Hamburger Hafen

HHLA-Umschlag stagniert – doch die Aktie gewinnt

Nachtschicht im Hamburger Hafen am HHLA-Containerterminal Tollerort

Nachtschicht im Hamburger Hafen am HHLA-Containerterminal Tollerort

Foto: Marcelo Hernandez

Hamburgs Hafenfirma wächst mit Containern vor allem im Ausland. Gewinn steigt um 14,4 Prozent – mit "grünen" Perspektiven.

Hamburg. Beim Containerwachstum im Hamburger Hafen gibt es ein Ungleichgewicht. Während beim Terminalbetreiber Eurogate der Containerumschlag zweistellig wächst, stagniert er bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Zwar gingen beim größten Hamburger Hafenkonzern im ersten Halbjahr dieses Jahres insgesamt mehr als 3,7 Millionen Standardcontainer über die Kaikante, was einen moderaten Zuwachs von 3,8 Prozent bedeutet. Allerdings fand dies nicht in Hamburg statt.

Vielmehr ist der Mengenzuwachs auf die erfolgreiche Integration des im letzten Jahr erworbenen Terminals in Tallinn (Estland) zurückzuführen, wie die HHLA am Mittwoch bekannt gab. An der Elbe entwickelte sich der Umschlag hingegen seitwärts, wie aus dem Halbjahresbericht 2019 ersichtlich ist, den das Unternehmen vorstellte. Gerade einmal 0,1 Prozent betrug das Hamburger Plus. Zum Vergleich: Eurogate machte alleine im ersten Quartal im Containerumschlag ein Plus von 41 Prozent.

Ein Fernostdienst an Eurogate abgegeben

Dabei hat die drittgrößte Reederei-Allianz der Welt, The Alliance unter der Führung des Schifffahrtskonzerns Hapag-Lloyd, in diesem Jahr ihren europä­ischen Seehandel mit Nordamerika in Hamburg bei der HHLA konzentriert. Das habe auch zu einem Mengenwachstum geführt, wie das Unternehmen in seiner Finanzpublikation mitteilte. Allerdings habe der Umschlagsbetrieb einen Fernostdienst an Eurogate abgeben müssen, was sich in Summe ausgeglichen habe.

Auch die Zubringerverkehre (Feeder) in den Ostseeraum entwickelten sich insgesamt leicht rückläufig. Die Feederquote am Umschlag sei leicht um 0,7 Prozentpunkte zurückgegangen: Keine gute Nachricht für Hamburgs Hafen.

Dennoch dürfte Hamburgs Senat, der mit 68 Prozent immer noch Hauptaktionär der HHLA ist, mit der Entwicklung des Unternehmens nicht unzufrieden sein. Lässt man den Containerumschlag in Hamburg außen vor, erweist sich die Halbjahresbilanz der HHLA nämlich als ordentlich. So konnte der Umsatz im Zeitraum von Januar bis Juni um 9,6 Prozent auf 693,7 Millionen Euro gesteigert werden.

HHLA: Der Gewinn legte zu

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte zudem um 14,4 Prozent auf 114,3 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Abgezogen werden muss davon allerdings noch ein einmaliger positiver Effekt aus der erstmaligen Anwendung des internationalen Bilanzierungsstandards IFRS 16. Dieser allein hat das Ebit um 7,1 Millionen Euro verbessert.

Den prozentual höchsten Zuwachs verzeichneten die Gewinne im Hinterlandverkehr. Mit einem Plus von 9,6 Prozent stieg der Transport auf 782.000 Standardcontainer. Getragen wurde die Entwicklung durch das Wachstum sowohl der Bahn- als auch der Straßentransporte. Das Betriebsergebnis (Ebit) erhöhte sich insgesamt aufgrund der positiven Mengen- und Umsatzentwicklung um 31,6 Prozent auf 50,8 Millionen Euro.

Dabei trug die Senkung der Trassenpreise in Deutschland zu einer weitersteigenden Auslastung der Zugsysteme bei. Damit hat sich die vor sieben Jahren getroffene Entscheidung der HHLA, verstärkt in Hinterlandtransporte zu investieren, als richtig erwiesen.

Angela Titzrath: Den Klimaschutz bedenken!

Die Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath bekräftigte am Mittwoch, die von ihr prognostizierten Ziele für das Gesamtjahr erreichen zu wollen. „Sie sind jedoch nur ein Schritt auf unserem strategischen Weg, die HHLA für die mittel- und langfristige Zukunft erfolgreich aufzustellen“, sagte die HHLA-Chefin. „Neben der Weiterentwicklung unseres Kerngeschäfts und der Erschließung weiterer Geschäftsfelder sind Nachhaltigkeit und Klimaschutz selbstverständlich integraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells.“

Für 2019 erwartet die HHLA einen leichten Anstieg des Containerumschlags. Für das Betriebsergebnis des Teilkonzerns Hafenlogistik sieht Titzrath sogar eine deutliche Steigerung voraus. Fundamentale Umwälzungen im Seehandel erwartet die HHLA-Chefin trotz Brexit und des Handelskonflikts zwischen den USA und China nicht: „Mittelfristig erwarten wir ein stabiles Wachstum der Transportströme zwischen Asien und Nordeuropa, wobei insbesondere der Verkehr auf der Schiene wachsen wird. Entsprechend intensivieren wir die Anstrengungen, um unsere gute Wettbewerbsposition zu behaupten und zu stärken.“

Im jüngsten Abendblatt-Podcast „Entscheider treffen Haider“ hat die HHLA-Chefin ihre Ziele noch näher skizziert (www.abendblatt.de/entscheider).

Der Fraktionsvorsitzende und Wirtschaftsexperte der Hamburger FDP, Michael Kruse, sieht für Hamburgs Hafen dennoch eine Reihe von Problemen: „Die HHLA-Zahlen sind insgesamt erfreulich. Allerdings zeigt das Ergebnis der Hamburger Terminals, dass der gewünschte Impuls durch den Baubeginn der Elbvertiefung ausgeblieben ist“, sagte er dem Abendblatt. Der rot-grüne Senat müsse deshalb dringend ein Zukunftskonzept für den Hafen erarbeiten. „Da sich die Wirtschaft im zweiten Quartal bereits eingetrübt hat, muss die Erarbeitung des Hafenentwicklungsplans nun Fahrt aufnehmen und darf nicht weiterherumdümpeln“, so Kruse.

Die Anleger sind daran natürlich weniger interessiert. Sie registrierten nur, dass die Bilanz ihres Unternehmens positiv ausfiel. In der ersten Tageshälfte stieg die HHLA-Aktie deshalb um mehr als zwei Prozent auf über 22 Euro. Am Nachmittag gab sie wieder ein wenig nach und lag gegen 16.30 Uhr bei 21,96 Euro – immer noch plus 1,7 Prozent.

Mitarbeit: Dorothea Benedikt