Prozess in Oslo

Massenmörder Breivik hat sich jahrelang "entmenschlicht"

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abendblatt.de

Fünfter Verhandlungstag in Oslo: Attentäter Anders Behring Breivik hat sich vor seinem Doppelanschlag von Oslo und Utöya im Internet über Attentate von al-Qaida informiert.

Oslo. Fünfter Verhandlungstag in Oslo: Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik ist sich nach eigener Aussage voll bewusst, unfassbares Leid ausgelöst zu haben. Er habe das Leben der Angehörigen und Hinterbliebenen zerstört, sagte er am Freitag ruhig und ohne Reue vor Gericht. „Ich kann nicht behaupten, dass ich ihr Leid verstehe“, sagte Breivik. „Wenn ich das versuchen würde, könnte ich hier nicht sitzen. Dann könnte ich nicht weiterleben.“ Breivik hatte im vergangenen Sommer 77 Menschen getötet, darunter viele Jugendliche. Den meisten schoss er kaltblütig ins Gesicht. Um diese Tat durchzustehen, habe er sich jahrelang „entmenschlicht“ und alle Emotionen abgelegt, erklärte der Attentäter.

Breivik gesteht, dass er sich für seine grausamen Attentate im vergangenen Sommer von der Terrororganisation al-Qaida inspirieren ließ. „Ich habe viel von al-Qaida gelernt“, sagte Breivik am Freitag vor Gericht. Die Organisation sei so erfolgreich, weil sie „Märtyrer“ (Selbstmordattentäter) einsetze. Das Problem mit militanten Islamisten sei aber, dass sie zu sehr auf Sprengstoff und nicht auf Amokläufe mit Schusswaffen setzten. Dennoch habe er die Organisation mehrere hundert Stunden lang im Internet und über Filme studiert und eine Art „al-Qaida für Christen“ schaffen wollen.

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Für sein Kompendium habe er auch andere Terrororganisationen verglichen. „Die Schwäche der (baskischen Untergrundorganisation) ETA ist, dass sie den Tod fürchten und nicht an das Leben nach dem Tod glauben. Das ist die Schwäche von Marxisten-Bewegungen. Der Vorteil von al-Qaida ist, dass sie Märtyrertum glorifizieren“, sagte der Massenmörder.

Breivik hält sich weiterhin für voll schuldfähig. „Diese Sache ist einfach: Ich bin zurechnungsfähig“, sagte er am Freitag. Er sei schockiert gewesen, als er das erste psychiatrische Gutachten gelesen habe, das ihm paranoide Schizophrenie bescheinigte. Es sei schwer zu begreifen, dass jemand so extrem und fundamentalistisch sein könne, gab er zu. „Es ist leicht zu denken, das ist Wahnsinn. Aber es gibt einen Unterschied zwischen politischer Gewalt und Wahnsinn im medizinischen Sinne.“

Ein zweites Gutachten hatte Breivik kurz vor Prozessbeginn für schuldfähig erklärt. Die Frage der Zurechnungsfähigkeit entscheidet darüber, ob er für 21 Jahre ins Gefängnis oder in eine psychiatrische Anstalt kommt.

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Mit Material von dpa