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9-Euro-Ticket: Wie es mit dem Billigticket weitergehen soll

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Tobias Kisling
17 Stunden im RE: FUNKE-Reporter testet 9-Euro-Ticket

17 Stunden im RE- FUNKE-Reporter testet 9-Euro-Ticket

Volle Züge, Fahrräder, die den Weg versperren, Pendler und Urlauber: FUNKE-Reporter Leon Grupe macht sich mit dem 9-Euro-Ticket auf den Weg vom Ostseefjord bis in die Allgäuer Alpen.

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Für 9 Euro den ÖPNV nutzen – dieses Angebot ist bald zu Ende. Der Unmut ist groß und auch der Druck für eine Nachfolgeregelung wächst.

Berlin.  Auf zig Strecken herrschte am Wochenende wieder großes Gedränge: Noch einmal ergriffen viele Menschen die Gelegenheit, um günstig durch das Land zu reisen. Für 9 Euro im Monat bundesweit den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen – damit ist ab Donnerstag vorerst Schluss.

Zwar bescheinigen sowohl die Bundesregierung als auch die Länder der Maßnahme großen Erfolg, auf eine Nachfolgelösung konnten sie sich dennoch nicht einigen. Die Länder fordern vom Bund, eine Nachfolgelösung zu präsentieren, der Bund sieht die Zuständigkeit bei den Ländern.

Deutsche Bahn: 9-Euro-Ticket läuft aus

So wird der Billigfahrschein in dieser Woche zumindest vorerst auslaufen – zum Frust vieler Reisenden. Am Wochenende gingen in mehreren Städten Befürworter des günstigen ÖPNVs auf die Straße, um für eine Verlängerung zu demonstrieren.

Ein positives Fazit zog auch die Deutsche Bahn: Allein über die Kanäle des Konzerns seien rund 26 Millionen der Sonderfahrten verkauft worden, teilte die neue Regionalverkehrsvorständin, Evelyn Palla, mit. „Jeder fünfte 9-Euro-Ticket-Nutzer hat die öffentlichen Verkehrsmittel neu für sich entdeckt.“ Laut des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen belaufe sich die vorläufige Zahl der insgesamt verkauften Tickets auf 38 Millionen.

VdK-Präsidentin Bentele fordert Nachfolgelösung

In Zeiten steigender Preise ermöglichte die Maßnahme günstige Mobilität. Für die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, ist daher klar: „Eine Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket muss schnell gefunden werden. Günstig, bundesweit einheitlich und unkompliziert – so soll das neue Ticket sein.“

So könnten Menschen trotz der hohen Inflation weiterhin klimafreundlich mobil bleiben, sagte Bentele unserer Redaktion. Zugleich mahnte sie mit Blick auf die oft überfüllten Züge Lösungen für mobilitätseingeschränkte Menschen an. „Das fängt mit mehr Stell- und Stehplätze für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwägen in den Zügen an.“

Mehrheit ist unzufrieden mit ÖPNV-Infrastruktur

Doch nicht nur die überfüllten Züge waren ein Problem bei der Maßnahme, die sich der Bund für die drei Monate 2,5 Milliarden Euro kosten ließ. In manchen Gebieten profitierten die Menschen kaum von der Maßnahme, weil der ÖPNV schlecht ausgebaut ist. Bundesweit sind gerade einmal 39 Prozent der Deutschen mit der Bahn- und ÖPNV-Infrastruktur zufrieden.

Das geht aus einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Während in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen die Zufriedenheit hoch ist, sind auf dem Land mehr als zwei Drittel aller Befragten unzufrieden mit dem ÖPNV. Der Wunsch nach Mehrinvestitionen ist demnach groß.

Erste Bundesländer preschen in Eigenregie vor

Die muss aber jemand finanzieren. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FPD) lehnt eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket aus Bundesmitteln entschieden ab, sprach von einer „Gratismentalität“. Die Grünen machen Druck und wollen das sogenannte Dienstwagenprivileg streichen, um Gelder locker zu machen.

Erste Bundesländer preschen derweil im Alleingang vor.Berlin will von Oktober bis Dezember ein eigenes Angebot schaffen und Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) stellte bereits ein Ticket für die norddeutschen Bundesländer in Aussicht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.