Corona

Omikron-Ausbruch in Oslo: Was Deutschland drohen könnte

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Von der Leyen: Impfen ist die Antwort auf Omikron

Von der Leyen: Impfen ist die Antwort auf Omikron

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat vor der wachsenden Bedrohung durch die Omikron-Variante des Coronavirus in Europa gewarnt. Die Antwort darauf seien mehr Impfungen, auch für Kinder ab fünf Jahren, Auffrischungsimpfungen und Schutzmaßnahmen, sagte von der Leyen nach dem EU-Gipfel in Brüssel. "The answer can only be to increase vaccination to include children above five years old, boosters and protective measures: that has to be the answer we give to this new variant," she says.

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Bei einer Feier infizieren sich Dreiviertel der Gäste mit Corona – die meisten mit Omikron. Dabei waren alle geimpft und getestet.

Berlin. 117 Menschen kommen zu einer Weihnachtsfeier zusammen. Sie wägen sich in Sicherheit, fast alle von ihnen sind doppelt geimpft. Auf Wunsch des Veranstalters führen zusätzlich alle von ihnen einen Antigen-Schnelltest durch. Geschützt durch die Impfung und negativ getestet – was soll da schon passieren? Drei Wochen später steht fest: Von 117 Personen haben sich 81 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Die meisten nachweislich: mit Omikron.

Das Ergebnis einer Kohortenstudie des Norwegian Institute of Public Health lässt aufhorchen. Denn mittlerweile steht fest: Einer der Teilnehmer war nur zwei Tage vor der Weihnachtsfeier aus Südafrika zurückgekehrt. Offenbar unwissend trug er die Mutante in die geschlossene Gesellschaft – die Feier fand am 26. November in einem separaten Raum eines Osloer Restaurants statt – ein.

Inzwischen wurden, so das Ergebnis der Studie, bei mindestens 66 Menschen eine Infektion mit der neuen Omikron-Variante nachgewiesen, bei weiteren 15 Personen, die ebenfalls positiv auf das Coronavirus getestet wurden, ist noch unklar, mit welcher Variante sie sich infizierten.

Oslo: 96 Prozent der befragten Weihnachtsfeier-Gäste waren geimpft

Um mehr über Omikron und die Ansteckungsgefahr durch die neue Variante herauszufinden, untersuchten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen genau, was am 26. November in Oslo passiert war. Insgesamt führten sie dafür Interviews mit 111 der 117 teilnehmenden Personen durch. Diese waren im Durchschnitt 39 Jahre alt, 96 Prozent von ihnen waren vollständig geimpft – allerdings nicht geboostert.

Obwohl also nahezu alle Teilenehmenden geimpft waren, hatte Omikron eine Gesamtbefallsrate von 74 Prozent. 91 Prozent der Erkrankten entwickelte zudem mindestens drei Symptome. Zu den häufigsten gehörten dabei Husten (83 Prozent), Schnupfen (78 Prozent), Halsschmerzen (72 Prozent), Kopfschmerzen (68 Prozent) und Fieber (54 Prozent).

Drosten: "Sieht mir nicht nach einer milderen Erkrankung aus“

Über die Hälfte der Teilnehmenden bewertete ihre Symptome in Bezug auf den Schweregrad als Stufe drei oder vier von fünf möglichen Stufen, wobei Stufe fünf die schlimmste war. Bis zum 13. Dezember war allerdings bei keinem der Partygäste ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Dennoch führen die Ergebnisse auch bei deutschen Virologen zu Besorgnis. Christian Drosten schrieb auf Twitter: "Praktisch alle Infizierten doppelt geimpft und trotzdem symptomatisch, die Hälfte mit Fieber. Sieht mir nicht nach einer milderen Erkrankung aus."

Fakten zu Christian Drosten

  • Geburtsdatum: 12. Juni 1972
  • Position: Leiter der Virologie an der Berliner Charité
  • Thema: Corona-Pandemie

Zusätzlich, so schreiben die norwegischen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, wurden 70 weitere Infektionen bei Menschen nachgewiesen, die sich am selben Veranstaltungsort, allerdings nicht auf der Weihnachtsfeier selbst aufgehalten hatten. Bei 53 der Personen konnte die Omikron-Variante ebenfalls gefunden werden.

Omikron "hochgradid übertragbar"

Die Forschenden des Norwegian Institute of Public Health kommen zu dem Schluss, dass die Ergebnisse der Untersuchung die Annahme unterstützen würden, dass "diese SARS-CoV-2-Variante selbst unter vollständig geimpften Personen hochgradig übertragbar ist".

Zwar sei es auch bei vorherigen Varianten zu Superspreading-Events gekommen, doch der Ausbruch in Oslo bestätige Berichte aus anderen Ländern, "wonach die Omikron-Variante möglicherweise übertragbarer ist und eine Impfung zur Verhinderung einer Infektion weniger wirksam sein kann als bei der Delta-Variante".

Impfungen könnte schwere Verläufe verhindert haben

Dabei beobachteten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen – unter der Annahme, dass sich die Partygäste auf der Weihnachtsfeier angesteckt haben – eine durchschnittliche Inkubationszeit von drei Tagen. Das sei im Vergleich zu anderen Varianten eher kurz.

Allerdings, so schreiben die Studienautoren und -autorinnen, könnte die Impfung das Risiko eines schweren Verlaufs verringert haben. Weiterhin heißt es: "Bis weitere Informationen vorliegen, wird die Impfung, einschließlich der Bereitstellung von Auffrischungsdosen für Risikogruppen, weiterhin eine zentrale Bekämpfungsmaßnahme darstellen."

Seit dem 15. Dezember gelten in Norwegen aufgrund der Ausbreitung der Omikron-Variante strengere Regeln. Bars und Restaurants dürfen bis auf weiteres keinen Alkohol mehr ausschenken, Arbeitnehmende sollten möglichst von zu Hause arbeiten. Die Maskenpflicht wurde außerdem auf weitere Orte ausgeweitet und der Zugang zu Schwimmbädern und Sporthallen eingeschränkt. (csr)