeben – unter anderem, weil die Einnahmen für die teure Lage der gemieteten Geschäftsräume zu gering wurden.

Tochter Susanne – damals Verkäuferin im Haus des Ostens – führte einen Teil der Geschäfte in ihrem neuen Unternehmen fort. Benannt ist der Arka-Teepavillon nach der gleichnamigen Teemarke, die Unternehmensgründer Bernhard Roth bereits Anfang der 1930er-Jahre geschaffen hatte. Spezialisiert ist das Geschäft, in dem neben der Chefin noch eine Fachverkäuferin tätig ist, auf hochwertige japanische Tees, zudem gibt es eine große Auswahl an feinstem Porzellan aus dem asiatischen Land.

Ein neuer Standort macht keinen Sinn

„In den ersten zehn Jahren lief es wirklich gut“, sagt Roth. Mittlerweile habe sich aber wohl auch das Publikum in diesem Bereich der City verändert. Dass der Herrenausstatter Ladage & Oelke unlängst von den Alsterarkaden wegzog, sei spürbar geworden. Eine Verlegung des Teepavillons an einen anderen Standort mit geringerer Miete ist für die Inhaberin keine Option. „Ein hoch spezialisiertes Fachgeschäft lässt sich am Stadtrand nicht erfolgreich betreiben.“

Viele Stammkunden wissen schon, dass der Teepavillon bald schließt. Sie bevorraten sich bereits mit ihren bevorzugten Sorten. „Der Abverkauf beginnt Mitte September“, sagt Susanne Roth. Ihre Mitarbeiterin werde sich wohl bei der Arbeitsagentur melden, wie es für sie selbst weitergeht, weiß sie noch nicht. „Womöglich bleibt mir nur, Hartz IV zu beantragen“, sagt sie bitter.