Pandemie

Was ist ein Totimpfstoff? Alle Fragen und Antworten

| Lesedauer: 4 Minuten
Yannick Höppner
Valneva präsentiert Studienergebnisse zu neuem Impfstoff

Valneva präsentiert Studienergebnisse zu neuem Impfstoff

Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei. Es gibt noch immer unzählige ungeimpfte Menschen. Der französisch-österreichische Konzern Valneva will nun mit neuen Ergebnissen überzeugen.

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Zwei Hersteller forschen intensiv an einem Totimpfstoff gegen das Coronavirus. Sie sollen effektiver sein als die bisherigen Vakzine.

Berlin. Der französisch-österreichische Hersteller Valneva forscht zu einem Totimpfstoff gegen das Coronavirus. Ersten Studien zufolge könnte das Vakzin mit dem Namen VLA2001 wirksamer sein als etwa der Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca. Eine Zulassung in der EU steht bereits für das Frühjahr 2022 in Aussicht. Aber: Was ist ein Totimpfstoff überhaupt?

Was ist ein Totimpfstoff?

Grundsätzlich gibt es mehrere Arten von Impfstoffen. Zum Beispiel die Vektor-Vakzine (z.B. Astrazeneca und Johnson & Johnson) und die genbasierten mRNA-Impfstoffe (z.B. Biontech und Moderna), die bislang gegen das Coronavirus verwendet werden. Auch DNA-Impfstoffe sind genbasiert, werden jedoch nicht gegen Covid-19 eingesetzt. Außerdem gibt es proteinbasierte Impfstoffe.

Ein Totimpfstoff ist wie ein Lebendimpfstoff ein sogenanntes Ganzvirus-Vakzin. Der Wirkstoff enthält entweder ganze Krankheitserreger oder Bestandteile von ihnen. Anders als beim Lebendimpfstoff sind diese inaktiv, also abgetötet, wodurch sie keine Krankheit mehr verursachen können. Das Immunsystem erkennt sie aber dennoch als Fremdkörper.

Wie wirken Totimpfstoffe?

Hat das körpereigene Abwehrsystem die Erreger bzw. ihre Bruchstücke erkannt, beginnt es mit der Bildung von Antikörpern. Dadurch, dass sich das inaktive und gegebenenfalls in seine Einzelteile zerlegte Virus nicht mehr vermehren kann, besteht kein Risiko für eine Impfkrankheit. Auch schwere Nebenwirkungen nach Verabreichung des Impfstoffes sind äußerst selten.

Bei den meisten Totimpfstoffen reichen die abgetöteten Bestandteile des Erregers nicht allein für eine Immunreaktion aus. Daher wird den Vakzinen ein sogenannter Wirkverstärker beigefügt, der die Antikörperproduktion zusätzlich anregt. Allerdings verlieren Totimpftoffe nach einiger Zeit ihre Wirkung, sodass in der Regel eine Auffrischung notwendig wird. Dafür muss im Gegensatz zu Lebendimpfstoffen kein Abstand zu anderen Impfungen eingehalten werden. Lesen Sie hier: Biontech, Moderna, Curevac: So funktionieren mRNA-Impfstoffe

Welche Totimpfstoffe gibt es?

Gegen das Coronavirus gibt es noch keinen zugelassenen Totimpfstoff. Das liegt auch daran, dass Sars-CoV-2 ein neuartiges Virus ist. Die Entwicklung eines Totimpfstoffes dauert in der Regel viele Jahre, manchmal Jahrzehnte. Totimpfstoffe sind seit 70 Jahren erprobt, entsprechend groß ist das Vertrauen in diese Methode. Von einem solchen Vakzin gegen das Coronavirus könnten sich auch Impfskeptiker überzeugen lassen, so hofft man.

Erfolgreiche Beispiele für Totimpfstoffe gibt es zur Genüge, etwa gegen Tetanus, Hepatitis A und B, Keuchhusten, Pneumokokken und Meningokokken. Auch Tollwut, Typhus, Kinderlähmung, Cholera, Diphtherie und Influenza (Grippe) werden mit ihnen seit Jahren wirksam bekämpft und eingedämmt.

Valneva und Novavax - was sind die Unterschiede?

Neben Valneva gibt es mit Novavax aus den USA einen Wettbewerber, der ebenfalls an einem Totimpfstoff gegen das Coronavirus arbeitet. Beide Hersteller haben bereits Ergebnisse der dritten und letzten Studienphase vor einem möglichen Zulassungsverfahren veröffentlicht. Adam Finn, Studienleiter beim Valneva-Vakzin, nannte die Antikörperantwort „beeindruckend und äußerst ermutigend“.

Die beiden Vakzine funktionieren unterschiedlich. Während der Wirkstoff von Valneva ganze abgetötete Viren enthält, präsentiert der Novavax-Impfstoff dem Körper nur einzelne Partikel von Sars-CoV-2. Und: Während der US-Hersteller seine Tests mit einem Placebo durchführte, setzte das französisch-österreichische Biotech-Unternehmen Valneva echte Impfstoffe bei mehr als 4000 Probanden ein.

Die Wirkung verglichen die Valneva-Wissenschaftler anschließend mit dem zugelassenen Impfstoff von Astrazeneca. Genaue Zahlen legten sie zunächst zwar nicht offen, die Menge der Antikörper sei jedoch höher gewesen als beim Vektor-Impfstoff. Außerdem sei eine „signifikant günstigere“ Verträglichkeit festgestellt worden, heißt es in einem Statement des Unternehmens.

Novavax bezifferte die Wirksamkeit seines Impfstoffes NVX-CoV2373 etwas konkreter. Das Risiko für symptomlose Infektionen oder leichte Erkrankungen würde damit um mindestens 83 Prozent, das Risiko für eine mittelschwere bis schwere Erkrankung um mindestens 87 Prozent reduziert, hieß es.

Wann könnte der erste Totimpfstoff in Deutschland zugelassen werden?

Wenn es nach den Hersteller geht, dann sehr bald. Novavax hat bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), die zuständig ist für die Zulassung von Impfstoffen in der EU, bereits vor Monaten einen entsprechenden Antrag gestellt. Eine Zulassung noch in diesem Jahr scheint zumindest möglich.

Bei Valneva wird es ganz so schnell nicht gehen. Noch sind nicht alle Studien vollends abgeschlossen. „Wir sind bestrebt, unseren differenzierten Impfstoffkandidaten so schnell wie möglich zur Zulassung zu bringen“, sagt Valneva-Chef Thomas Lingelbach. Aller Voraussicht nach wird dies jedoch nicht vor dem Frühjahr 2022 passieren.