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Warum Eko Freshs neuer Song so gut in die Özil-Debatte passt

Rapper Eko Fresh bezieht Stellung in der Diskussion um den Rücktritt aus der DFB-Elf von Mesut Özil.

Rapper Eko Fresh bezieht Stellung in der Diskussion um den Rücktritt aus der DFB-Elf von Mesut Özil.

Foto: Simon Hofmann / Bongarts/Getty Images

Zwei Tage vor Özils Nationalelf-Rücktritt veröffentlicht Eko Fresh seinen Song „Aber“. Der Termin hätte passender kaum sein können.

Köln.  Seit dem Rücktritt Mesut Özils aus der deutschen Fußballnationalmannschaft ist eine große Diskussion über Rassismus und Integration in Deutschland entbrannt.

Der neue Song des Rappers Eko Fresh scheint wie geschrieben für diese Diskussion. Nur zwei Tage vor Özils Rücktrittsverkündung, am 20. Juli, veröffentlichte der Rapper seinen Musikclip auf YouTube. Mit der Single „Aber“ geht er auf das Gefühl ein, als Deutschtürke ein Leben lang zwischen zwei Stühlen zu sitzen – und macht seinen Standpunkt in der Debatte deutlich.

„Ich bin kein Nazi, aber ...“

Das Video spielt in einer Fabrikhalle, die Kamera schwenkt auf zwei Männer, die sich an einem kleinen Tisch gegenüber sitzen. Wer hier stellvertretend miteinander spricht, wird schnell klar:

„Als allererstes will ich klarstell’n, ich bin kein Nazi, aber...“, fängt ein Mann mit kurzen Haaren, in Bomberjacke und Kapuzenpullover an zu rappen. Der „besorgte Bürger“ trägt fortan die klassischen Argumente eines AfD-Wählers vor, der zwar kein Nazi sei, jedoch eine Islamisierung des Abendlandes befürchte.

Youtube-Video: Eko Freshs neuer Song „Aber“

Deutschtürken müssten sich entscheiden

„Man versucht grad meinem Volke seine Wurzeln zu entzieh’n“, heißt es im Songtext. Und weiter: „No-go-Areas, Terror wie im Bataclan / Die Geister eines linksgrün versifften Masterplans / Deshalb zünd’ ich Fackeln an und schütze unser Abendland.“

Kurz darauf folgt ein erster direkter Verweis auf das Foto , das Mesut Özil von sich und dem türkischen Präsidenten Erdogan veröffentlicht hat und das für eine politische und gesellschaftliche Kontroverse sorgte: „Du genießt in meinem Land die Demokratie / Aber zu Hause dann verhilfst du ‘nem Despoten zum Sieg.“

Erdogan-Anhänger hält dagegen

Der dunkelhaarige bärtige Gegenspieler beginnt seinen Monolog mit diesen Worten: „Als allererstes will ich klarstell’n, ich liebe Deutschland“ – und auch darauf folgt ein „aber“.

Der Deutsch-Türke erinnert an die türkischen Einwanderer, die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut haben, jedoch nie die Möglichkeit gehabt hätten, sich vollständig in Deutschland zu integrieren.

Und auch der Özil-Erdogan-Bezug lässt nicht lange auf sich warten: „Ihr tauscht mit euren Waffen drüber euer Öl für unser Blut / Doch als Sündenbock ist euch Özil gut genug / Aber Moment mal, was soll hier die Message sein? / Weltmeisterschaft vorbei, weil er ein Selfie teilt? / Wartet ab, bis mein Präsident euch zeigt / Wer Eier hat, und dann wird die Macht wieder gerecht verteilt“.

Das Resultat von der Gegenrede: „Ich werd’ nie Deutscher sein, denn ich bin ein stolzer Türke.“

Eko Fresh schaltet sich ein

Welche Position Eko Fresh selbst einnimmt, wird nach dem Schlagabtausch deutlich. Der Rapper taucht selbst als Vermittler auf, er setzt sich zwischen den deutschen „besorgten Bürger“ und den Erdogan-Anhänger – er sitzt buchstäblich zwischen den Stühlen und plädiert für Individualität.

„Als allererstes wollt’ ich klarstell’n, dass ich Ekrem Bora heiß’“, rappt Eko Fresh und verweist auf seinen bürgerlichen Namen. Als „deutscher Staatsbürger“ fragt er: „Was soll der Scheiß?“

Die Frage nach dem Gefühl zwischen den Stühlen sei lange geklärt gewesen für ihn, doch die Özil-Debatte hätte ihn nun doch dazu gebracht, Stellung zu beziehen.

Seine Position lautet wie folgt: „Auf einmal ist der Quotentürken gar nicht mehr so lustig / Als gäb’ es nur die Wahl zwischen Erdoğan und Böhmermann / Nur die Wahl zwischen Bertelsmann und Dönermann / Als gäb’ es nur den Wahlbereich zwischen Schwarz und Weiß.“

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„Ihr macht das schon“

Eko Fresh wendet sich daraufhin an die Deutschtürken und meint: „Wir sind zwischen beiden Welten aufgewachsen, Punkt / Ich muss mich nicht entscheiden, ich muss nur ich selber sein / Leute, die sich treu sind, sind ‘ne Seltenheit wie Elfenbein.“

„Aber ihr macht das schon“, mit diesen Worten entlässt der Rapper seine Zuhörer.

Eko Fresh schafft mit seinem Song „Aber“ einen kritischen Rundumschlag, der zwei radikale Positionen in der Özil-Debatte kritisiert und deutlich macht: Die Lösung liegt irgendwo dazwischen.

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Auf YouTube sorgt das Video für viel Zustimmung. Seit seiner Veröffentlichung des von Samy Deluxe produzierten Songs wurde der Clip mehr als 1,2 millionenmal aufgerufen. „Jo Eko! 100 % Zustimmung“, kommentiert ein Fan. „These – Antithese – Synthese. Ein zeitgemäßer, künstlerischer Beitrag zur aktuellen gesellschaftspolitischen Debatte in Deutschland“, lobt ein anderer. Auch Kritiker, etwa bei der „Süddeutschen Zeitung“ loben ihn als klugen „Rapper der Stunde“. (alka/jkali)