Naturkatastrophe

Nach Tsunami-Katastrophe: Vulkan auf Sulawesi ausgebrochen

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Der Vulkan Soputan auf der Insel Sulawesi spuckt Lava und Asche bis zu vier Kilometer in die Höhe.

Der Vulkan Soputan auf der Insel Sulawesi spuckt Lava und Asche bis zu vier Kilometer in die Höhe.

Foto: Uncredited / dpa

1200 Tote soll es in Indonesien nach der Tsunami-Katastrophe gegeben haben. Und es werden wohl noch mehr. Versagte das Warnsystem?

Palu.  Auf der indonesischen Insel Sulawesi ist nach der Tsunami-Katastrophe mit mehr als 1400 Toten auch noch ein Vulkan ausgebrochen. Der knapp 1800 Meter hohe Vulkan Soputan schleuderte am Mittwoch Asche bis zu vier Kilometer in die Höhe. Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde gab es zunächst keine Informationen über größere Schäden. Die Suche nach Überlebenden der Tsunami-Katastrophe wird unterdessen immer verzweifelter.

Die Zahl der Todesopfer hat sich nochmals erhöht: Bei zwei schweren Erdbeben und einem folgenden Tsunami sind in Indonesien der aktuellen Zwischenbilanz 1424 Menschen gestorben. Mehr als 2500 Menschen wurden auf der Insel Sulawesi schwer verletzt. Befürchtet wird, dass sie sich in den nächsten Tagen noch weiter erhöht. „Wir erwarten, dass die Zahlen weiterhin steigen“, sagte Sutopo Nugroho, der Sprecher des Katastrophenschutzes, am Mittwoch.

Bis das ganze Ausmaß der Katastrophe klar ist, wird es aber wahrscheinlich noch Tage dauern. Mehr als hundert Menschen werden offiziell vermisst. Mehr als 60.000 haben ihre Häuser verloren. Die Lage auf der Insel wird derweil immer chaotischer. Die Vereinten Nationen schätzen, dass mehr als 190.000 Menschen auf Hilfe angewiesen sind.

Arbeitsgruppenleiter: Messbojen waren nicht defekt

Zuletzt gibt es Kritik, dass das Tsunami-Warnsystem nicht richtig funktionierte. Sutopo Nugroho sagte bereits am Montag: „Es gab keine Sirene. Viele Menschen waren sich der Gefahr nicht bewusst.“ Das nationale Zentrum für Meteorologie und Geophysik hatte zwar eine Tsunami-Warnung ausgegeben, hob sie nach nur einer halben Stunde aber wieder auf – aus Sicht von Kritikern viel zu früh.

Das Warnsystem ist 2004 nach dem verheerenden Tsunami an Weihnachten installiert worden – in federführender Verantwortung des Deutschen GeoForschungszentrums GFZ (Potsdam). „Technisch gesehen ist das System einwandfrei“, sagte Diplom-Geograf Josef Zens, Arbeitsgruppenleiter, dieser Redaktion.

Berichte, wonach Messbojen beschädigt oder fehlerhaft sind, weißt Zens zurück. „Das ist Quatsch. Wir arbeiten schon lange nicht mehr mit Bojen, sondern mit Tausenden Messstationen weltweit.“ Alle Tsunami-Meldungen seien ordnungsgemäß und rechtzeitig eingegangen.

Zur Kritik, dass örtliche Behörden zu früh eine Tsunami-Warnung zurückgenommen haben, wollte sich Zens nicht äußern, stellte aber fest: „Die Regeln sehen vor, dass eine Tsunami-Warnung erst nach zwei Stunden aufgehoben werden darf.“

Plünderungen in schlimm betroffener Stadt Palu

Aus der besonders schlimm betroffenen Stadt Palu an der Westküste gibt es eine Handy-Aufnahme des Tsunami, die sich weltweit verbreitete. Zu sehen ist, wie eine mächtige Welle auf die Küste zurollt und dann Menschen, Boote, Autos und ganze Häuser mit sich reißt. Viele wurden am Strand, wo ein Festival geplant war, von dem Tsunami überrascht.

In Palu sind viele Gebäude schwer beschädigt, auch eine große Moschee und ein Einkaufszentrum am Strand. Auch die größte Brücke der Stadt steht nicht mehr. Bei den Überlebenden wachsen Verzweiflung und Zorn, weil es an den wichtigsten Dingen wie Strom, Wasser, Nahrung und Treibstoff fehlt. Es kam zu Plünderungen. Nach Polizeiangaben wurden 45 Menschen festgenommen. Sie hatten versucht, in Einkaufszentren unter anderem Flachbildfernseher, Schuhe, Kleidung und einen Geldautomaten zu stehlen.

Unterdessen flog das indonesische Militär vom Flughafen Palu aus mit Hercules-Transportmaschinen Verletzte aus. Die Menschen wurden in die Provinzhauptstadt Makassar gebracht, wo sie in Krankenhäusern besser versorgt werden können. Ein Militärsprecher sagte: „Sie müssen behandelt werden. Das geht in Palu nicht, weil es immer noch keinen Strom gibt.“ Am Flughafen der 350.000-Einwohner-Stadt wurden auch Feldlazarette aufgestellt.

Lage im Norden noch unübersichtlich

Möglicherweise sieht es in Gebieten weiter im Norden – näher am Zentrum des Bebens – noch schlimmer aus. Wegen zerstörter Straßen und Kommunikationsleitungen ist es schwer, dort hinzukommen. Sorge bereitet den Helfern insbesondere die Lage in der Gemeinde Donggala, wo viele Fischer zu Hause sind. Von dort gab es nach Angaben des Vizepräsidenten keinerlei zuverlässige Informationen.

Angela Merkel sendet Trauerbotschaft

„Die Nachricht von dem verheerenden Tsunami, der auf der Insel Sulawesi zahlreiche Opfer gefordert und große Zerstörungen hinterlassen hat, erschüttert mich zutiefst“, schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Kondolenztelegramm an den indonesischen Präsidenten Joko Widodo.

Außenminister Heiko Maas teilte mit: „Erneut wurden Hunderte Menschen durch einen Tsunami getötet, erneut bringt eine Naturkatastrophe unfassbares Leid über eine ganze Region.“

Die EU-Kommission ihr Beileid ausgedrückt. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und allen Betroffenen sowie bei den Ersthelfern, die hart arbeiten, um unter schwierigen Bedingungen Menschen zu retten. Unser Mitgefühl gilt jenen, die ihre Angehörigen verloren haben“, sagten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der für humanitäre Hilfe zuständige Kommissar Christos Stylianides am Samstag in Brüssel.

Der Vulkan Soputan liegt im Nordosten von Sulawesi, mehrere Hundert Kilometer vom Gebiet der Tsunami-Katastrophe entfernt. In den vergangenen Jahren war er immer wieder ausgebrochen. Der Inselstaat Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Dort kommt es immer wieder zu Vulkanausbrüchen und Erdbeben. Bei mehreren Beben auf der bei Touristen beliebten Insel Lombok, der Nachbarinsel von Bali, kamen in diesem Sommer mehr als 500 Menschen ums Leben. (dpa/jha/ac/hip/ses/jkali)