Pandemie

Wie lange hält die Corona-Impfung - wann wird aufgefrischt?

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Delta-Variante: Spahn mahnt zu Vorsicht und zweiter Impfung

Delta-Variante: Spahn mahnt zu Vorsicht und zweiter Impfung

Angesichts der niedrigen Corona-Fallzahlen blickt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) positiv auf den Sommer sowie die anstehenden Urlaubsreisen der Deutschen. Allerdings müsse wegen der hochansteckende Delta-Variante weiter Vorsicht gelten, sagte Spahn in Berlin.

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Die Covid-19-Impfungen müssen wahrscheinlich aufgefrischt werden – darauf weisen Experten immer wieder hin. Das muss man jetzt wissen.

Berlin. 
  • Die Corona-Impfungen bieten nur einen zeitlich begrenzten Schutz vor Corona - vor allem für Ältere
  • Wie lange halten die Corona-Impfungen an? Und muss die Impfung mit einem Booster aufgefrischt werden?
  • Die gute Nachricht: Für die dritte Impfung, einen sogenannten „Booster“ müsste man das Rad wahrscheinlich gar nicht neu erfinden

Ein halbes Jahr nach dem bundesweiten Start der Corona-Impfungen am 27. Dezember geht es meist noch um die erste und zweite Spritze. Die Wissenschaft denkt schon weiter.

Hochbetagte und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem brauchen nach Meinung vieler Experten bereits in diesem Herbst eine dritte Impfdosis – auch in Hinsicht auf die rasche Ausbreitung der Delta-Variante. Für jüngere und gesunde Menschen seien Auffrischungsimpfungen dagegen noch kein Thema.

Corona-Impfung auffrischen – worum geht es?

Nachimpfungen sind kein Konzept, das nur beim Coronavirus greift: Es gibt zahlreiche Impfungen, die aufgefrischt werden müssen, und welche, bei denen dies aus verschiedenen Gründen nicht nötig ist. So hält die Grundimmunisierung gegen Masern ein Leben lang – bei beispielsweise Tetanus und Diphtherie ist dagegen alle 10 Jahre eine Auffrischung vorgesehen.

Da sich Grippeviren von Jahr zu Jahr ändern, wird immer wieder ein spezifischer Grippeimpfstoff entwickelt – deshalb ist diese jährlich erneuerte Impfung keine Auffrischungsimpfung im eigentlichen Sinne. Bisher liegen bei den zugelassenen Corona-Impfstoffen allerdings keine Erkenntnisse vor, die ein Update der Präparate wegen der Mutationen des Virus notwendig machen würden. Stattdessen geht es darum, den Impfschutz wieder zu verstärken.

Da langfristige Daten zur Wirkweise und -dauer der Vakzine noch fehlen, kann noch keine abschließende Aussage darüber getroffen werden, wie lange der Schutz gegen Covid-19 anhält. Allerdings kann man schon jetzt erkennen, dass ältere Menschen mit einem schwächeren Immunsystem und auch jüngere Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr auf die Erstimpfung nicht ausreichend reagieren. Auch die Immunantwort nach der zweiten Impfung bleibe niedriger als bei jüngeren und gesunden Menschen.

Dritte Corona-Impfung: Wer braucht sie?

Experten rechnen daher damit, dass schon im Herbst bestimmte Gruppen erneut mit der Spritze immunisiert werden müssen. „Ich gehe davon aus, dass wir bei älteren Menschen, die zu Beginn dieses Jahres ihre Erst- und Zweitimpfung erhalten haben, eine nachlassende Immunantwort sehen werden“, erklärte jüngst Leif Erik Sander, Infektionsimmunologe an der Berliner Charité.

Er hält es für möglich, dass es ohne Auffrischungsimpfung im Winterhalbjahr in Alten- und Pflegeheimen zu zusätzlichen Infektionen kommen könnte, „einem gewissen JoJo-Effekt“.

Auch andere Forscher beschäftigen sich mit dem Thema Auffrischungsimpfung. „Im Herbst/Winter wird sich Delta auch bei uns durchsetzen. Dann werden sich die infizieren, die keinen oder einen zu schwachen Schutz haben“, twitterte jüngst der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl. „Aber auch ältere Personen mit hohem Risiko für schwere Verläufe könnten bei Delta ein Problem bekommen, wenn die Impfung bei ihnen nicht so gut gewirkt hat. Daher werden solche Personen vor dem Herbst eine dritte Impfung benötigen.“

Sander hält auch ein Nachdenken über die erneute Impfung von Kontaktpersonen dieser Risikogruppen für sinnvoll. „Zum Beispiel für Teile des Gesundheitspersonals“, so der Immunologe.

Nachimpfungen: Auf welcher Datengrundlage wird sie empfohlen?

Verlässliche Daten dazu, inwiefern sich die Immunantwort entwickelt, gibt es derzeit nach Angaben der Ständigen Impfkommission (Stiko) bisher nur für einige Gruppen von Menschen mit erheblicher Immunsuppression. Sie entsteht zum Beispiel, wenn das eigene Immunsystem bewusst durch Medikamente unterdrückt wird - wie nach einer Organtransplantation.

„Diese Daten zeigen in der Tat, dass die Immunantwort in Abhängigkeit zur Immunsuppression bei Organtransplantierten viel schlechter sein kann. Sie liegt dann nur noch bei 50 Prozent“, berichtet Stiko-Chef Thomas Mertens. Normal sind nach zwei Impfungen sonst über 90 Prozent. Auch bei Rheuma- und Krebspatienten zeigten sich Defizite bei der Immunantwort.

„Bei einem solchen Mangel an Immunschutz wäre relativ kurzfristig eine Nachimpfung zu empfehlen“, erklärte der Kommissionsvorsitzende. „Dafür müssen wir aber erst ganz genau die immunsupprimierten Gruppen mit dem höchsten Risiko definieren.“ Es wäre ein Prinzip wie bei den Priorisierungen zum Impfstart.

Kritik an der schwierigen Datenlage kommt von der Deutschen Stiftung Patientenschutz: Aus ihrer Sicht hätte man schon früher mit breit angelegten Untersuchungen zur Entwicklung des Immunschutzes beginnen müssen: „Ich frage mich, warum Daten zur Immunantwort in Alten- und Pflegeheimen nicht von Anfang an großflächig und regelmäßig erhoben wurden“, kritisierte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch zuletzt. Ihm seien zu dem Thema bisher nur Mini-Studien bekannt.

Stiko-Chef Mertens teilte mit, dass man hoffe, im August mehr Daten und Anhaltspunkte zur Dauer der Immunantwort nach einer Corona-Impfung zu bekommen. Lesen Sie auch: Corona-Impfung: Die dritte Impfdosis rückt immer näher

Dritte Impfung gegen Covid-19: Wie könnte die Booster-Impfung aussehen?

Für die dritte Impfung, einen sogenannten „Booster“ müsste man das Rad wahrscheinlich gar nicht neu erfinden. Immunologe Sander geht davon aus, dass eine dritte Impfung mit bekannten und hier zugelassenen Impfstoffen einen sehr guten Auffrischungseffekt haben werde.

„Es kann sein, dass bestimmte Kombinationen dann noch einmal einen Vorteil bringen.“ Vermutlich werde man die Vektorimpfstoffe wie den von Astrazeneca nach zweimaliger Impfung nicht noch ein drittes Mal geben. „Denn es baut sich auch eine sogenannte Vektor-Immunität auf, die die Impfwirkung abschwächt. Ich glaube, dass wir hier dann mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech/Pfizer oder Moderna kommen sollten“, so der Berliner Forscher.

Die besten Kombinationen müssten aber noch in Studien gezeigt werden. Booster-Impfungen kämen häufig auch mit rund der Hälfte der Dosis aus. Auch interessant: Astrazeneca, dann Biontech - So wirksam ist die Corona-Kreuzimpfung

Auffrischungsimpfung: Müssen die Impfstoffe neu zugelassen werden?

Für eine Update-Impfung ist nach Sanders Kenntnis eine Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA notwendig. Dafür reichten aber kleinere Studien, um die bestehende Zulassung für einen Impfstoff zu erweitern. Verteilungskämpfe befürchtet er nicht. „Ich denke, es wird über die Erst- und Zweitimpfungen hinaus im Herbst Impfstoff-Reserven geben. Die Auffrischung würde dann parallel zum Lückenschließen bei den Erst- und Zweitimpfungen laufen.“

Bundesweit war die Corona-Impfkampagne am 27. Dezember 2020 in Alten- und Pflegeheimen gestartet. Mittlerweile ist gut die Hälfte der erwachsenen Bundesbürger einmal gegen Covid-19 geimpft, rund ein Drittel bereits zweimal. Bis zum Herbst und Winter würden sich aber vermutlich sogenannte Immunescape-Varianten durchsetzen, sagt Sander. Das sind Mutanten, gegen die bisherige Impfstoffe mitunter etwas schlechter wirken. Dazu zählt zum Beispiel die Delta-Variante, die zuerst in Indien entdeckt wurde und sich nun auch in Deutschland schnell ausbreitet.

Im Vergleich zur Vorwoche verdoppelte sich ihr Anteil am Infektionsgeschehen nach den jüngsten Zahlen des Robert Koch-Instituts für die Woche vom 7. bis 13. Juni auf rund 15 Prozent. Die Wissenschaft ist sich einig, dass die besonders infektiöse Variante Delta - wie jetzt bereits in Großbritannien - auch hierzulande bald dominieren könnte.

(bml/dpa)