Blutbad auf US-Basis

Militärpsychiater erschießt zwölf Soldaten - Mobbing als Motiv?

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Das Motiv des 39-jährigen Muslims palästinensischer Herkunft war zunächst unklar. Im November sollte er im Irak eingesetzt werden.

Fort Hood. Ein US-Major hat am Donnerstag auf einem texanischen Armeestützpunkt ein Blutbad angerichtet. Mit zwei Handfeuerwaffen erschoss der Militärpsychiater Nidal Malik Hasan nach Armeeangaben zwölf Soldaten und verletzte 31 weitere, bevor er selbst angeschossen wurde. Das Motiv des 39-jährigen Muslims palästinensischer Herkunft war zunächst unklar. Im November sollte er nach Angaben seines Cousins im Irak eingesetzt werden.

Die Schießerei in Fort Hood, dem größten US-Armeestützpunkt, begann nach Angaben des Kommandeurs Bob Cone gegen 13.30 Uhr (20.30 Uhr MEZ) Ortszeit. In einem Gebäude, in dem zahlreiche Soldaten vor ihrer Entsendung nach Afghanistan und in den Irak eine letzte medizinische Untersuchung erhielten, zog Hasan plötzlich seine Waffen und begann um sich zu feuern.

Nur knapp konnte verhindert werden, dass der in eine Graduiertenfeier mit rund 600 Teilnehmern stürmte: Soldaten schlossen die Türen zu dem Saal. Andere versuchten, den Todesschützen mit Schüssen aufzuhalten. Hasan sei mehrfach getroffen worden, sei aber in einem „stabilen Zustand“, sagte Kommandeur Cone. Erste Befürchtungen, dass Hasan Komplizen hatte, bewahrheiteten sich nicht.

Über das Motiv der Bluttat wollte sich die Armee zunächst nicht äußern. Cone zufolge schwieg Hasan bei seiner Vernehmung. Medienberichten zufolge kümmerte sich der 39-Jährige als Militärpsychiater auch um Soldaten, die sich bei Militäreinsätzen posttraumatische Stress-Erkrankungen zugezogen hatten.

Spekulationen, dass er Angst vor seiner eigenen Entsendung in den Irak hatte, wies sein Cousin Nadar Hasan zurück. „Ich glaube nicht, dass er jemals vom Militärdienst desillusioniert war“, sagte er dem Sender Fox News. Dagegen habe er sich immer wieder über Schikanen von Kollegen beklagt, die ihn wegen seiner Herkunft gemobbt hätten. „Er nahm sich einen Militäranwalt, um das Problem zu lösen. Er wollte die Armee verlassen. Er hat alles versucht und wusste nicht mehr weiter.“

Nach Angaben seines Cousins wurde Hasan in den USA geboren und wuchs im Bundesstaat Virginia auf. Seine palästinensischen Eltern stammen demnach aus einer kleinen Stadt bei Jerusalem.

Der mutmaßlich bisher blutigste Amoklauf auf einem US-Stützpunkt löste im ganzen Land Entsetzen aus. US-Präsident Barack Obama sprach von einem „schrecklichen Gewaltausbruch“ und drückte den Angehörigen sein Beileid aus. Es sei schwierig genug, dass US-Soldaten bei Kämpfen im Ausland ums Leben kämen. „Es ist schrecklich, dass sie hier auf einem Stützpunkt auf amerikanischem Boden unter Beschuss kommen“, sagte Obama.

Der US-Kongress legte eine Schweigeminute ein. Die islamische Vereinigung CAIR verurteilte die Bluttat scharf. Sie zeigte sich gleichzeitig in Sorge vor möglichen Vergeltungsaktionen gegen Muslime in den USA.

Fort Hood ist der größte Stützpunkt der US-Armee. Seiner Internetseite zufolge umfasst er mit 880 Quadratkilometern ein Gebiet von der Größe New Yorks. Mindestens 52.000 Soldaten und tausende Zivilisten leben auf dem Stützpunkt im Herzen von Texas. Bislang galt er als absolut sicher. In Fort Hood sind das 3. Armeecorps, die 4. Infanteriedivision und die 1. Kavalleriedivision der US-Armee stationiert. Diese Einheiten werden regelmäßig zu Einsätzen in den Irak entsandt.

( (afp/abendblatt.de) )