Gewalt an der Friedrichstraße in Berlin

U-Bahn-Schläger muss mit schneller Anklage rechnen

Gegen den 18-Jährigen wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen. Er kam gegen Auflagen wieder frei. Der Prozess soll bald beginnen.

Berlin. Nach dem jüngsten Überfall auf einer Berliner U-Bahn-Station will die Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Schläger schnell vor Gericht bringen. Die Anklage wegen versuchten Totschlags gegen den 18-jährigen Schüler solle in zwei bis drei Wochen fertig sein, sagte Staatsanwaltssprecher Holger Freund am Mittwoch. Wegen gefährlicher Körperverletzung soll ein zweiter Jugendlicher angeklagt werden. Dem ebenfalls 18-Jährigen wird vorgeworfen, einen Mann angegriffen zu haben, der dem am Boden liegenden Opfer helfen wollte.

Der Überfall in der Nacht zum Ostersonnabend hat eine neue bundesweite Debatte über den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern ausgelöst. Der Schläger im U-Bahnhof Friedrichstraße hatte einen 29-Jährigen mit Tritten gegen den Kopf so schwer verletzt, dass dieser das Bewusstsein verlor. Das Opfer wurde inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen. Der Schüler räumte in der Vernehmung ein, das Opfer aus reiner Streitlust zufällig ausgesucht zu haben.

Gegen den 18-Jährigen wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen. Er kam gegen Auflagen wieder auf freien Fuß. Der Schüler muss sich dreimal pro Woche bei der Polizei melden. Sollte er dies nicht einhalten, müsse er in die Untersuchungshaft, sagte Freund.

Erst im Februar war es zu einem ähnlichen Exzess der Gewalt gekommen, der bundesweit Entsetzen hervorrief. Im U-Bahnhof Lichtenberg hatten vier Jugendliche einen 30-Jährigen überfallen und mit Schlägen und Tritten schwer verletzt. Der Handwerker lag wochenlang im künstlichen Koma. Nach dem Erwachen konnte er kaum sprechen und laufen. Derzeit macht er eine Rehabilitation.

Wegen dieser Tat sitzen ein 14-Jähriger und drei 17-Jährige in Untersuchungshaft. Ihnen werden versuchter gemeinschaftlicher Raubmord sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Anklage gegen sie sei noch nicht erhoben worden, sagte der Staatsanwaltschaftssprecher.

( (dpa/abendblatt.de) )