Nach dem folgenschweren Sturz bei „Wetten, dass..?“ befürchtet ein Trainer der Funsportart ein negatives Image für die Sportgeräte.

Leipzig. Lustiges Spielzeug oder gefährliches Sportgerät? Nach dem schweren Sturz von Samuel Koch in der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ geraten auch die von ihm verwendeten Sprungstelzen in die Kritik. „Das Problem sind nicht die Stelzen, sondern die Nutzer“, sagt Thomas Siebeneicher, Trainer beim Sport- und Bouncingclub Leipzig. Man müsse sich klarmachen, dass der Stunt von Koch in den Extremsportbereich gehe und nichts mit dem normalen Umgang mit den Geräten zu tun habe. Der Leipziger Club ist nach eigenen Angaben der erste Sprungstelzen-Verein Deutschlands.

Koch hätte die Wette nicht gemacht, wenn er sich seiner Sache nicht sicher gewesen wäre, sagte Siebeneich, der auch Geschäftsführer eines Sprungstelzen-Handels ist. „Samuel ist daran gescheitert, dass durch das Publikum und das Adrenalin ein starker Leistungsdruck entstanden ist“, meinte er. Der Sturz beruhe auf einem winzigen Sprungfehler.

Der Wettkandidat hatte am Sonnabendabend in der Live-Sendung in Düsseldorf versucht, mit Sprungfedern unter den Füßen über ein fahrendes Auto zu springen und war dabei schwer gestürzt. Der 23-jährige Student aus Hannover zog sich schwere Halswirbelverletzungen zu und zeigt nach Angaben der Ärzte Lähmungserscheinungen. Er liegt seit einer Operation im künstlichen Koma.

„Wenn man normalerweise einen Salto macht, springt man kurz ab und versucht schnell in die Rotation zu kommen“, sagte Siebeneicher. Weil das Auto so lang gewesen sei, habe der Wettkandidat sehr flach springen und sich mit den Händen auf dem Auto abstützen müssen. „Dadurch ist zu viel Dynamik in seinen hinteren Körper gekommen“, sagte der Trainer. Das habe den Salto überdreht und so eine sichere Landung auf den Stelzen unmöglich gemacht.

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Siebeneicher befürchtet, dass das Sportgerät nun erst einmal mit Skepsis betrachtet werde. „Jeder in Deutschland kennt jetzt das Sportgerät, aber jetzt ist es negativ behaftet.“ Er glaubt aber nicht, dass sich Sportler vom Bouncen abwenden. In seinem Verein gehe es auch nicht um gefährliche Stunts, sondern eher um Grundlagenvermittlung. Bei den etwa 40 Mitgliedern stehe der Spaß im Vordergrund, nicht das Risiko. Wie viele Bouncer es in ganz Deutschland gibt, weiß auch Siebeneicher nicht. Das Internetforum „bouncingvz.ning.com“, in dem Veranstaltungen und Treffen von Bouncern in ganz Deutschland verzeichnet sind, meldet rund 420 Mitglieder.

Außer dem erst 2009 gegründeten Leipziger Verein gibt es Siebeneicher zufolge einen weiteren in Mainz und einen im nordrhein-westfälischen Lünen, die sich dem Bouncen verschrieben haben. Daneben gebe es weitere Gruppen, die in anderen Sportvereinen oder nicht als Verein organisiert sind.

Im Sport- und Bounceclub Leipzig mit etwa 40 Mitgliedern hat es nach Angaben von Siebeneicher noch keine gefährlichen Stunts gegeben. „Am spektakulärsten war ein Sprung quer über ein Auto“. Zu gefährlichen Unfällen sei es bisher nicht gekommen. Ein Sportler habe sich einmal bei einem Salto das Knie verdreht, ein Mädchen habe sich den Oberschenkel gebrochen. Das gehöre aber zum Risiko und sei oft auf einen Fehler des Nutzers zurückzuführen. „Bouncen ist auch eine Sache des Kopfes“, sagte Siebeneicher.