100-jähriges Jubiläum beim FC St. Pauli

Jubel, Trubel, Heiterkeit - und ein Abschied

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Ivan Klasnic wurde begeistert empfangen. Andreas Biermann muss den FC St. Pauli hingegen verlassen.

Hamburg. Rainer Wulff konnte sich irgendwann nicht mehr beherrschen. "Vooolkeeer Ippig", rief der Stadionsprecher des FC St. Pauli Mitte der zweiten Halbzeit in sein Mikrofon, während das Spiel zwischen der Allstar-Mannschaft und dem FC United of Manchester (3:3) in vollem Gange war. "Unser Torhüter verliert nie die Übersicht, aber immer öfter seine Mütze." Ippig hatte bis dahin - als wäre die Zeit zurückgedreht worden - jeden Ball, der nur in die Nähe seines Tores kam, auf unkonventionelle Art und Weise gehalten oder aus der Luft gepflückt. Und dabei jedes Mal seine Mütze, die aussah wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten, verloren.

Die Übersicht verloren auch die anderen Allstars des FC St. Pauli nicht. Die "Alten Herren", gespickt mit Spielern aus verschiedenen Generationen, schlugen sich vor knapp 10 000 Zuschauern überraschend gut gegen die Jungspunde des Klubs aus der siebten englischen Liga. Konditionelle Defizite und mangelnde Spritzigkeit machte die vom aktuellen Sportchef Helmut Schulte gecoachte Mannschaft durch Ballsicherheit, gutes Auge und Routine wett. Holger Stanislawski, in der Innenverteidigung eingesetzt, blockte die Schüsse seiner Gegner mit Vorliebe mit dem Allerwertesten, André Trulsen tunnelte seine Gegenspieler und Klaus Ottens zeigte seinen legendären Übersteiger. Erwartungsgemäß herausragend auf Seiten der in Retro-Trikots angetretenen Auswahl war Ivan Klasnic. Der 30-Jährige, einziger aktiver Profi auf dem Platz, erzielte alle drei Tore für die Allstars und wurde bei seiner Auswechselung nach 70 Minuten mit "Ivan, Ivan"-Rufen verabschiedet.

"DIE ZEIT BEI ST.PAULI WERDE ICH NIE VERGESSEN"

Ganz still und leise verbaschiedet sich unterdessen Andreas Biermann vom FC St. Pauli. Der 29-Jährige, der seit mehreren Jahren an Depressionen leidet und sich therapeutisch behandeln lässt, wird den Klub zum Saisonende verlassen. Damit hat der Verein die Überlegungen, Biermann einen Vertrag für die Zweite Mannschaft zu geben und ihn gleichzeitig als Jugendtrainer aufzubauen, ad acta gelegt. Biermann war in der Saison 2007/2008 ans Millerntor gewechselt, kam in der Profimannschaft aber nur selten zum Einsatz. Im November hatte Biermann seine Krankheit öffentlich gemacht.