Hamburg

Moia, Uber, Clevershuttle oder Bus: Wie wollen wir fahren?

| Lesedauer: 12 Minuten

Die Qual der Wahl haben die Hamburger, wenn es um Mobilität geht. Wir stellen die Menschen vor, die für die Mobilität sorgen.

Hamburg.  Kaum ein Thema bewegt Hamburg so sehr wie der Verkehr. Wie komme ich ohne eigenes Auto am besten zum Ziel? Möglichst günstig, möglichst schnell, möglichst umweltfreundlich?

Und immer mehr wird das Thema Mobilität zum Jobmotor. Allein beim Fahrdienst Moia haben 169 Arbeitslose einen Job gefunden, weitere 20 sind derzeit im Bewerbungsverfahren. Das bestätigte eine Sprecherin der Agentur für Arbeit Hamburg auf Abendblatt-Anfrage. Insgesamt sind bei Moia mehr als 700 Fahrer unter Vertrag. Die VW-Tochter startete im April in der Hansestadt. Eine Sprecherin sagt: „Wir werden eine Vielzahl weiterer Mitarbeiter einstellen, um in den kommenden Monaten die Flotte auf 500 Fahrzeuge auszubauen. Wir werden dann mehr als 1500 Fahrer haben.“ Wer bei Moia anfangen will, muss mindestens 21 Jahre alt sein und einen Personenbeförderungsschein sowie ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

S-Bahn Hamburg auf der Suche nach Personal

Aus einem Arbeitsvertrag zwischen Moia und einem Arbeitnehmer, der dem Abendblatt vorliegt, geht hervor: Die „regelmäßige Arbeitszeit beträgt 173 Stunden im Monat“. Der Arbeitnehmer verpflichtet sich auch zur „Sonn- und Feiertagsarbeit, wobei sichergestellt sein muss, dass mindestens 15 Sonntage im Jahr beschäftigungsfrei bleiben“, heißt es weiter in dem Arbeitsvertrag. Die „monatliche Bruttogrundvergütung“ wird mit 2080 Euro angegeben. Dazu kommen Zuschläge etwa für Sonntagsarbeit. Außerdem erhalten die Fahrer Trinkgeld von den Kunden. Dies ist steuerfrei.

Der Fahrdienstvermittler Uber ist seit Mittwoch in der Hansestadt aktiv und kooperiert dabei mit Mietwagenfirmen, die auch dringend Fahrer suchen. Der Fahrdienst CleverShuttle darf momentan nur mit 50 Autos in Hamburg seine Dienste anbieten und hat derzeit rund 200 Fahrer. Doch auch dieser Dienst will seine Flotte ausbauen.

Die S-Bahn Hamburg ist ebenfalls auf der Suche nach Personal und setzt dabei auf Quereinsteiger, die eine neunmonatige „Funktionsausbildung“ zum Lokführer machen. Allein in diesem Jahr sollen auf diesem Weg 90 neue Mitarbeiter ausgebildet werden.

Der Chauffeur, der auch ein Concierge auf vier Rädern ist

Dunkler Anzug, schwarze Krawatte und weißes Hemd. So erscheint Jens Butzer an seinem Arbeitsplatz. Das ist eine schwarze Mercedes S-Klasse. Seit Anfang März arbeitet der 50-Jährige als Chauffeur bei T&M Limousinen Service. Das Unternehmen mit Sitz in der Nähe des Flughafens besitzt eine ganze Flotte von Luxusautos, um zahlungskräftige Kunden von A nach B zu bringen.

Dort arbeiten 14 festangestellte Fahrer. Vor seinem Berufsstart besuchte Butzer einen Englischkurs: „Wir haben eine internationale Klientel, da muss man entsprechend gute Fremdsprachenkenntnisse haben.“ Er ist ein Quereinsteiger, hat mehr als zwei Jahrzehnte in der Gastronomie gearbeitet: „Es war Zeit für etwas Neues.

Vor allem zählt für mich, dass ich auch als Chauffeur viele spannende Menschen treffe und Dienstleister sein darf.“ Hotels wie das Vier Jahreszeiten gehören zu den Kunden. „Wir holen die Gäste häufig vom Flughafen ab und bringen sie zu Terminen oder ins Hotel. Doch manchmal machen wir auch Stadtrundfahrten.“ Aber er sei auch so etwas wie ein Concierge auf vier Rädern, sagt Butzer. Dazu gehöre zum Beispiel das Reservieren von Tischen in Restaurants. Der Verdienst liegt laut T&M Limousinen Service zwischen 2000 bis 3000 brutto – abhängig von der Arbeitszeit. Das Trinkgeld kommt dazu. ug

Voraussetzungen: Personenbeförderungsschein, Zuverlässigkeit, gute Englischkenntnisse und sehr gute Ortskenntnisse.

Der Mann vom Fahrservice, der die Stadt erkundet

„Jeder Tag ist ein Abenteuer“, so beschreibt Djily Diarra seine Arbeit bei CleverShuttle. Der Senegalese ist ein Mann der ersten Stunde. Als Diarra 2017 erfuhr, dass der Fahrservice in Hamburg startet, hat er sich beworben. Er ist zufrieden mit der Arbeit bei dem Anbieter, dessen Flotte ausschließlich aus E- und Wasserstoffautos besteht: „Ich lerne jeden Tag neue Menschen kennen, mit denen ich interessante Gespräche führe und erkunde immer noch neue Ecken in der Stadt.“

Bei CleverShuttle teilen sich bis zu sechs Fahrgäste ein Fahrzeug, und der Fahrer bringt sie jeweils von Tür zu Tür. Die Preise liegen laut Anbieter zwischen 40 und 60 Prozent unter Taxitarif. Bis zu fünfzehn „RideSharing“-Fahrten hat er an einem Acht-Stunden-Arbeitstag. Was der 45-Jährige, der zuvor mit Gebrauchtwagen handelte, nicht mag: „Wenn es zu Staus kommt und dadurch Verzögerungen auftreten.

Das ist für uns Fahrer und die Fahrgäste ärgerlich.“ 2240 Euro brutto verdient der Vater von drei Kindern mit einer 40-Stunden-Woche. Den Start-Verdienst von 12,50 Euro pro Stunde konnte er durch das Bonus-System – zum Beispiel bei positiven Kundenbewertungen - um 1,50 Euro erhöhen. Bei Nachtfahrten gibt es Zuschläge. Dazu kommt das Trinkgeld. hpbr

Voraussetzungen: Personenbeförderungsschein, gute Deutschkenntnisse, Mindestalter 21 Jahre und seit zwei Jahren im Besitz eines EU-Führerscheins.

Der Fahrer, der bei Uber ein Mann der ersten Stunde ist

Seit Mittwoch ist Uber in Hamburg am Start. Mit dabei ist Patrick Trzebiatowski. Der 28-Jährige ist angestellt bei einer Mietwagenfirma, an die Uber Fahrten vermittelt. Die Kunden bestellen per App und werden von Trzebiatowski abgeholt und an ihr Ziel gebracht. Meistens sind die Fahrten günstiger als mit einem Taxi: „Meine längste Fahrt war heute vom Flughafen bis nach Altona. Viele Kunden wollen aber Uber erst einmal kennenlernen und buchen kürzere Strecken.“ Der Speditionskaufmann fährt die Kunden in einer weißen Mercedes-B-Klasse: „Ich sitze gerne am Steuer und habe Kontakt zu den Fahrgästen.“

Vorher hat er im Raum Kiel als Kurierfahrer gearbeitet. Das sei unheimlich anstrengend gewesen und die Bezahlung nicht fair. Als er von der Einführung von Uber hörte, habe er sich Anfang Juli beworben. Was er in seinem neuen Job als Festangestellter konkret verdient, mag der Vater eines Sohnes nicht sagen. Es ist zumindest mehr als der Mindestlohn, der bei 9,19 Euro pro Stunde liegt.

Dazu kommt das Trinkgeld, welches die Kunden in bar oder per App bezahlen können. Bis zu 48 Stunden pro Woche darf der Fahrer arbeiten. Momentan fängt Trzebiatowski, der in der Nähe von Kaltenkirchen wohnt, gegen 6 Uhr an: „Es macht mir nichts aus, früh aufzustehen. Nur spät abends und nachts möchte ich nicht gerne fahren, weil ich auch Zeit für meine Familie haben möchte.“ ug

Voraussetzungen: Personenbeförderungsschein. Alle weiteren Anforderungen hängen von den Mietwagenfirmen ab.

Der Taxifahrer, der über seine Erlebnisse ein Buch schrieb

Wenn einer die Stadt wie seine Westentasche kennt, dann ist das Stephan Panther. Seit vier Jahrzehnten arbeitet der 61-Jährige als Taxifahrer. Selbst als Panther ein paar Jahre ein Lokal in Blankenese führte, fuhr er nebenbei noch Taxi. Der Sülldorfer startete als Unternehmer mit drei eigenen Wagen. Seit 20 Jahren ist er Angestellter und sein Dienstauto aktuell ein VW Touran. „Ich liebe diesen Beruf, auch wenn man damit nicht reich wird. Aber für mich ist das Wichtigste, zufrieden zu sein.“

Kein Tag sei wie der andere, weil man bei jeder Fahrt neue interessante Menschen kennenlerne. Letztens erst hat er einen „Tatort“-Kommissar gefahren. Der kaufte noch ein Exemplar von Panthers Buch „Abgefahren“, das er über seine Erlebnisse als Taxifahrer geschrieben hat. Anstatt eines Festgehalts, das laut Branchenprimus Hansa-Taxi bei rund 2200 Euro plus Trinkgeld liegt, wird Panther prozentual am Umsatz beteiligt.

Er komme so auf rund 2000 Euro, dazu kommen noch mehrere Hundert Euro Trinkgeld – das ist steuerfrei. Stephan Panther arbeitet von Dienstag bis Sonnabend. Wenn er am Tag fährt, startet er gegen 7 Uhr, am Wochenende sitzt er auch bis nachts um vier Uhr hinter dem Steuer. Auf gut 40 Stunden Arbeitszeit kommt Panther pro Woche. Am liebsten fährt er im Hafen und im Hamburger Westen. ug

Voraussetzungen: Taxischein, mindestens 21 Jahre alt, seit mindestens zwei Jahren ein gültiger EU-Führerschein und ein einwandfreies Führungszeugnis.

Die Busfahrerin, die ihr Büro mit Aussicht genießt

In ihrem ersten Berufsleben arbeitete Sandra Albrecht mehr als neun Jahre als Einzelhandelskauffrau. Doch dann baute Karstadt Jobs ab. Der Verkäuferin wurde betriebsbedingt gekündigt.

Auf einer Busfahrt entdeckte die 32-Jährige eine Werbung der Hochbahn, die Busfahrer suchte. Die Harburgerin bewarb sich. Mit Erfolg: Innerhalb von drei Monaten machte sie ihren Busführerschein und ist seit Dezember 2015 im Dienst: „Ich habe ein Büro mit Aussicht, wenn ich am Steuer sitze.“

Bis zu 18 Meter lang sind die Fahrzeuge, die Albrecht zum Beispiel auf der Metrobuslinie 25 zwischen Hammerbrook und dem Bahnhof Altona lenkt: „Natürlich ist es manchmal nervig, wenn man mal wieder in einem Stau steht. Aber eigentlich bin ich relativ gelassen.“ Eine 39-Stunden-Woche absolviert Al­brecht. Sie arbeitet sechs Tage und hat dann drei Tage frei.

In der Frühschicht startet die Hochbahn-Mitarbeiterin manchmal um vier Uhr. „Daran muss man sich gewöhnen, aber ich komme auch mit dem Aufstehen mitten in der Nacht gut klar.“ In ihrem Beruf verdient Albrecht rund 2600 Euro brutto. Das Einkommen erhöht sich mit den Jahren der Betriebszugehörigkeit. Dazu kommen Zuschläge für Nachtschichten sowie Sonn- und Feiertage. ug

Voraussetzungen: ein Busführerschein, den die Hochbahn bezahlt. Mindestalter ist 21 Jahre. Vorausgesetzt werden ein Schulabschluss, ein EU-Führerschein seit mindestens zwei Jahren sowie gute Deutschkenntnisse.

Für den S-Bahn-Fahrer erfüllte sich ein Jugendtraum

Dass Michael Brinkmann einmal selber eine S-Bahn steuern wird, war für ihn schon in seiner Kindheit klar. Bereits in jungen Jahren engagierte sich der 28-Jährige im Eisenbahnverein, beendete mit achtzehn seine dreijährige Ausbildung bei der DB Cargo als Eisenbahner im Betriebsdienst – Fachrichtung Lokführer und Transport.

Seit 2011 arbeitet er in dem Job. Zwei kleine Unterbrechungen gab es, als er an den DB-Fernverkehr und DB Regio ausgeliehen war. Besondere Herausforderungen gibt es jeden Tag: Rettungswageneinsätze, Personen im Gleisbett, Störungen der Signalanlagen. In solchen Situationen muss Brinkmann die Fahrgäste informieren, warum der Zug plötzlich steht, und wie es weitergeht.

Die Wochenarbeitszeit beträgt 39 Stunden. Dazu zählen Früh-, Spät- und auch Nachtschicht. „Das gehört zu diesem interessanten Beruf dazu, da muss man durch. Natürlich stellt einen das manchmal vor Herausforderungen, bei der Organisation des Privatlebens.“ Der Verdienst ist abhängig von der Berufserfahrung und liegt zwischen 3100 und 4100 Euro brutto, inklusive Weihnachtsgeld und Zulagen. hpsr

Voraussetzungen: Mentale und physische Leistungsfähigkeit, die von einem Betriebsarzt geprüft wird. Für die dreijährige Ausbildung wird ein Schulabschluss gebraucht. Wer als Quereinsteiger die neunmonatige Funktionsausbildung machen möchte, benötigt zusätzlich eine abgeschlossene Berufsausbildung.

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