Hamburger Sportgala

Sie haben die Wahl: Krönen Sie Hamburgs Beste!

| Lesedauer: 11 Minuten
In der Handelskammer werden am 25. April die besten Sportlerinnen und Sportler Hamburgs gekürt

In der Handelskammer werden am 25. April die besten Sportlerinnen und Sportler Hamburgs gekürt

Foto: Witters

Wer wird Sportlerin, Sportler und Mannschaft des Jahres 2021? Die Hamburger Sportgala kürt die Sieger in der Handelskammer.

Hamburg. Das lange Warten hat ein Ende: Nachdem die Hamburger Sportgala wegen der Pandemie 2021 nur digital durchgeführt werden durfte, können sich Hamburgs beste Sportlerinnen und Sportler in diesem Jahr ihren verdienten Applaus wieder live abholen – und zwar an altbekannter Stätte! Am 25. April laden die Stadt Hamburg, der Hamburger Sportbund und das Hamburger Abendblatt wieder in die Handelskammer. Schon von 2006 bis 2015 hatte der stimmungsvolle Börsensaal der Hamburger Sportgala einen feierlichen Rahmen gegeben.

Aber zunächst einmal sind Sie an der Reihe: Ab sofort können Sie mit abstimmen, wer Sportlerin, Sportler und Mannschaft des Jahres sein sollen. Je drei Personen beziehungsweise Teams stehen zur Auswahl. Die Leserinnen und Leser haben mit ihrem Votum einen „Sitz“ am Jurytisch. Die Abstimmung lief bis Mittwoch, 6. April, um 10 Uhr.

Einen Namen werden Sie vermissen: den von Tennis-Profi Alexander Zverev, der in Tokio olympisches Gold gewann, eine herausragende sportliche Leistung des 24 Jahre alten Hamburgers. Doch Preisträger haben immer auch eine Vorbildfunktion – und dieser wurde Zverev beim Turnier in Mexiko, als er den Schiedsrichterstuhl mit seinem Schläger attackierte, nicht gerecht. Deshalb verzichteten die Initiatoren in diesem Jahr auf eine Nominierung.

Mannschaft des Jahres: Das sind die Kandidaten

Blindenfußballteam des FC St. Pauli: Den überschwänglichen Jubel, das „Bad in der Menge“, das haben sie sichtlich genossen, die Blindenfußballer des FC St. Pauli, als sie in der Halbzeitpause des Zweitligaspiels gegen den SV Sandhausen am 24. November eine Ehrenrunde im Millerntorstadion zelebrierten. Deutscher Meister 2021!

Das Team um Trainer Wolf Schmidt und Rekordtorjäger Jonathan Tönsing (22) hatte am 30. Oktober im letzten Spiel der Saison in Bonn auch Verfolger MTV Stuttgart 1:0 geschlagen und damit eine fast perfekte Spielzeit mit sechs Siegen und nur einem Unentschieden auf Platz eins beendet. Tönsing schoss 31 der 41 Saisontore. Es war der zweite Meistertitel nach 2017, in den drei folgenden Jahren gab es jeweils eine Niederlage im Endspiel. „Wir haben uns diesen Meistertitel mit spielerischen Mitteln und einer homogenen Mannschaftsleistung verdient“, sagte Schmidt, der das immer noch junge Team seit Jahren aufgebaut und geformt hat. Schon nach dem Triumph ließen die Spieler es in Bonn krachen – die Ovationen der St.-Pauli-Fans waren verdiente Anerkennung für die im vergangenen Jahr erfolgreichste Mannschaft des Vereins.

Handballer des HSV Hamburg: Als es vollbracht war, die blau-weiß-roten Luftschlangen durch die Barclaycard Arena schossen, rastete selbst Torsten Jansen aus. Arm in Arm hüpfte der Coach des HSV Hamburg (HSVH) mit Co-Trainer Blazenko Lackovic übers Parkett. Sportsenator Andy Grote (SPD) jubelte in einer Loge mit HSVH-Präsident Marc Evermann, während sich die Spieler nach dem 32:28-Sieg gegen Hamm-Westfalen zu Pyrotechnik und dröhnenden Bässen feiern ließen.

Die Hamburger Handballer hatten sich am 23. Juni 2021 zurück in die Bundesliga geworfen, eine bemerkenswerte Leistung. Fünfeinhalb Jahre zuvor war der HSVH noch mit einer U23 in der viertklassigen Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein angetreten, der Verein wusste nach der Insolvenz der damaligen Bundesliga-Spielbetriebsgesellschaft nicht einmal, ob die Spieler ihre Trikots mit der Raute weiter benutzen durften.

Sie taten es einfach – und starteten eine in Deutschland einmalige Erfolgsgeschichte. Jansen als Trainer, Lackovic als sein Assistent, Martin Schwalb als Vizepräsident waren in neuen Funktionen aus der früheren ruhmreichen Ära dabeigeblieben, gestalteten mit Präsident Evermann den Neuaufbau. Die neuen Stars heißen jetzt Leif Tissier (22) und Niklas Weller (28), die sich jetzt auch noch anschicken, als Aufsteiger den Bundesliga-Klassenerhalt zu schaffen.

Segelduo Erik Heil/Thomas Plößel: Ihre zweite olympische Bronzemedaille war Gold wert. Für ihren dritten Platz in der 49er-Konkurrenz bei den Sommerspielen in Tokio erhielten die Segler des Norddeutschen Regatta Vereins (NRV) von ihrem Sponsor Hamburger Sparkasse je einen Zehntel Krügerrand, eine in Gold geprägte Anlagemünze (Wert rund 200 Euro).

Der emotionale Wert des in Japan gewonnenen Edelmetalls ist zwar nicht zu beziffern, doch Steuermann Heil (32) und Vorschoter Plößel (33) waren sich schnell darüber einig, dass er deutlich größer war als fünf Jahre zuvor in Rio: „Der Unterschied war, dass wir in Tokio im letzten Rennen Bronze gewonnen und nicht, wie in Rio, Silber verloren haben.“ Von Rang eins bis Rang sieben war vor der letzten Wettfahrt alles noch möglich, die mentale Herausforderung deshalb umso größer. Doch das Duo, das einen dritten Olympiastart in Paris weiter auf der Rechnung hat, meisterte diese Challenge – und steht deshalb zu Recht zur Wahl.

Sportler des Jahres: Das sind die Kandidaten

Lucas Ansah-Peprah: 49 Jahre nach dem erfolgreichen Auftritten von Jobst Hirscht (heute 73/SV Polizei) in München, Platz sechs im 100-Meter-Endlauf, Bronze mit der Staffel, betrat mit Lucas Ansah-Peprah bei den Sommerspielen 2021 in Tokio wieder ein Hamburger Sprinter die olympische Bühne. Der 22 Jahre alte Leichtathlet des HSV, deutscher Vizemeister über 100 Meter, kam in der 4 x 100-Meter-Staffel im Vor- und Endlauf als Schlussläufer zum Einsatz, das Quartett wurde Fünfter.

Ansah-Pep­rah, nicht verwandt mit seinem Vereinskollegen Owen Ansah, dem deutschen 200-Meter-Meister, gilt als derzeit größtes deutsches Sprinttalent. Mit Ansah (21) wurde er im vergangenen Jahr in Polen Weltmeister mit der 4 x 200-Meter Staffel.

Tobias Hauke: Seinen Abschied von der internationalen Hockeybühne hätte sich der 34 Jahre alte Mittelfeldspieler des Harvestehuder THC ohne Frage ganz anders gewünscht. Während den Olympischen Sommerspielen in Tokio, durch die der gebürtige Hamburger die deutschen Hockeyherren als Kapitän führte, war er zum alleinigen Rekordnationalspieler aufgestiegen.

Nach den Olympiasiegen 2008 und 2012 sowie der Bronzemedaille 2016 hätte sich der Welthockeyspieler von 2013 natürlich gern mit einer weiteren Medaille aus seiner internationalen Karriere verabschiedet. Doch die Niederlage im Spiel um Platz drei gegen Indien verhinderte diese letzte Krönung, und weil coronabedingt auch die Hallen-EM 2022 in Hamburg abgesagt werden musste, darf sich Tobias Hauke, der in der Bundesliga weitermacht, nach nun 369 Einsätzen im DHB-Dress auf die Übernahme des familieneigenen Handelshauses für Kohlenwertstoffe und Mineralölprodukte fokussieren.

Boris Herrmann: „Seemanns Braut ist die See“, sang einst Hans Albers – und das trifft trotz Ehefrau Birte und Tochter Marie-Louise ein wenig auch auf Boris Herrmann zu. Die Planungen für seine nächsten Projekte laufen bereits auf Hochtouren. 2024/25 will der 40 Jahre alte Segelprofi und Klimaschutzaktivist aus Hamburg wieder an der Vendée Globe teilnehmen, dem Non-Stop-Rennen rund um die Welt, bei dem ein Segler allein mit seinem Boot den Unwägbarkeiten und Gewalten der Elemente Wind und Wasser trotzen muss.

Auf Platz fünf unter 33 Startern war Herrmann am 28. Januar 2021 nach 80 Tagen und 24.000 Seemeilen wieder im Start- und Zielort Les Sables-d’Olonne in Westfrankreich eingetroffen. Er war der erste Deutsche, der an dieser härtesten Regatta über die Weltmeere teilgenommen hat. Mit seinem Blog und seinen Logbuch-Beiträgen im Abendblatt sorgte er für großes Aufsehen.

Sportlerin des Jahres: Das sind die Kandidatinnen

Susann Beucke: Sie konnten es beide nicht fassen, „einfach unglaublich, wunderschön“, jubelten Steuerfrau Tina Lutz (31) und ihre Vorschoterin Susann Beucke (30) am 3. August nach dem Gewinn der olympischen Silbermedaille im 49erFX vor der japanischen Halbinsel Enoshima. Beucke, die für den Norddeutschen Regatta Verein (NRV) startet, und Lutz (Chiemsee Yacht Club) krönten damit ihre erfolgreiche Segelgemeinschaft, die inzwischen 15 Jahre besteht.

Zwei Europameistertitel, 2017 und 2020, standen zuvor ganz oben in der gemeinsamen Karrierebilanz. „Ich liebe es, dass unser Sport draußen stattfindet und die Natur das Spiel vorgibt. Zudem ist es ein schönes Gefühl, auf einem Boot über das Wasser zu rauschen“, sagt die gebürtige Kielerin Beucke. Ihre ersten Erfahrungen machte sie mit der Familie, mit der sie im Sommer jedes Wochenende nach Dänemark segelte.

Renée Lucht: Dass sie endgültig angekommen ist bei den Erwachsenen, das wies die Schwergewichtlerin (Klasse über 78 Kilogramm) von der HT 16 im November nach. In Aserbaidschans Hauptstadt Baku feierte die 23-Jährige, die im April erstmals in ihrer Karriere eine Europameisterschaft im Seniorenbereich bestritten hatte, ihren ersten Triumph bei einem Turnier der höchsten Kategorie Grand Slam. „Für mich war das ein extrem wichtiger Erfolg, weil er mir gezeigt hat, dass ich in der Lage bin, ganz oben mitzuhalten“, sagte die Studentin der Sonderpädagogik, die mit ihrem dritten Platz beim Grand-Prix-Turnier in Kroatiens Hauptstadt Zagreb eineinhalb Monate zuvor bereits angedeutet hatte, was in ihr steckt.

Und dass sie gewillt ist, auf dem Erfolgsweg weiterzugehen, unterstrich Lucht, als sie Anfang März dieses Jahres beim Europacup in Prag (Tschechien) ganz oben auf dem Podest stand.

Edina Müller: Sohn Liam war einer der ersten Gratulanten, als ihr Triumph von Tokio feststand. In 53,958 Sekunden war die Parakanutin über die 200-Meter-Distanz geflogen, hatte einen neuen paralympischen Rekord aufgestellt und ihre zweite Goldmedaille nach dem Sieg mit dem Rollstuhlbasketballteam 2012 in London gewonnen. „Alles hat gepasst, es war zu 100 Prozent auf den Punkt“, sagte die 38 Jahre alte Athletin vom Hamburger Kanu Club über den Erfolg in Tokio: „Dass wir das zusammen erleben durften, hat für mich einen ganz anderen emotionalen Wert.“

Dass Sohn Liam und Partner Niko mit dabei sein konnten, war für Müller alternativlos, aber unglaublich schwierig. Stillende Mütter waren nicht vorgesehen für Teilnahme an Wettkämpfen, die notwendige Begleitung des Partners zur Kinderbetreuung auch nicht. Am Ende kämpfte sie doppelt erfolgreich.

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