Fehlalarm

Wie es zu dem Chaos am Flughafen in München kam

Bei der Taufe des zehnten Airbus 350 der Deutschen Lufthansa AG äußert sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zu den Flugausfällen vom vergangenen Samstag.

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Nach dem Chaos am Münchner Flughafen beginnt die Aufarbeitung. Was führte zu dem Durcheinander – und hätte es verhindert werden können?

München.  330 ausgefallene Flüge, etliche stark verspätete Flüge, mehr als 30.000 betroffene Passagiere: Eine folgenschwere Panne an einer Sicherheitsschleuse hat den Flughafen München am Wochenende ins Chaos gestürzt. Und das inmitten der Hauptreisezeit im Sommer. Was ist passiert? Wie kam es dazu? Und was hat das nun für Folgen? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

• Was war passiert?

Eine 40 Jahre alte Frau war am Samstag unkontrolliert durch eine Sicherheitsschleuse gelangt. Während einer ersten Kontrolle war bei der Frau eine nicht zulässige Flüssigkeit in einem Kosmetikkoffer beanstandet worden. Die Frau hat diesen dann laut bayerischer Landesregierung nachträglich als Reisegepäck aufgegeben. Danach passierte sie erneut die Schleuse – ohne nochmals kontrolliert zu werden.

Die Bundespolizei räumte daraufhin das Terminal 2 und das sogenannte Satelliten-Terminal. 330 Flüge wurden abgesagt, insgesamt mehr als 31.000 Passagiere waren allein bis Sonntag betroffen .

• Wie sah die Situation am Flughafen am Montag aus?

Der Betrieb lief im betroffenen Terminal 2 und dem sogenannten Satelliten-Terminal weitgehend normal. Nach Angaben von Flughafenchef Michael Kerkloh fielen bis zum Nachmittag lediglich zwei Flüge wegen des Chaos’ aus. Verspätungen habe es kaum gegeben.

Die Nacht verbrachten noch rund 250 Reisende am Airport – viele von ihnen schliefen auf vom Flughafen bereitgestellten Feldbetten. Von Samstag auf Sonntag hatten mindestens 2000 Menschen auf Feldbetten, Bänken oder in Lounges übernachtet.

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• Wer ist für die Sicherheitskontrollen am Flughafen zuständig?

Jeder Reisende wird vor seinem Flug von Mitarbeitern der Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München (SGM) kontrolliert. Diese gehört dem Freistaat Bayern und untersteht der Regierung von Oberbayern. An vielen anderen Flughäfen in Deutschland übernehmen diese Aufgabe private Unternehmen.

• Wer war für die Panne verantwortlich?

Einer Kontrollkraft des Sicherheitsunternehmen unterlief den Angaben zufolge ein folgenschwerer Fehler. Sie war nach Angaben der Bezirksregierung durch ein Gespräch mit Kollegen abgelenkt. In diesem Moment sei die Passagierin unkontrolliert durch die Schleuse gegangen.

Eine andere Sicherheitskraft habe den Fauxpas bemerkt und Kollegen gebeten, die Reisende zurückzuholen. Weil diese aber nicht mehr auffindbar gewesen sei, informierte der Sicherheitsdienst eine Viertelstunde später einen Vorgesetzten. Dieser wiederum alarmierte den Angaben zufolge die Bezirksregierung. Die Behörde habe dann – allerdings mit Verzögerung – der Bundespolizei Bescheid gegeben.

• Hat die Panne personelle Konsequenzen?

Ja, drei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma wurden von ihren Aufgaben entbunden. Über mögliche weitere Konsequenzen werde nach Abschluss der Prüfungen des Vorfalls entschieden, sagte eine Sprecherin der Regierung Oberbayern, die für die Sicherheitskontrollen verantwortlich ist.

• Hat die Passagierin selbst von dem Chaos etwas mitbekommen?

Wohl erst hinterher. Wie sich unter anderem nach einer Auswertung der Bordkartenleser und Kameraaufzeichnungen herausstellte, hatte die Frau bei der Räumung des Airports schon im Flieger gesessen. Nähere Angaben zu der 40-Jährigen und ihrem Ziel machte die Pressesprecherin nicht.

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• Welche Schuld trifft die Passagierin?

Wohl keine. Die Bezirksregierung sieht bisher keinen Grund, gegen die 40-Jährige strafrechtlich vorzugehen. „Aus derzeitiger, vorläufiger Sicht sehen wir insbesondere keinen Raum für ein strafrechtliches Vorgehen gegenüber der Passagierin“, hieß es. Die Prüfung sei aber noch nicht abgeschlossen.

Die Haftungsfrage wird derzeit geklärt. Laut Maria Dalhaus, der geschäftsführenden Prokuristin von Terminal 2, wird geprüft, ob und an wen Schadensersatzforderungen gestellt werden können.

• Wie groß ist der Schaden durch das Chaos?

Der Schaden des Vorfalls geht wohl in die Millionen. Allein der Münchner Flughafen – nach Frankfurt der zweitgrößte Flughafen Deutschlands – rechnet laut Airportchef Michael Kerkloh nach ersten Schätzungen mit Kosten im unteren einstelligen Millionenbereich. Die Summe setzt sich unter anderem aus Start- und Landegebühren, Einnahmen für die Abfertigung sowie Ausfällen bei der Gastronomie im geräumten Bereich zusammen. Wie hoch der Schaden für die Fluggesellschaften ist, blieb zunächst unklar.

• Haben die Passagiere Anrecht auf Entschädigung?

Ja. Betroffene Passagiere können sich mit finanziellen Forderungen an die Lufthansa wenden, die hauptsächlich vom Terminal 2 aus fliegt. Ein Unternehmenssprecher verwies auf die EU-Fluggastrechteverordnung. (dpa/sdo)