Prozess in Oslo

Tag 4: Breivik schenkt sich den Nazi-Gruß

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abendblatt.de

Der Massenmörder kam zu Beginn des vierten Prozesstages einem Wunsch der Opfer-Angehörigen nach. Breivik nennt sich "risikopervers".

Oslo. Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hat zu Beginn des vierten Prozesstages zum ersten Mal auf seinen rechtsextremen Gruß mit ausgestrecktem rechtem Arm und geballter Faust verzichtet. Angehörige seiner Opfer hatten ihn am Vorabend darum gebeten. Nachdem ihm die Handschellen abgenommen wurden, sprach der Attentäter am Donnerstag stattdessen länger mit seinem Anwalt. Er wirkte gefasster als am Vortag, als ihn Staatsanwältin Inga Bejer Engh deutlich in die Enge getrieben hatte.

Am Donnerstag sollte der 33-Jährige zu seinen Vorbereitungen für die Attentate mit 77 Toten im vergangenen Sommer befragt werden. Staatsanwalt Svein Holden begann mit Breiviks Mitgliedschaft bei den Freimaurern und seiner finanziellen Situation. "Ich war eine ziemlich risikoperverse Person“, sagte Breivik zu seinen finanziellen Transaktionen.

+++ Überlebende von Utøya: "So macht uns Breivik keine Angst" +++

Er gab an, sich vor den Anschlägen ein ganzes Jahr freigenommen zu haben, um das Computerspiel "World of Warcraft“ zu spielen. Er habe im Schnitt 16 Stunden am Tag vor dem Computer gesessen. "Das war aber reine Unterhaltung, ein Hobby, und hatte nichts mit dem 22. Juli zu tun“, betonte er. Für seinen Anschlag habe er mit echten Waffen trainiert. Er sei mehrmals beim Schießtraining eines Vereins gewesen.

Auf das Computerspiel-Hobby habe seine Umgebung mit Entsetzen und Schock reagiert. "Ich konnte ihnen ja nicht sagen, dass ich ein freies Jahr nehme, weil ich mich fünf Jahre später in die Luft sprengen wollte.“ Zuvor sei er immer recht sozial gewesen, betonte Breivik, der früher als Selbstständiger tätig war.

+++ Kommentar: Nicht zu ertragen +++

Nach eigenen Worten hatte sich Breivik nur eine geringe Chance ausgerechnet, die Hauptstadt Oslo nach dem Bombenanschlag lebend verlassen zu können. Er habe erwartet, dass er auf dem Weg aus Oslo heraus zum Jugendlager auf der Insel Utøya auf bewaffnete Polizisten stoßen werde, sagte Breivik am Donnerstag. Auf Utøya erschoss Breivik dann 69 Menschen. Auf die Konfrontation mit der Polizei habe er sich mit Computerspielen vorbereitet. "Ich schätzte meine Überlebenschance auf weniger als fünf Prozent“, sagte Beivik.

Der Massenmörder soll am Nachmittag auch zum Ablauf des Bombenanschlags im Osloer Regierungsviertel befragt werden. Breivik ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt.

Mit Material von dpa und dapd