Handelskonzern Douglas

Thalia-Sanierung steht beim Aufsichtsrat im Fokus

Nicht der Abschied von der Börse, sondern die Sanierung der Thalia-Kette steht auf der Agenda. Zerschlagungsgerüchte halten sich dennoch.

Düsseldorf/Hagen. Wie sich der Handelskonzern Douglas künftig aufstellen will, ist wohl nicht so schnell zu klären: Bei der außerordentlichen Sitzung des Douglas-Aufsichtsrats am Mittwoch sind Finanzkreisen zufolge keine Weichenstellungen in Richtung auf Überlegungen zu erwarten, das Unternehmen von der Börse zu nehmen . Die Pläne stünden formell nicht auf der Tagesordnung, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Der Aufsichtsrat könne auch keine Empfehlungen dazu abgeben, da es kein öffentliches Übernahme-Angebot für Douglas-Aktien mit dem Ziel gebe, diese vom Kurszettel zu nehmen.

Der Schwerpunkt der Sitzung solle vielmehr auf Plänen zur Sanierung der Buchhandelskette Thalia liegen, die unter der Konkurrenz von Online-Händlern wie Amazon leidet, sagte ein weiterer Insider. Die Unternehmensberatung McKinsey arbeitet an einem detaillierten Konzept für die Kette, die Douglas aus eigener Kraft wieder auf Kurs bringen will. Ein Douglas-Sprecher sagte, der Konzern äußere sich nicht zu Angelegenheit des Aufsichtsrats. Douglas-Aktien drehten am Nachmittag ins Minus, erholten sich dann aber wieder leicht.

+++ Zukunft von Douglas steht weiter auf dem Prüfstand +++

+++ Jobabbau droht: Thalia will Filialen verkleinern +++

Konzernchef Henning Kreke prüft seit Wochen Pläne, Douglas von der Börse nehmen und strebt dabei die Unterstützung von Finanzinvestoren an. Finanzinvestoren könnten den Handelskonzern auf sein Kerngeschäft mit Parfüm und Schmuck zurechtstutzen. Abgespalten werden könnten die Ketten Thalia (Buchhandel), Hussel (Süßwaren) oder Appelrath Cüpper (Mode).

Kreke hatte immer wieder betont, es werde geprüft, ob eine Transaktion mit Finanzinvestoren überhaupt sinnvoll und machbar sei. Zu den von Kreke angesprochenen Finanzinvestoren gehören unter anderem Apax Partners und BC Partners, wie Insider aus der Private-Equity-Branche gesagt hatten. Das Vorgehen der Familie sei aber „in jedem Fall langfristig ausgerichtet und zielt nicht darauf, kurzfristig den schnellen Schnitt zu machen“, hatte Kreke versichert.

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Als große Unbekannte in der Rechnung gilt Erwin Müller. Der Drogerieunternehmer pirscht sich seit Monaten an Douglas heran und kontrolliert bereits über zehn Prozent. Zudem hat er indirekt Zugriff auf weitere 15,55 Prozent. Die Krekes selbst halten rund 12,6 Prozent, größter Aktionär ist der Oetker-Konzern, der 25,8 Prozent kontrolliert. Müller hat erklärt, er werde sich nicht vor der Hauptversammlung zu seinen Absichten äußern. Die Douglas-Anteilseigner kommen am 21. März in Essen zusammen.

+++ Machtkampf bei Douglas: Müller mischt mit +++

Aktionärsschützer fordern vom Einzelhändler Douglas ein klares Zukunftskonzept. Nachrichten über Douglas und dem angestrebten Börsenabschied würden sich überschlagen, kritisierte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) im Vorfeld der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung. Douglas-Anteilseigner Müller solle Optionen besitzen, um seinen Anteil auf die Sperrminorität von mehr als 25 Prozent ausweiten zu können. In dem Fall könnte sich Müller gegen alle Pläne stellen.

„Wir wären sehr froh, wenn die Sitzung endlich Klarheit für die Aktionäre bringt, was in Zukunft mit dem Unternehmen passieren soll. Ein klarer Zeitplan und ein nachvollziehbares Übernahmekonzept wären da schon mal ein Anfang“, sagt Jella Benner-Heinacher. Der Aufsichtsrat solle Entscheidungen treffen und diese dann gegenüber den Aktionären vertreten. Damit wäre auch die Gefahr gebannt, dass der Douglas-Konzern zum Spielball der beiden Aktionärsgruppen Kreke und Müller werde. (Reuters/dpa/abendblatt.de)