Handball

Aufstieg! HSV Hamburg nach fünf Jahren wieder erstklassig

| Lesedauer: 4 Minuten
Maximilian Bronner

Mit einem umjubelten Heimsieg gegen Hamm-Westfalen kehren die Handballer vorzeitig als Meister in die Bundesliga zurück.

Hamburg. Als es um 21.29 Uhr vollbracht war und die blau-weiß-roten Luftschlangen durch die Barclaycard Arena schossen, rastete selbst Torsten Jansen aus. Arm in Arm sprang der unter normalen Umständen extrem ruhige Coach des HSV Hamburg (HSVH) mit Co-Trainer Blazenko Lackovic über das Parkett. Sportsenator Andy Grote (SPD) jubelte in einer Loge mit HSVH-Präsident Marc Evermann, während sich die Spieler zu Pyrotechnik und dröhnenden Bässen feiern ließen.

Durch den 32:28 (17:14)-Heimsieg gegen den ASV Hamm-Westfalen feierte der HSVH bereits am vorletzten Spieltag den Aufstieg in die Handball-Bundesliga. Wegen des gewonnenen direkten Vergleichs mit dem TuS N-Lübbecke machten die Hamburger vor 2141 Zuschauern ganz nebenbei auch die Zweitligameisterschaft perfekt. Bester Hamburger Werfer war Kreisläufer Niklas Weller mit sieben Toren.

Nach fünf Jahren sind Hamburgs Handballer wieder erstklassig

Rund fünfeinhalb Jahre nachdem der HSV Handball im Zuge des Insolvenzantrags im Januar 2016 die Lizenz für die Bundesliga entzogen wurde und der HSVH in der Versenkung verschwand, ist Hamburg zurück im Handball-Oberhaus. Im Sommer 2016 startete der Handball Sport Verein Hamburg mit neuem Wappen und neuer Philosophie in der Dritten Liga.

Kein millionenschwerer Mäzen, sondern der eigene Nachwuchs sollte es richten. 2018 führte Ex-Profi Jansen den HSVH bereits mit etlichen Eigengewächsen in die Zweite Liga. Während die Gegner vor fünf Jahren noch SV Beckdorf oder SG VTB/Altjührden hießen, trifft der HSVH zukünftig wieder auf den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt.

Auszeichnung für HSVH-Aufstiegstrainer Jansen

Dass Coach Jansen bereits vor dem Spiel von seinen Kollegen zum besten Trainer der Zweiten Liga gewählt wurde, dürfte ihn nur am Rande interessiert haben. Die Anspannung in der Arena war bereits vor Anwurf zu spüren, als die Spieler in die dunkle Arena einliefen.

Nachdem das Licht anging, ließ sich Finn Wullenweber nicht lange bitten. Der Rückraumschütze wackelte seinen Gegenspieler nach 37 Sekunden leichtfüßig aus, hämmerte den Ball unter dem Jubel der Fans zum 1:0 ins Tor der Gäste. Der HSVH war von Beginn an wach, setzte Hamm unter Druck.

Danach gab die spektakulärste Aktion des Spiels den Auftakt zum ersten Hamburger Lauf. Erst feuerte Wullenweber den Ball mit einem lauten Knall an die Querlatte, dann pflückte Linksaußen Tobias Schimmelbauer den Ball aus der Luft, um ihn sofort auf Leif Tissier zu passen. Der 21 Jahre alte Spielmacher lag bereits waagerecht in der Luft, fing den Ball trotzdem mit einer Hand, um ihn kompromisslos zu versenken.

Danach sorgten drei Paraden von HSVH-Torwart Jens Vortmann dafür, dass sich die Hamburger kontinuierlich absetzen konnten. Nachdem Niklas Weller einen Gegenstoß zur erstmaligen Viertoreführung vollendete (8:4/12.), reagierte Gästetrainer Michael Lerscht mit einer Auszeit.

Zwar kam der Tabellenzehnte danach kurzzeitig wieder auf ein Tor heran (9:8/17.), der HSVH ließ sich aber nicht verunsichern. Nachdem Wullenweber zwei Sekunden vor der Pause aus zehn Metern hochstieg und den Ball mit der Halbzeitsirene zum 17:14 unter die Latte warf, schien der Aufstieg bereits greifbar.

Als Kapitän Lukas Ossenkopp nach der Pause wieder auf vier Tore erhöhte (19:15/32.), biss Sportsenator Grote genüsslich von seinem Wrap ab. Gästetrainer Lerscht schimpfte wie ein Rohrspatz – und brockte seinem Team somit eine Zweiminutenstrafe ein. Zuvor hatte das Schiedsrichterduo Jannik Otto/Raphael Piper nach einem Foul an Weller auf Siebenmeter entschieden. Den Siebenmeter gab es trotzdem, Weller verwandelte ohne Probleme zum 20:16.

Dass sich der ASV Hamm in den verbleibenden rund 20 Spielminuten jedoch nicht höflich zurücklehnte, damit der HSVH schon einmal den Champagner aus dem Kühlschrank holen konnte, merkten die Zuschauer dann schnell. Nach zwei schnellen Toren der Gäste war der Vorsprung plötzlich auf ein Tor zusammengeschrumpft (22:21/44.). Die HSVH-Akteure schienen dennoch unbeeindruckt, Tissier feuerte einen abgefangenen Pass aus vollem Lauf ins leere Gästetor (26:22/49.).

Wichtige HSV-Hamburg-Themen im Überblick

Als der Shootingstar wenige Minuten später sogar auf 29:22 erhöhte, war die Vorentscheidung gefallen. Bis zum 32:28-Endstand hielt es kaum einen Fan mehr auf den Sitzen, die Geschäftsstellenmitarbeiter streiften bereits ihre roten Aufstiegs-T-Shirts über, dann brachen alle Dämme.

Nachdem Rückraumspieler Jannik Hausmann, Rechtsaußen Pelle Fick und Ersatztorwart Jan Peveling verabschiedet wurden, konnte die Party beginnen.