Besuch aus Schweden

Geschichtsstunde für Victoria und Daniel in Berlin

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Caroline Bock

Victoria und Daniel haben bei ihrem ersten Berlin-Besuch ein volles Programm. Christian Wulff hat sie im Schloss Bellevue empfangen.

Berlin. Sie kam im Schlangenleder-Look: Die schwedische Kronprinzessin Victoria (33) hat zum ersten Mal gemeinsam mit ihrem Mann Prinz Daniel (37) Berlin besucht. Viel Zeit nahmen sich beide am Donnerstag für das Holocaust-Mahnmal. Victoria lächelte und winkte zwischen den Programmpunkten routiniert in die Kameras. Ihr Outfit: ein kurzes, grau-schwarzes Kleid in Schlangenoptik und Stöckelschuhe.

Das Paar, das seit Juni 2010 verheiratet ist, war aus München angereist. Die Aschewolke aus Island hätte fast den Flug verhindert. In Berlin lief alles nach Plan. Morgens gab es einen Empfang auf Schloss Bellevue bei Bundespräsident Christian Wulff und seiner Frau Bettina, die ein rosafarbenes, etwas winterlich wirkendes Kostüm ausgewählt hatte.

Bei einer Konferenz zum Thema Gesundheit saßen die Königlichen Hoheiten im Publikum, als der neue Minister Daniel Bahr das deutsche Versorgungssystem erklärte. Bahr witzelte, er habe sich bei der Wahl der lila Krawatte nicht mit seinem schwedischen Kollegen und Prinz Daniel abgesprochen - diese waren mit der gleichen Schlips-Farbe erschienen. Und der FDP-Politiker erklärte, dass die Deutschen sich im Schnitt länger an ihren Arzt als an ihren Ehepartner binden.

Die älteste Tochter von Königin Silvia kennt Berlin bereits von einem Praktikum 2002. Reporterfragen waren wie in Bayern nicht vorgesehen. Vielleicht wollte der Hof Victoria ersparen, dass sie wegen der Vergangenheit ihres deutschen Großvaters oder wegen Rotlicht-Verdächtigungen gegen ihren Vater, König Carl XVI. Gustaf, gelöchert wird.

Nach der Gesundheitskonferenz besuchte das Paar das Stelenfeld und das Infozentrum unter dem Holocaust-Mahnmal nahe dem Brandenburger Tor. Gedenkstättenleiter Uwe Neumärker war hinterher begeistert. „Ich bin sehr angetan“, erklärte Neumärker. Victoria und Daniel seien beim Gang durch die Ausstellung sehr interessiert und beeindruckt gewesen. „Das war, glaube ich, kein Pflichttermin.“ Victorias Großvater Walther Sommerlath war laut Neumärker kein Thema.

Der Hintergrund: Königin Silvia leidet nach eigener Aussage heftig unter den Vorwürfen, dass ihr Vater in Berlin das „arisierte“ Unternehmen eines verfolgten deutschen Juden übernommen und im Krieg für die Wehrmacht produziert haben soll. Sie lässt die Rolle ihres 1990 gestorbenen Vaters während der Nazi-Herrschaft und bei der Judenverfolgung untersuchen.

Der Trubel beim Besuch von Victoria und Daniel hielt sich in Grenzen. Einige Touristen schauten neugierig, wer da am Holocaust-Mahnmal aus der dunklen Limousine stieg. Ein Royal-Fan schwärmte von Victorias Natürlichkeit und dem Jawort in Stockholm: „Das war die größte Hochzeit, die ich bisher erlebt habe.“ Victoria bedankte sich für ein selbstgemaltes Schild und Blümchen überschwänglich mit „Oh, wie toll“.

In Berlin wollten die beiden außerdem ein Integrationsprojekt sowie in der Hauptstadt lebende schwedische Künstler kennenlernen. Im Künstlerkollektiv Bülowstraße 90 zeigt sich die Hauptstadt von ihrer hippen Seite. Abends lud der schwedische Botschafter die Gäste in seine Residenz nach Dahlem.

Am Freitag trägt sich das Paar im Roten Rathaus in das Goldene Buch der Stadt ein. Anschließend besuchen die beiden die Gedenkstätte Berliner Mauer und das Brandenburger Tor. Die Reise endet bei der schwedischen Schule und der Victoria-Gemeinde: Das könnte mit winkenden Kindern mit Blumenkränzen noch einmal schöne Bilder geben.