Feiertage

Ungerechte Verteilung – sechs Fakten zu deutschen Feiertagen

Der Reformationstag war nur im Lutherjahr 2017 ein bundesweiter Feiertag.

Der Reformationstag war nur im Lutherjahr 2017 ein bundesweiter Feiertag.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Die Zahl der Feiertage variiert von Bundesland zu Bundesland. Bayern gilt als Krösus. Aber ist das wirklich so? Sechs Feiertags-Fakten.

Berlin.  Der Reformationstag am 31. Oktober ist neuer gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen. Das hat der Landtag in Hannover am Dienstag beschlossen. Nicht überall ist dieser Tag ein Feiertag – auch nicht in Bayer, das gemeinhin als das Bundesland mit den meisten Feiertagen gilt.

Ganz Deutschland guckt neidisch auf den Süden. Mit 14 Tagen ist der Freistaat das Bundesland mit den meisten gesetzlichen Feiertagen. Berliner, Bremer, Hamburger, Niedersachsen und Schleswig-Holsteiner können da mit fünf Feiertagen weniger nicht mithalten.

Wie aber kommen diese Ungerechtigkeiten zustande? Wer legt die Feiertage in Deutschland fest? Was sagen die Bundesbürger dazu? Und wie viele Feiertage haben Deutschlands EU-Nachbarländer? Ein Überblick:

• Wie sind Feiertage in Deutschland geregelt?

Grundsätzlich ist die Festlegung von Feiertagen in Deutschland Ländersache. Deshalb unterscheidet sich die Zahl der gesetzlichen Feiertage von Bundesland zu Bundesland. Dennoch gibt es neun bundeseinheitliche Feiertage, die durch die Feiertagsgesetze der einzelnen Länder geschützt sind:

  • Neujahr
  • Karfreitag
  • Ostermontag
  • Christi Himmelfahrt
  • Pfingstmontag
  • 1. Mai (Tag der Arbeit)
  • Tag der Deutschen Einheit
  • erster Weihnachtstag
  • zweiter Weihnachtstag

Welche Feiertage darüber hinaus in einzelnen Bundesländern gelten, hat der Deutsche Gewerkschaftsbund hier für die Jahre 2018 und 2019 aufgelistet.

• Welche Ausnahme gibt es?

Eine Sonderstellung hat der Tag der Deutschen Einheit , der jedes Jahr am 3. Oktober gefeiert wird. Dieser deutsche Nationalfeiertag ist der einzige bundesrechtlich festgelegte Feiertag, wie es auf der Internetseite des Bundesinnenministeriums heißt. Er erinnert an die deutsche Wiedervereinigung und wurde durch den Einigungsvertrag zwischen der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik Deutschland zum nationalen Feiertag erhoben.

• Wer ist der heimliche Feiertags-Spitzenreiter?

Bayern gilt gemeinhin als das Bundesland mit den meisten Feiertagen. Insgesamt 14 zählt der Freistaat. Neben den neun bundeseinheitlichen Feiertagen haben die Bayern noch an Heilig Drei König (6. Januar), Fronleichnam (60 Tage nach Ostersonntag) und Allerheiligen (1. November) frei – macht zwölf Feiertage.

Das Augsburger Hohe Friedensfest (8. Oktober) ist lediglich im Stadtgebiet Augsburg gesetzlicher Feiertag, Mariä Himmelfahrt (15. August) in 1704 Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung, nicht aber in den restlichen 352 Gemeinden, wie einer Karte des Bayerischen Landesamtes für Statistik zu entnehmen ist.

Der heimliche Feiertags-Spitzenreiter ist aber eigentlich: Hessen. Laut Paragraf 1 des hessischen Feiertagsgesetzes (HFeiertagsG) sind nämlich neben den neun bundeseinheitlichen Feiertagen sowie dem Fronleichnamstag auch alle Sonntage gesetzliche Feiertage. Damit kommt Hessen im Jahr 2017 auf sage und schreibe 63 Feiertage. Schlusslichter sind mit neun Feiertagen fünf Bundesländer Norddeutschlands: Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

• Was sagen die Bundesbürger zu der ungleichen Verteilung der Feiertage?

Viele Deutsche halten die ungleiche Verteilung der Feiertage für ungerecht. Das zumindest hatte eine YouGov-Umfrage bereits im Dezember 2016 gezeigt. Demnach sprach sich damals eine große Mehrheit der Bevölkerung (61 Prozent) dafür aus, dass es in allen Bundesländern gleich viele gesetzliche Feiertage geben sollte – und zwar so viele wie in Bayern.

Bei der Umfrage kam zudem heraus, dass sich fast Dreiviertel der Befragten (72 Prozent) den Reformationstag als dauerhaft bundesweiten Feiertag wünschen. Der 31. Oktober ist lediglich in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und nun eben auch in Niedersachsen ein gesetzlicher Feiertag. 2017 wurde er wegen des Lutherjahres einmalig als gesamtdeutscher Feiertag begangen.

• Wäre ein religiöser, nicht-christlicher Feiertag denkbar?

Der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière sorgte 2017 mit einer Äußerung zu einem muslimischen Feiertag in Deutschland für Wirbel. „Ich bin bereit, darüber zu reden, ob wir auch mal einen muslimischen Feiertag einführen. Kann man gerne vielleicht mal machen“, sagte er damals auf einer CDU-Veranstaltung. „Wo es viele Moslems gibt, warum kann man da nicht auch mal über einen muslimischen Feiertag nachdenken.“

Politologen werten den Vorstoß als berechtigte Anerkennung für Muslime in Deutschland, da die Glaubensgemeinschaft immerhin etwa fünf Prozent der deutschen Bevölkerung ausmache. Viele Deutsche lehnen dies jedoch ab. Bei der YouGov-Umfrage vom Dezember 2016 hatten 68 Prozent auf die Frage nach einem Feiertag für andere Weltreligionen außer dem Christentum mit „Nein“ geantwortet.

• Wo liegt Deutschland im Feiertags-Vergleich mit anderen EU-Ländern?

Beim Blick nach Lettland oder Belgien dürften selbst die feiertagsverwöhnten Bayern neidisch werden: Mit je 17 Feiertagen im Jahr 2017 sind sie die Feiertags-Spitzenreiter der Europäischen Union, wie eine EU-Aufstellung zeigt. Knapp dahinter liegen Zypern (16) sowie Litauen und Slowenien (je 15). Malta und Rumänien kommen auf immerhin je 14 Feiertage.

Deutschland ist in der EU-Liste mit durchschnittlich elf Feiertagen gelistet. Neben den neun regulären bundeseinheitlichen Feiertagen wurden der Reformationstag und der Ostersonntag hinzugezählt. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich im unteren Drittel. Schlusslicht bilden die Iren, die Waliser und die Engländer mit nur acht Feiertagen. Sobald der Brexit abgeschlossen ist, stehen mit neun Feiertagen Spanien und Luxemburg auf dem letzten Platz. (mit Material von dpa)