Abendblatt-Test

Wie gut ist der Fahrdienstservice Uber wirklich?

Reporterin Hanna-Lotte Mikuteit steigt am Hauptbahnhof bei Uber-Fahrer Klaus Schwantes ein.

Reporterin Hanna-Lotte Mikuteit steigt am Hauptbahnhof bei Uber-Fahrer Klaus Schwantes ein.

Foto: Andreas Laible

Firmen im Norden überraschen mit neuen Produkten und Diensten. Wir prüfen, wie gut sie sind. Heute: der Fahrdienst Uber.

Hamburg. Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten Hamburger auf längeren Wegen durch die Stadt nur die Wahl zwischen Taxi, Bahn, Bus oder Fahrrad. Heute stehen tausende Mietautos am Straßenrand. Fahrdienste wie Moia, Clever-Shuttle, Ioki und auch Taxen bieten geteilte Fahrten an. Man kann E-Motorroller und E-Scooter leihen. In der vergangener Woche ist ein neuer Rivale im Kampf um die Hoheit auf der Straße dazu gekommen. Auch das US-Technologieunternehmen Uber vermittelt jetzt Fahrten in der Stadt. Das Versprechen des Mobilitätsdienstleisters: Mit Uber fährt man schnell und bequem wie in einem Taxi, aber zu einem festgelegten und günstigerem Preis.

Montagmorgen, kurz nach 10 Uhr. Wir stehen vor dem Hauptbahnhof Eingang Kirchenallee, den Blick abwechselnd auf das Handy und auf die Straße gerichtet. Die erste Fahrt per Uber-App ist gebucht (s. u.). Unser Ziel ist das Tennis-Station am Rothenbaum. Und zwar mit der Option UberGreen. Das bedeutet, dass auf jeden Fall ein Elektro-Auto vermittelt wird – zum gleichen Preis wie beim Standardtarif UberX. Nach zwei Minuten wird die Anfrage abgebrochen. Alle Wagen seien belegt, heißt es.

6,91 Euro vom Hauptbahnhof zum Rothenbaum

Zweiter Versuch mit UberX. In drei Minuten soll der Fahrer da sein, meldet die App. Der Preis für die Fahrt liegt bei 6,91 Euro für die 3,64 Kilometer-Strecke. Die Fahrtzeit zum Ziel ist mit neun Minuten berechnet – das scheint eher unrealistisch. In der App wird ein Foto des Fahrers angezeigt. Er heißt Klaus und hat eine Bewertung von 4,96 von fünf Sternen. Vom Kfz-Zeichen des Toyota Auris ist nur HH zu lesen. Offenbar ein Software-Fehler. Die Anfahrt lässt sich auf einer Karte verfolgen. Inzwischen sollte Uber da sein. Allerdings stellt sich nach einigem Hin und Her zunächst per Chat, dann am Telefon heraus, dass das System den Wagen auf die andere Bahhofsseite geschickt hat. Warum, ist unklar. Wir warten weitere drei Minuten.

Hamburg ist die sechste Großstadt in Deutschland, in der Uber unterwegs ist. Vor fünf Jahren war die 2009 gegründete Plattform hier schon einmal gestartet. Damals wurden Fahrer mit ihren Privatwagen an Kunden vermittelt – und schnell von Gerichtsurteilen gestoppt, weil das Geschäftsmodell nach dem deutschen Personenbeförderungsgesetz nicht zulässig ist. Beim zweiten Anlauf arbeitet Uber mit Mietwagen- und Taxifirmen zusammen, deren Fahrer alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Wie viele Wagen über den Vermittler unterwegs sind, gibt das Unternehmen nicht preis. Nicht die Zahl der Wagen, sondern die Verfügbarkeit sei relevant, so ein Sprecher. Eine eigene Flotte existiert anders als bei den Sammeltaxis von Moia oder Clevershuttle nicht.

Ablehnung in der Branche ist groß

Zusätzlich wird in Hamburg auch die Option UberTaxi angeboten, über die Fahren an klassische Taxis zum regulären Taxi-Tarif vermittelt werden. Trotzdem ist die Ablehnung in der Branche groß. Auch weil Bundesverkehrsminister Anderas Scheuer angekündigt hat, die sogenannte Rückkehrpflicht für Mietwagen im Personenbeförderungsgesetz aufzuheben. Bislang müssen Fahrdienste wieder zurück zu ihrer Zentrale, sobald sie den Passagier abgesetzt haben. In den ersten Tagen kamen aber offenbar meistens sofort neue Aufträge rein, so dass die Rückkehrpflicht nicht griff. „Die Resonanz ist sehr gut. Man muss sich zwingen, die Pausen einzuhalten“, wird Fahrer Klaus Schwantes später erzählen. Der ehemalige Rennfahrer aus Berlin fährt für den Uber-Partner SafeDriver ennoo – und ist für einen Monat zur Unterstützung in Hamburg im Einsatz.

Inzwischen ist der von Uber vermittelte Wagen am Treffpunkt angekommen. Wie versprochen ist es ein Fahrzeug der Mittelklasse und wenn schon nicht am Nummernschild so an einer Uber-Werbung zu erkennen. Die Wartezeit lag letztlich bei etwa zwölf Minuten. Die Fahrt beginnt. Laut App sollen wir in vier Minuten am Ziel sein. Jetzt ist klar – das ist nicht zu halten. Der Preis dagegen ist fest und ändert sich nicht, wenn die Fahrt wegen eines Staus länger dauert.

Im ersten Quartal 900 Millionen Euro Verlust

In den Debatten um Uber, das zu den wertvollsten Start-ups der Welt zählt, auch wenn es nicht profitabel arbeitet und im ersten Quartal 900 Millionen Euro Verlust einfuhr, geht es auch immer wieder um die Arbeitsbedingungen und den Verdienst der Fahrer. Das Unternehmen hält sich dazu bedeckt. Der Vermittler behält laut eines Sprechers eine Serviceprovision in Höhe von 25 Prozent vom Brutto-Fahrpreis ein, und macht dafür unter anderem auch die Abrechnungen. Wie viel die Fahrer von dem Rest bekommen, hängt von den jeweiligen Partnern ab. Bei den Stichproben wurden die Fahrer, die bei den Mietwagenfirmen angestellt waren, pro Stunde bezahlt. Es gibt auch Chauffeure, die auf Umsatz fahren.

Weitere 14 Minuten später sind wir am Ziel. Die Testfahrt war angenehm, aber insgesamt hat es letztlich 39 Minuten von der Bestellung bis zum Ausstieg gedauert. Nach Aussagen von Uber-Fahrern sind die Angaben zu den Ankunftszeiten in der App noch zu unpräzise. „Die Zeiten werden nach der aktuellen Verkehrslage in Hamburg berechnet. Es kann immer passieren, dass sich etwas ändert“, sagt Uber-Sprecher Tobias Fröhlich. Verbindlich sei die in der App angezeigte Ankunftszeit daher nicht und auch kein akzeptierter Grund für Beschwerden. Uber gelobt allerdings Besserung. „Das Computersystem lernt noch.“ Ganz sicher kommt dagegen wenige Minuten nach der Fahrt die Mail mit der Rechnung. Per App wird der Fahrgast aufgefordert, den Fahrer zu bewerten – 4,8 von fünf Sternen gilt intern als Benchmark. Außerdem kann man Trinkgeld in Höhe von 1, 2 oder 5 Euro geben. Das bekommen die Fahrer direkt.