Corona-Impfung

Virologe Kekulé hat zur Kinder-Impfung eine klare Meinung

Lesedauer: 4 Minuten
Bettina Funk
Delta-Variante: Wie gefährdet sind Kinder?

Delta-Variante: Wie gefährdet sind Kinder?

Die Delta-Variante bereitet Deutschland sorgen. Vor allem die höhere Ansteckungsgefahr und der mangelnde Impfschutz nach nur einer Dosis alarmiert Experten: Besonders Kinder seien gefährdet.

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Alexander Kekulé ist einer der bekanntesten Virologen des Landes. Zur Corona-Impfung bei seinen Kindern hat er eine klare Meinung.

Berlin. 
  • Alexander Kekulé ist oft zu Gast in Talkshows und hat einen eigenen Podcast beim MDR
  • Er ist Professor und seit mehr als 20 Jahren Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum in Halle an der Saale
  • Was er zu der Kinder-Impfung sagt, lässt aufhorchen

Kinder gegen Corona impfen oder nicht – viele Eltern verunsichert diese Frage derzeit. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bisher keine klare Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen. Sie empfiehlt die Impfung nur für Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Risiko. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist für Kinder ab zwölf zugelassen.

Doch unter Experten und Kinderärzten tobt eine Debatte darüber. Einer, der sich immer wieder zu diesem Thema äußert, ist der Virologe Alexander Kekulé. Er ist Professor und seit mehr als 20 Jahren Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum in Halle an der Saale. In seinem Podcast „Kekulés Corona-Kompass“ beim MDR ordnet er die neusten Entwicklungen in der Corona-Pandemie ein – so auch das Thema Corona-Impfung bei Kindern.

Während Kekulé eine Impfung bei Kindern von Risikopatienten oder Schwangeren für sinnvoll hält, hat er bei seiner eigenen Familie eine ganz klare Meinung. „Ich selber kann ja offen sagen, dass meine Kinder nicht geimpft sind gegen Corona“, sagt Kekulé in der neusten Folge des Podcasts. Er ist selbst Vater von fünf Kindern – zu deren Alter möchte er jedoch keine Angaben machen.

Kekulé lässt seine Kinder nicht impfen: Zu geringe Erfahrungswerte

Er begründet das mit den bisher geringen Erfahrungswerten der Impfungen bei Kindern – ein schwer einzuschätzendes Risiko, so Kekulé. „Und ein Risiko, was ich nicht einschätzen kann, ist für mich immer wie schwimmen in einem Wasser, wo ich nicht weiß, wie tief das ist.“ Deshalb habe er da die Verantwortung für seine Kinder so ausgeübt, indem er beschlossen habe, erst einmal abzuwarten. Er betont jedoch: „Das heißt aber überhaupt nicht, dass ich dagegen wäre, die Kinder zu impfen.“

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Es sei zudem nicht gesagt, dass jedes nicht-geimpfte Kind im Herbst eine Corona-Infektion bekäme. „Das Bundesgesundheitsministerium sagt in Anlehnung an einen bekannten Virologen: Wer sich nicht impfen lässt, wird infiziert. Doch ich meine, das kommt ein bisschen auf uns an“, sagt Kekulé und widerspricht damit seinem Berliner Kollegen Christian Drosten. Der hatte im Mai in seinem Podcast beim NDR gesagt: „Wer sich jetzt beispielsweise aktiv dagegen entscheidet, sich impfen zu lassen, der wird sich unweigerlich infizieren.“

Streit zwischen Drosten und Kekulé

Schon vor rund einem Jahr gab es einen Zwist zwischen Kekulé und Drosten. Damals hatte Kekulé eine Studie zur Coronavirus-Last bei Kindern seines Kollegen in einem Gastbeitrag im „Tagesspiegel“ kritisiert. Er warf Drosten sogar vor, schwerwiegende, methodische Fehler gemacht zu haben. Kekulé war der Meinung: Drosten und sein Team von der Berliner Charité hätten die Studie zurückziehen müssen.

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Drosten reagierte daraufhin auf Twitter. Er schrieb: „Kekulé macht Stimmung. Seine Darstellung ist tendenziös. Er kennt unsere Daten nicht und zitiert falsch. Kekulé selbst könnte man nicht kritisieren, dazu müsste er erst mal etwas publizieren.“

Kekulé tritt vor allem als Pandemie-Experte auf

Laut einem Artikel des „Spiegel“ ist der aus München stammende Virologe Kekulé deshalb auch an seiner eigenen Fakultät in Halle umstritten. Demnach gilt er dort jemand, der seine Aufgaben in Lehre und Forschung besser erfüllen könnte. Gemessen an nationalen und internationalen Standards, wozu begutachtete Originalarbeiten gehören, sei die Forschungstätigkeit des Instituts „äußerst gering“, sagte Michael Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät, gegenüber dem „Spiegel“.

In der Corona-Pandemie tut sich Kekulé vor allem in öffentlich-wirksamen Bereichen hervor. In Talkshows ist er häufiger Gast, immer wieder schreibt er Gastartikel etwa für die „Zeit“ oder den „Spiegel“. Im November 2020 hat Kekulé ein Buch zur Pandemie herausgebracht. Aktuell veröffentlicht der MDR alle zwei bis drei Tage eine neue Podcastfolge mit ihm.