Naturkatastrophen

Experten: Schwere Beben könnte es auch in Deutschland geben

Italienische Feuerwehrleute durchsuchen nach dem schweren Beben die Trümmer in der Stadt Amatrice.

Italienische Feuerwehrleute durchsuchen nach dem schweren Beben die Trümmer in der Stadt Amatrice.

Foto: Flavio Lo Scalzo / dpa

Schwere Beben in Deutschland sind unwahrscheinlich. Doch Experten schließen sie nicht aus. Einige Gebiete sind gefährdeter als andere.

Hannover.  Erdbeben-Experten halten ein starkes Erdbeben auch in Deutschland für möglich. Große Versicherungen wie die MunichRe berechnen sogar, wie hoch die Kosten für einzelne Städte wären. Der Erdbeben-Experte Gernot Hartmann sagt, dass Deutschland allerdings deutlich weniger gefährdet sei, weil es mitten auf der eurasischen Erdplatte liege und nicht wie Italien am Rand. Ein Beben der Stärke 6 oder darüber könne jedoch hierzulande nicht ausgeschlossen werden, so der Geophysiker bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gegenüber der „Neuen Presse“.

Das stärkste in Deutschland gemessene Beben mit einer Stärke von 5,9 hat es 1992 im deutsch-niederländischen Grenzbereich gegeben. Die gefährdeten Gebiete liegen laut Experten im Oberrhein-Graben, in der niederrheinischen Bucht, im Vogtland und im Alpenbereich.

Versicherung berechnet Kosten

Neue Erkenntnisse des Paläoseismologe Christoph Grützner zeigen: Die Gefahr von schweren Erdbeben im Rheinland ist größer als bislang angenommen. Anhand von Grabungen in der Nähe des nordrhein-westfälischen Dürens führte er den Beweis, dass es an dieser Stelle ein verheerendes Beben mit einer Stärke von 6,5 bis 7,0 gegeben hatte. Allerdings: Die Erdstöße ereigneten sich vor mindestens 2500 Jahren. Seine Ergebnisse veröffentlichte Grützner in der Fachzeitschrift „Geophysical Journal International“.

Auch die großen Versicherungen beschäftigen sich mit der Möglichkeit von Erdbebenkatastrophen in Deutschland. Im Jahr 1998 ermittelte eine für die Rückversicherung MunichRe erstellte Studie, welche Schäden ein Beben der Stärke 6.4 in der Kölner Bucht ausrichten könnte – also ein Beben vergleichbar dem, das der Wissenschaftler Grützner aufgespürt hat: Sie kam auf 94 Milliarden Mark, knapp 50 Milliarden Euro. Bei einer Konferenz der deutschsprachigen Gesellschaften für Erdbebeningenieurwesen wurde 2011 eine Studie vorgestellt, wonach bereits ein Beben von 5,7 in Köln Schäden von mehr als 6 Milliarden Euro verursachen kann.

Häufig folgen schwere Nachbeben

Wie verheerend ein Beben ausfällt, dafür gibt es laut dem Erdbeben-Experte Gernot Hartmann verschiedene Faktoren. Die Schäden in Mittelitalien seien auch deshalb so immens, weil das Epizentrum sehr flach in vier bis fünf Kilometer Tiefe gelegen habe, erläuterte der Experte. Die Region sei auch jetzt noch nicht sicher vor einem weiteren unmittelbar folgenden schweren Beben. Zwar nehme die Stärke der Nachbeben tendenziell eher ab. Aber dass nach einem starken Beben ein noch stärkeres folgen könne, habe sich in Japan 2011 gezeigt. (epd/law/les)

• Einige Passagen dieses Textes stammen aus einem früheren Artikel mit der Überschrift: „Autobahnbau bringt Beweis für verheerendes Erdbeben bei Köln“.