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Waldbrand: Wann die Gefahr groß ist und was man tun kann

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Waldbrand in Griechenland nicht unter Kontrolle

Waldbrand in Griechenland nicht unter Kontrolle

Den zweiten Tag in Folge kämpfen in Griechenland hunderte Feuerwehrleute gegen einen großen Waldbrand westlich von Athen. Trotz aller Anstrengungen konnten sie die Flammen zunächst nicht unter Kontrolle bringen.

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Im Sommer steigt die Waldbrandgefahr. Mit einfachen Tipps lässt sich das Risiko mindern. Aber was tun, wenn das Feuer bereits tobt?

Berlin. 
  • Aufgrund immer trockener und wärmerer Sommer warnen Experten vor steigender Waldbrandgefahr
  • Ein einzelner Funke kann ausreichen, um hektarweise Wald zu vernichten
  • Lesen Sie in unserer Übersicht, was die Ursachen für Waldbrände sind, wie man sie vermeiden und wie man sich vor ihnen retten kann

Jedes Jahr wenn im Sommer große Hitze auf Trockenheit trifft kommt es in Deutschland zu Waldbränden. Sie nehmen zwar nicht die Ausmaße der jährlichen Brände in Kalifornien mit dutzenden Toten und großflächigen Evakuierungen an, können aber auch für die Menschen hierzulande gefährlich werden. Lesen Sie in unserer Übersicht, wie man Waldbrände vermeiden kann und was zu tun ist, wenn es zu spät ist.

Was sind die Gründe für Waldbrände?

Rund zwei Drittel aller Waldbrände entstehen in Deutschland laut der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) durch menschliches Fehlverhalten. Meistens weil der Mensch Feuer durch Zigaretten, Grillen oder weggeworfenen Glasmüll in den Wald trägt. Es gibt aber auch natürliche Ursachen für Waldbrände wie einen Blitzeinschlag oder die Selbstentzündung von brennbarem Material bei Hitze und Trockenheit geben.

Wie kann man einen Waldbrand vermeiden?

Ganz vermeiden lassen sich Waldbrände gerade bei großer Hitze und Trockenheit aufgrund der natürlichen Ursachen nicht. Doch menschliches Fehlverhalten als Waldbrandursache kann sehr wohl abgestellt werden. Diese Richtlinien sind zu beachten:

  • Werfen Sie keine Zigarettenstummel in die Natur. Weder beim Spazierengehen noch aus dem Autofenster. Ein kleiner Funken kann in trockenen Perioden ausreichen um großen Schaden zu verursachen. Zudem gibt es auch deutschlandweit Rauchverbote in Wäldern. In Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen gilt es ganzjährig, in Sachsen-Anhalt vom 15. Februar bis 15. Oktober und im Rest von Deutschland vom 1. März bis 31. Oktober.
  • Lassen Sie kein Glas oder Müll im Wald zurück. Flaschen und Scherben können unter intensiver Sonneneinstrahlung wie Brennlupen wirken und Gräser, Reisig oder Hölzchen entzünden. Auch weggeworfene Feuerzeuge, Folien oder Dosen mit chemischen Inhalt können zur Brandursache werden.
  • Ein Lagerfeuer oder Grillen ist nur an den dafür ausgewiesenen Stellen im Wald erlaubt. Selbst wenn bereits eine wilde Feuerstelle existiert, ist deren Nutzung verboten. Auch wenn man nicht direkt im Wald oder auf Wiesen grillt oder Lagerfeuer entzündet, kann ein Funkenflug in der näheren Umgebung Schaden anrichten. Der SDW rät daher auch auf Flächen, die an Wäder grenzen, einen Abstand von mindestens 100 Metern einzuhalten. In manchen Bundesländern wie Berlin, Nordrhein-Westfalen oder Thüringen ist das auch per Gesetz vorgeschrieben.
  • Vor allem an heißen Sommertagen ist dieser Ratschlag wichtig: Autofahrer sollten Fahrzeuge mit heißen Abgasanlagen nie an Feldern und Wiesen oder auf Waldwegen abstellen. Trockenes Gras kann sich entzündet daran entzünden. Das betrifft alle Autos mit am Fahrzeugboden liegenden Katalysatoren - sehr viele Benziner zum Beispiel, warnt der Deutsche Feuerwehrverband (DFV). Für Brandgefahr können aber auch heiß werdende Teile an Autos mit Abgasnorm Euro 6 sorgen, wenn diese in den Regenerationsmodus geschaltet werden.
  • Brände oder Rauchentwicklungen im Wald sollten sofort der Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 gemeldet werden. Wer in gutem Glauben anruft, muss auch keine Anzeige oder Kosten befürchten.

Welche Strafen drohen Verursachern von Waldbränden

Wer sich gegen die oben beschriebenen Richtlinien verstößt muss mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro rechnen. Egal, ob die Verstöße einen Waldbrand verursacht haben oder nicht. Für Verursacher von Waldbränden sieht das Gesetz sogar Freiheitsstrafen von einem bis zu zehn Jahren vor. Ob der Brand vorsätzlich oder unabsichtlich verursacht wurde, spielt dafür keine Rolle.

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Wie löscht man einen Waldbrand?

Kleine Feuer im Wald können natürlich mit Wasser gelöscht werden, wenn es zur Verfügung steht. Oder man nimmt Äste mit Blättern und versucht, das Feuer auszustreichen oder trampelt es mit festen Schuhen nieder. Das funktioniert jedoch nur bei kleinen Brandherden.

Große Waldbrände können nur in den seltensten Fällen gelöscht werden. Hat ein Brand in einem Wald erst einmal eine gewisse Größe überschritten, zielen Feuerwehr und Rettungskräfte hauptsächlich darauf ab den Brand einzudämmen. In Deutschland unterscheidet man zwischen der offensiven und der defensiven Waldbrandbekämpfung. Bei der offensiven Bekämpfung versucht die Feuerwehr mittels Löschwasser oder Löschmitteln direkt an der Feuerfront einzugreifen.

Dazu gehört auch der Abwurf von Wasser oder Löschmitteln aus Flugzeugen und Helikoptern. Das wichtigste für die Feuerwehr ist zu verhindern, dass sich der Waldbrand vom Boden, wo er fast immer startet, in die Baumkronen verlagert. Ist das Feuer erst einmal dort angekommen, kann es durch Funken- oder Flammenflug in Sprüngen von mehreren hundert Metern neue Brände abseits des Ursprungsortes verursachen.

In diesem Fall kann auch die defensiven Waldbrandbekämpfung an ihre Grenzen kommen. Diese wird angewandt, wenn der Waldbrand bereits zu groß ist, um ihn direkt zu bekämpfen. Dann werden Feuerschneisen angelegt oder Straßen als natürliche Barrieren genutzt, um die Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Gerade Brände, welche die Waldkrone erreicht haben, können diese Barrieren aber überwinden.

Wie verhält man sich bei einem Waldbrand?

Experten des Internationalen Katastrophenschutzes haben einen ausführlichen Leitfaden zum Verhalten bei Waldbränden aufgestellt. Das sind die wichtigsten Tipps:

  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Flüchten Sie vor einem Waldbrand quer zur Windrichtung und möglichst absteigend zum Gelände. Es sei denn das Feuer nähert sich von unten. In Hängen sollte man dann quer flüchten.
  • Ein feuchtes Tuch vor Mund und Nase lindert die reizende Wirkung des Rauches. Auch Haare und Augen sollten zum Beispiel durch eine Sonnenbrille vor Funkenflug geschützt werden.
  • Suchen Sie Gebiete mit möglichst wenig Bewuchs auf

Was ist die Waldbrandgefahrenstufe?

Die Waldbrandgefahrenstufe oder auch Waldbrandgefahrenindex (WBI) ist eine Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes. Der WBI beschreibt das meteorologische Potential für die Gefahr eines Waldbrandes. Die Waldbrandgefahr wird dabei in fünf Warnstufen wiedergegeben. Die Skala reicht dabei von 1 für sehr geringe Gefahr, über 2 für geringe Gefahr, 3 für mittlere Gefahr, 4 für hohe und 5 für sehr hohe Gefahr. Je nach Stufe können die Landesbehörden verschiedene Verbote erlassen, die bis zur Sperrung ganzer Waldgebiete für Besucher reichen. (jas mit dpa)