Weihnachtsmusik

„Last Christmas“-Stress – leisere Musik in Läden gefordert

Nicht dass die Kunden vor Schreck direkt wieder umdrehen: Geschäfte sollen es mit der Lautstärke von „Jingle Bells“ und Co. nicht übertreiben, sagt Verdi.

Nicht dass die Kunden vor Schreck direkt wieder umdrehen: Geschäfte sollen es mit der Lautstärke von „Jingle Bells“ und Co. nicht übertreiben, sagt Verdi.

Foto: Francis Joseph Dean / imago/Dean Pictures

Im Advent wollen viele Geschäfte mit Weihnachtsmusik punkten. Doch Verdi warnt vor Gesundheitsgefahr durch zu laute Dauerbeschallung.

Berlin.  Die Vorweihnachtszeit gilt ohnehin schon als stressig. Da muss man nicht auch noch dauernd mit „Last Christmas“, „Jingle Bells“ und „Oh, du Fröhliche“ in Endlosschleife beschallt werden – findet Verdi.

Die Gewerkschaft hat allerdings weniger das Wohl der von einem Geschäft zum nächsten hastenden Kunden im Blick als in erster Linie das der Verkäufer. Sie gelte es vor zu lauter Dauerbeschallung mit weihnachtlicher Musik zu schützen.

Weihnachtslieder nicht lauter als TV in Zimmerlautstärke

Einschlägige Lieder müssten in den Geschäften auf ein „erträgliches Maß“ reduziert werden, verlangte Verdi am Freitag in Berlin – und verwies in einer Mitteilung auf Arbeitsplatzvorschriften, nach denen der Lärm in den Shops 70 Dezibel nicht überschreiten darf.

Werde Musik gespielt, sei das Maximum sogar schon bei 64 Dezibel erreicht. Das entspreche einem Fernseher in Zimmerlautstärke, so Verdi.

Bluthochdruck und erhöhte Herzfrequenz

Angaben zum Ausmaß der Beschallung im Handel oder zur Zahl der betroffenen Beschäftigten machte die Gewerkschaft nicht. Auch der Einzelhandelsverband HDE hatte dazu am Freitag keine Informationen vorliegen.

Stundenlange Dauerbeschallung mit zu lauter Weihnachtsmusik habe gesundheitliche Folgen von Bluthochdruck über negativen Stress bis zur Erhöhung der Herzfrequenz, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger allgemein. „Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt dadurch um 20 Prozent zu.“

Wham! – „Last Christmas“

Arbeitgeber sind zum Handeln verpflichtet

Verdi rät betroffenen Beschäftigten, das Thema über ihre Betriebsräte anzugehen. Die Arbeitgeber seien zu Gegenmaßnahmen verpflichtet – etwa über leisere Musik und Durchsagen, Schalldämmung oder zusätzliche Erholungspausen. Die Maßnahmen sollten möglichst in einer Betriebsvereinbarung festgehalten werden, rät die Gewerkschaft.

Zeigt sich der Arbeitgeber nicht einsichtig, könnte ein Jobwechsel nach Großbritannien helfen. Dort hat die Pub-Kette Fuller’s in mehr als 200 Lokalen „Last Christmas“ verboten.

Der Song von Wham! schafft es jedes Jahr im Advent wieder in die Charts – inzwischen zum 130. Mal. Welche Weihnachtslieder sonst noch beliebt sind. (dpa/cho)