Amoklauf in Finnland

Amokläufer tötet fünf Menschen und richtet sich dann selbst

| Lesedauer: 3 Minuten

Ein 43-Jähriger schießt in Finnland in einem Supermarkt wild um sich. Zuvor tötete er seine Ex-Frau. Polizei entdeckt seine Leiche.

Helsinki. Ein 43-jähriger Mann hat am Donnerstag in einem Supermarkt in der finnischen Stadt Espoo vier Menschen erschossen und dann sich offenbar selbst das Leben genommen. Zuvor hatte der Mann ersten Erkenntnissen zufolge seine geschiedene Frau in deren Wohnung umgebracht, so dass es insgesamt sechs Tote gibt. In der Wohnung des mutmaßlichen Täters Ibrahim S. sei eine Leiche entdeckt worden, bei dem es sich vermutlich um den Täter handele, teilte die Polizei mit. Die Ex-Frau des Täters war zuvor in ihrer Wohnung in Espoo tot aufgefunden worden.

Der schwarz gekleidete Mann war am Donnerstagvormittag in ein Einkaufszentrum von Espoo eingedrungen und hatte nach Berichten von Augenzeugen begonnen, wahllos um sich zu schießen. Dabei wurden nach Polizeiangaben drei Männer und eine Frau tödlich getroffen. Als die Schüsse fielen, sei in der Elektroabteilung Panik ausgebrochen, hieß es. Der Amokschütze habe dort einen Angestellten mit zwei Kopfschüssen getötet, berichteten Augenzeugen.

Anschließend habe der Täter in der Fleischabteilung weitere Schüsse abgefeuert. Dann sei dem Mann im Gewühl des Silvestereinkaufs die Flucht gelungen. „Viele Leute schrien, und viele Verkäufer waren völlig in Panik“, sagte ein Augenzeuge im Rundfunk. „Niemand wusste, was los war.“ Nach Angaben von Polizeisprecher Karlio waren während des Amoklaufs „viele hundert Menschen“ in dem Einkaufszentrum.

Nach Bekanntwerden der Schüsse im Einkaufszentrum fahndeten die Behörden mit einem Großaufgebot nach dem 1966 im Kosovo geborenen Ibrahim S.. Dazu veröffentlichten die Behörden ein Foto von dem Mann und baten die Bevölkerung um Hilfe. Bei der Fahndung riegelte die Polizei das Einkaufszentrum „Sello“, in dem der Supermarkt der „Prisma“-Kette liegt, ab und stoppte den Zugverkehr durch den nahe gelegenen Bahnhof Leppävaara. Zudem wurde ein Hubschrauber bei der Suche nach dem Amokläufer eingesetzt.

Als möglicher Hintergrund für den Amoklauf gilt Eifersucht. Shukpoli war verurteilt worden, weil er seine Ex-Frau misshandelt hatte. Er habe sie nicht mehr besuchen dürfen, hieß es. Beamte hatten die Leiche der Ex-Frau des mutmaßlichen Täter in deren Wohnung entdeckt, als sie nach dem Mann fahndeten.

In der Stadt Espoo leben knapp 250.000 Einwohner. Die Stadt ist wegen der dort ansässigen Konzernzentrale des Handy-Herstellers Nokia auch international bekannt. Das Einkaufszentrum Sello bezeichnet sich als eines der größten in Skandinavien und hat nach eigenen Angaben mehr als 170 Läden. Es wurde 2005 eröffnet.

In Finnland hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt Amokläufe gegeben, bei denen mehrere Menschen starben. So tötete ein Amokläufer im September 2008 in einer Berufsschule in Kauhajoki acht Mitschülerinnen, einen Mitschüler und einen Lehrer. Der 22 Jahre alte Waffennarr erschoss sich danach selbst.

Ende 2007 hatte ein 18-jähriger Abiturient in einem Schulzentrum der Ortschaft Tuusula sechs Mitschüler, eine Krankenschwester und die Schulleiterin erschossen. Anschließend tötete er sich mit einem Kopfschuss. 2002 starben sieben Menschen, als ein Chemiestudent eine Bombe in einem Einkaufszentrum in Vantaa nördlich von Helsinki detonieren ließ. Der Täter kam dabei ums Leben. Nach dem letzten Amoklauf hatte der Reichstag in Helsinki eine Verschärfung des Waffenrechts beschlossen.

( (ap/dpa/abendblatt.de) )