Stierkampf: Neues Tierschutzgesetz geplant

Katalonien packt das Problem bei den Hörnern

Jahrelang forderten Tierschützer erfolglos ein Stierkampf-Verbot. Ein katalonisches Gesetz könnte dem umstrittenen Treiben ein Ende bereiten.

Barcelona. Morgen wird in Katalonien über den Entwurf eines Tierschutzgesetzes entschieden, der als Ziel die Abschaffung des Stierkampfes in der spanischen autonomen Gemeinschaft hat Während eines Stierkampfes müssen Tiere Foltermethoden wie im Mittelalter erleiden. Stück für Stück werden sie zu Tode gequält. Die Stiere sterben langsam, qualvoll und unter größten Schmerzen. Zusätzliche Tierquälereien barbarischen Ausmaßes - wie das Anbrennen der Hörner bei lebendigem Leib – gehören zu regelmäßig stattfindenden, öffentlichen Veranstaltungen.

In dem spanischen Ort Medinaceli in der Provinz Soria findet jeden November eine der grausamsten Tierquälereien der Welt statt. Während der Fiesta „Toro de Jubilo“ werden einem lebendigen Stier die Hörner angebrannt. Der von unsagbaren Schmerzen gepeinigte Stier wird – wahnsinnig vor Todesangst – durch die Stadt gehetzt, bevor er in der Arena langsam, aber sicher zu Tode gequält wird.

Tierquälerei schon vor dem Stierkampf

Die Hörner eines Rindes sind sehr gut durchblutet. Es sind unvorstellbare Schmerzen, die einem Tier durch das Anbrennen der Hörner zugefügt werden. Doch das ist nicht die einzige Grausamkeit: Der Stierkampf an sich besteht aus drei Phasen und dauert insgesamt zwanzig Minuten. Kurz vor dem Einzug in die Arena verletzen die Picadores dem Stier die Nackenmuskeln, damit er geschwächt wird und seinen Kopf schwerer heben kann.

Während der Zeit in der Arena wird das Tier immer schwächer: Speere, die ihm in den Leib gerammt werden, sorgen für einen hohen Blutverlust. Die Tierquälerei beginnt jedoch schon lange vor der Tortur in der Arena: die Bullen werden durch Wasser- und Futterentzug, Dunkelhaltung und zugefügte Schmerzen gequält, um sie für den bevorstehenden Kampf zu schwächen.

Am Donnerstag nun stimmen die Abgeordneten des katalonischen Parlaments über den Entwurf eines Tierschutzgesetzes ab, das als Ziel die Abschaffung des Stierkampfs in Katalonien hat. Wie vorauszusehen war, sind die Stierkampf-Fanatiker in Panik geraten und versuchen mit allen Mitteln, auf die Abgeordneten Druck auszuüben.

Stierkämpfe kein rein spanisches Phänomen

Pro Jahr werden in Spanien etwa 2.000 Stierkämpfe durchgeführt. Über 40.000 Stiere werden hierfür jährlich in der EU „verbraucht“. Stierkämpfe werden nicht nur in Spanien, sondern auch in Süd-Frankreich, Portugal, Mexiko und Brasilien durchgeführt. Weltweit haben sich bereits 80 Städte gegen den Stierkampf ausgesprochen – aber auch viele Spanier selbst sind gegen diese Tierquälerei. Die meisten Besucher der Stierkampf-Arenen sind Touristen.

Auf offene Ohren stößt das geplante katalonische Gesetz bei "Vier Pfoten". Die Tierschutzorganisation setzt sich für ein sofortiges Verbot des Stierkampfes ein und ruft alle Menschen zum Boykott "dieser grausamen Praxis" auf. „Die Lust an öffentlicher Tierquälerei hat nichts mit Tradition zu tun – sie ist abscheulich, inakzeptabel und erinnert an dunkelste Kapitel aus dem Mittelalter. Dass eine solch inakzeptable Tierquälerei in EU-Mitglied-Staaten unter dem Deckmantel der 'Tradition' geduldet wird, ist ein Skandal“, sagt Ina Müller-Arnke von "Vier Pfoten".

„Die EU hat dem Tierschutz Verfassungsrang eingeräumt. Das extra zugefügte Leiden eines Tieres ist in keiner Weise mit dem Tierschutz vereinbar. Die EU-Regelungen müssen so geändert werden, dass Stierkämpfe und ähnliche „traditionelle“ Veranstaltungen nicht mehr ausgenommen, sondern unter Strafe gestellt werden“.