Hamburg

Taxivermittler Free Now macht seinen Fahrern Konkurrenz

Alexander Mönch, Deutschlandchef von Free Now, hier noch mit einem Taxi, will nun auch dem US-Konzern Uber mit einem Mietwagen-Dienst Konkurrenz machen.

Alexander Mönch, Deutschlandchef von Free Now, hier noch mit einem Taxi, will nun auch dem US-Konzern Uber mit einem Mietwagen-Dienst Konkurrenz machen.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Die Firma bietet in Hamburg nun Mietwagen mit Chauffeur an. Fahrten sollen günstiger als im Taxi sein – eine Konkurrenz für Uber.

Hamburg. Erst vor drei Wochen ist der US-Konzern Uber mit seinem Fahrdienst in Hamburg gestartet. Am Mittwoch im Lauf des Nachmittags kommt ein weiterer Wettbewerber hinzu, der die Preise von Uber noch unterbieten will: Auch der Hamburger Taxivermittler Free Now, bis vor kurzem bekannt unter dem Namen MyTaxi, bietet dann zusätzlich Mietwagen mit Fahrer über seine App an.

„Wir planen, bis Ende August eine Flotte von bis zu 100 Fahrzeugen auf die Straße zu bringen“, sagt Alexander Mönch, Deutschlandchef von Free Now. Mit dem neuen Mietwagendienst werde das Unternehmen versuchen, „unseren Fahrgästen immer den günstigsten Preis in der Hansestadt anzubieten.“ Uber hatte angekündigt, man wolle die behördlich regulierten Taxitarife um zehn bis 30 Prozent unterbieten.

Taxivermittler gehört einer Gemeinschaftsfirma von Daimler und BMW

Free Now wird ebenso wie Uber keine eigenen Autos nutzen, beide haben Verträge mit Mietwagenfirmen abgeschlossen. Dem Taxivermittler, der inzwischen einem Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und BMW gehört und der sich im ursprünglichen Geschäft als europaweiter Marktführer sieht, ist es nach eigenen Angaben „extrem wichtig“, dass die angeschlossenen Fahrer „ein hinreichendes Auskommen“ haben. Mindestlöhne seien verpflichtend.

Zwar arbeitet Free Now laut Mönch mit der Hälfte der 3100 konzessionierten Taxis in Hamburg zusammen. Doch mit dem neuen Angebot ergibt sich offenbar ein Interessenkonflikt. „Viele Fahrer empfinden das als Verrat“, sagt Clemens Grün, Vorstand des Hamburger Taxenverbands: „Wir Taxifahrer haben die App von Free Now groß gemacht, aber jetzt bietet dieser Dienstleister auf der gleichen Plattform unsere Konkurrenz gleich mit an.“

Bisher hat Free Now nach eigenen Angaben mit zahlreichen Hamburger Mietwagenfirmen einen Vertrag geschlossen. Im Vorfeld war Mönch mit etlichen Unternehmern aus diesem Bereich in Kontakt. „Viele schätzen es, mit jemandem zu sprechen, den sie seit Jahren kennen – und mit einem Anbieter zusammenzuarbeiten, der seine Steuern in Deutschland zahlt.“ Einige der Mietwagenfirmen, die künftig für Free Now fahren werden, seien auch als Taxi-Unternehmen tätig.

Neue Dienst konzentriert sich auf zentrale Stadtviertel

Die Zahl der Autos, die für den neuen Dienst unterwegs sind, wird nach Einschätzung von Mönch zum Jahresende voraussichtlich „im unteren dreistelligen Bereich“ liegen: „Schon bald wird ’Free Now’ auch hier draufstehen, wie schon jetzt bei Taxis, die Mietwagen werden aber nicht das gelbe Schild auf dem Dach haben und nicht in Hell-Elfenbein lackiert sein.“

Ähnlich wie andere Mobilitätsdienste konzentriert sich Free Now in Hamburg anfangs auf die zentralen Stadtteile rund um die Alster. Das entsprechende Gebiet nördlich der Elbe reicht von Bahrenfeld im Westen über Lokstedt und Winterhude im Norden bis Marienthal und Hamm im Osten.

Während Hamburg schon die sechste deutsche Großstadt ist, in der Uber mit dem auf Europa angepassten Geschäftsmodell – also mit Fahrern, die eine Lizenz zur Personenbeförderung haben – aktiv wird, hat man sich bei Free Now für das Debüt des neuen Dienstes bewusst für die norddeutsche Metropole entschieden. „Hier stehen wir in sehr engem Kontakt mit der Genehmigungsbehörde“, sagt Mönch. „Hamburg ist Modellstadt für Mobilität, man ist hier offen für neue Angebote.“

Free Now kam mit einer Antwort auf Moia auf den Markt

Im Hinblick auf die App konnte das Unternehmen auf dem Produkt „Match“ aufbauen, das in seiner aktuellen Form im April ebenfalls in Hamburg startete: Dem Fahrgast wird bereits vor Fahrtbeginn auf dem Smartphone ein Preis für die von ihm gewünschte Strecke angezeigt, der unter dem üblichen Taxi-Tarif liegt. Zudem versucht der Free-Now-Computer, die Fahrt zu teilen, indem ein weiterer Fahrgast mit einer möglichst ähnlichen Strecke hinzukombiniert wird. Dies war die Antwort auf den Sammeltaxi-Fahrdienst Moia, der seit April in Hamburg aktiv ist. Etwa die Hälfte der 3100 Hamburger Taxis bietet die Match-Option an.

Den Anstoß für den neuen Mietwagen-plus-Chauffeur-Service erhielt das Team von Free Now bereits im vorigen Jahr: „Taxifahrer vor allem aus Berlin und München haben uns vermehrt über Umsatzrückgänge von bis zu einem Viertel in den Abendstunden berichtet“, sagt Mönch. „Wir sind den Ursachen nachgegangen und haben festgestellt, dass es in Berlin schon mehr als 2000 Mietwagen mit Chauffeur gibt, zusätzlich zu den 8200 Taxis.“ Früher gab es lediglich vereinzelt Limousinen-Service-Angebote mit Oberklasseautos und zu deutlichen höheren Preisen als eine Taxifahrt, doch nun geht es um das Günstig-Segment.

„Wir haben schnell erkannt, was für ein großer Markt sich da auftut“, so Mönch. Solche Dienste könnten den starren Taxi-Tarif um bis zu 20 bis 30 Prozent unterbieten, schon weil sie in der Lage seien, den Preis der Nachfrage anzupassen: „Durch flexiblere Preise ließe sich die Auslastung von Taxis, die im Schnitt nur bei 20 bis 25 Prozent liegt, deutlich erhöhen – und ein stehendes Fahrzeug verdient kein Geld.“

Mietwagenfahrer kommen ohne Nachweis der Ortskunde aus

Einen Unterschied in der Kostenposition mache zudem die aufwendige Vorbereitung auf den Nachweis der Ortskunde, den Taxifahrer erbringen müssen und bei dem ein hoher Anteil der Kandidaten durchfällt. „In Zeiten der Navigationssysteme braucht diese Qualifikation keiner mehr“, findet Mönch. In der von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angestrebten Neufassung des Personenbeförderungsgesetzes könnte diese Auflage wegfallen. Mönch spricht sich für eine Angleichung der Bestimmungen für Taxis und Mietwagenfirmen aus. Anstelle des behördlich festgelegten Taxitarifs solle es einen Preiskorridor geben, der für alle Anbieter gilt und sicherstellt, dass es auf Seiten der Fahrer nicht zu „prekären Arbeitsverhältnissen“ kommt.

„Wir können nicht zusehen, wie der Wettbewerb, der voll auf Mietwagen setzt, unsere Marktführerschaft gefährdet“, sagte Mönch. Mit europaweit 14 Millionen Kunden sei Free Now klar die Nummer Eins bei der Taxivermittlung. Das Unternehmen mit 700 Beschäftigten ist Bestandteil der Mobilitäts-Gemeinschaftsfirma von Daimler und BMW, zu der auch die Car-Sharing-Marken Car2Go und DriveNow gehören. In mehreren europäischen Großstädten betreibt Free Now unter der Marke „Hive“ zudem bereits einen E-Scooter-Verleih. In Hamburg begann im April ein Modellversuch mit 100 Hive-Rollern auf dem Bahrenfelder Desy-Gelände. Wie die Wettbewerber zielt Free Now auf ein enorm großes Geschäft: Die Beratungsfirma PwC schätzt das Marktvolumen für Mobilitätsdienste bis 2030 in Europa auf knapp 400 Milliarden Euro.