Naturkatastrophe

Erdbeben erschüttert Fukushima – Mindestens vier Tote

| Lesedauer: 3 Minuten
Fukushima elf Jahre nach der Reaktor-Katastrophe

Fukushima elf Jahre nach der Reaktor-Katastrophe

Elf Jahren nach dem Reaktorunglück von Fukushima sind immer noch tausende Menschen jeden Tag damit beschäftigt, die Folgen der Kernschmelze zu beseitigen.

Beschreibung anzeigen

Ein starkes Erdbeben hat Fukushima erschüttert. Der Vorfall weckt Erinnerungen an das Atomunglück 2011 – inklusive Tsunami-Warnung.

Berlin. 
  • Ein schweres Erdbeben hat die Region Fukushima erschüttert
  • Mindestens vier Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt
  • Auch in Tokio waren tausende Haushalte ohne Strom
  • Das Atomkraftwerk in Fukushima wurde auf Schäden untersucht

Ein starkes Erdbeben hat am späten Mittwochabend um 23.36 Uhr (Ortszeit) Fukushima erschüttert. Die japanische Wetterbehörde gab die Stärke mit 7,4 auf der Richterskala an. Das Zentrum des Bebens habe in einer Tiefe von rund 60 Kilometern vor der Küste der Region Fukushima gelegen hieß es weiter. Nach neuen Angaben von Donnerstagmorgen (MEZ) starben mindestens vier Menschen bei dem Unglück. Mindestens 107 Menschen wurden verletzt.

Durch die Erschütterungen entstanden tiefe Risse in Autobahnen, in Läden fielen Waren aus den Regalen. In der Stadt Sendai stürzte eine Steinmauer des Aoba-Schlosses ein. Nördlich von Fukushima entgleiste ein Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszug, wie die Bahngesellschaft JR East mitteilte. Verletzt wurde dabei niemand. 75 Passagiere und drei Bahn-Mitarbeiter saßen aber vier Stunden lang fest, bevor sie den Zug verlassen konnten.

Die Meteorologische Behörde gab zunächst eine Warnung vor einem Tsunami für Teile der Nordostküste in den Präfekturen Fukushima und Miyagi aus. Später teilte sie mit, in der Stadt Ishinomaki in Miyagi seien nur 30 Zentimeter hohe Wellen gemessen worden. Stunden später wurde die Tsunami-Warnung von den Behörden wieder aufgehoben.

Atomkraftwerk Fukushima: Tepco stellt keine Schäden fest

Der Energieversorger Tepco überprüfte das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, wie das Unternehmen auf Twitter mitteilte. Die Atomaufsichtsbehörde meldete wenig später, dass dort keine ungewöhnlichen Vorgänge festgestellt worden seien. Allerdings fielen kurzzeitig die Pumpen in Abklingbecken für verbrauchte Brennelemente in zwei anderen Atomkraftwerken in Fukushima und Onagawa aus, wie die Atomaufsicht weiter mitteilte. Sie hätten schnell wieder den Betrieb aufgenommen.

Die Regierung warnte die Menschen in der Region vor schweren Nachbeben in der kommenden Woche.

Augenzeugin berichtet aus Tokio: "Es wurde immer heftiger"

Das Beben erschütterte auch die Hauptstadt Tokio. In zwei Millionen Haushalten fiel nach Angaben von Tepco der Strom aus. Allein in Tokio waren rund 700.000 Haushalte betroffen.

Viele Japaner waren bereits schlafen gegangen, als kurz vor Mitternacht plötzlich die Wände schwankten. "Am Anfang fühlte es sich an wie jedes leichte Erdbeben in Japan", sagt Mara Peppmüller dieser Redaktion. Sie studiert in Tokio. "Man ist hier einiges gewohnt. Doch es wurde immer heftiger. Dann hörte ich, wie sich im Flur Möbel bewegten. Da hatte ich nur einen Gedanken: Schnell raus aus dem Haus. Zum Glück legte es sich dann und es wurde hier niemand verletzt."

Erdbeben erschütterte Fukushima bereits im Februar

Im Februar hatte zuletzt ein Erdbeben Verwüstungen in der Region angerichtet. Es kam ebenfalls zu Stromausfällen in hunderttausenden Haushalten und zwei Erdrutschen. Eine Flutwelle, die 2011 das schwere Reaktorunglück im Atomkraftwerk Fukushima ausgelöst hatte, gab es aber nicht.

Japan gehört zu den am meisten von Erdbeben betroffenen Ländern weltweit. Mit der Nordamerikanischen, der Eurasischen, der Pazifischen und der Philippinischen Platte treffen gleich vier tektonische Platten in unmittelbarer Nähe zu Japan aufeinander.

(fmg/dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de.