Erdbeben

Zehnjähriges Mädchen nach 17 Stunden aus Trümmern gerettet

Rettungskräfte im Einsatz in Pescara del Tronto. Nach 17 Stunden konnte dort ein Mädchen fast unverletzt gerettet werden.

Rettungskräfte im Einsatz in Pescara del Tronto. Nach 17 Stunden konnte dort ein Mädchen fast unverletzt gerettet werden.

Foto: Flavio Lo Scalzo / dpa

Bei dem Beben in Italien wurden viele Kinder Opfer. Oft kamen Helfer die zu spät, doch es gibt auch die Fälle glücklicher Rettungen.

Rom.  „È viva!“, rief ein Feuerwehrmann laut, und Beifall brandete auf: Sie lebt! Die Suche nach einer Zehnjährigen in der von dem Erdbeben nahezu völlig zerstörten Ortschaft Pescara del Tronto hat ein glückliches Ende genommen. Die kleine Giorgia überlebte 17 Stunden unter den Trümmern ihres Elternhauses. Der italienische TV-Sender „Sky TG24“ übertrug Aufnahmen der dramatischen Rettung: Feuerwehrleute hatten das Mädchen unter dem Schuttberg entdeckt.

Kind nur leicht verletzt

Anscheinend wurde das Kind bei dem Beben nicht einmal schwer verletzt. Das Mädchen konnte durch Rufe auf sich aufmerksam machen, nachdem es Spürhunde entdeckt hatten. „Als wir sie lebend gefunden haben, war die Freude riesengroß“, sagte Feuerwehrsprecher Danilo Dionisi. Rettungsteams hatten den genauen Punkt lokalisieren können, wo sich das Zimmer Giorgias befand. Die Schwester der Überlebenden konnte allerdings nicht gerettet werden: „Sie lag neben Giorgia im Bett, für sie kam jede Hilfe zu spät“, sagte Dionisi.

Schnell die Runde gemacht hat auch die Geschichte von Leone und Samuele, die das Beben überlebten: Die Großmutter hatte sich in Arquata del Tronto mit ihren beiden Enkeln unter dem Bett verkorchen – es sollte ihnen das Leben retten. Der Großvater kam ums Leben.

Viele Kinder waren bei den Großeltern zu Besuch

Unter den Opfern des Bebens sind so viele Kinder, weil viele Eltern ihre Kinder in den Sommerferien zu „nonno e nonna“ schicken, also zu Opa und Oma. Die wohnen oft noch in kleinen Orten, während die Eltern in Städten arbeiten. In den Sommermonaten, besonders im August, erholen sich aber auch oft ganze Familien in ihren Heimatorten von der Großstadthitze. Es sind herzzerreißende Geschichten von den kleinen Opfern des Erdbebens, von denen italienische Medien berichten:

• Ein Elfjähriger rief unter den Trümmern nach Hilfe. Über Stunden versuchten die Retter, ihn lebend zu bergen. Doch die Rufe von Alfredino aus Amatrice verstummten. Als er schließlich aus den Trümmern gezogen wurde, war der Junge tot.

• Das Schicksal der Zwillingsjungen Simone und Andrea aus Amatrice rührt ebenfalls viele Menschen: Simone konnte noch lebend aus seinem Gefängnis aus Stein geborgen werden, doch dann erlag er seinen Verletzungen. Sein Bruder starb schon unter den Trümmern.

• Eine ganze Familie wurde in dem Dorf Accumoli ausgelöscht. Mutter, Vater, ein Grundschulkind und ein kleines Baby. Sie alle schliefen in einem Zimmer, als das Dach über ihnen zusammenbrach. Niemand überlebte.

• Extra aus L’Aquila weggezogen war eine Frau, nachdem sie das schwere Beben dort vor sieben Jahren überlebt hatte. Ruhe hatte sie in den Marken finden wollen, in dem kleinen Ort Arquata del Tronto. Doch dort nahm ihr nun das Beben ihre kleine Tochter weg: Marisol wurde nur 18 Monate alt.

• Elisabetta bewies Mut: Das Mädchen sprang aus dem Fenster aus dem ersten Stock in Pescara del Tronto. Unten stand sein Vater – und fing das Kind auf. (W.B./law/dpa)