HSV

Nach Sieg in Nürnberg: Die Auferstehung eines Fußballteams

Der HSV zeigt beim 5:0-Sieg in Nürnberg lange vermisste Qualitäten – Lasogga mit schnellstem Auswärts-Hattrick. Die sportliche Leitung zeigte sich begeistert von ihrem Neuzugang.

Nürnberg. Lange, lange ist es her, dass die HSV-Fans bei einem Auswärtsspiel nach 80 Minuten „Einer geht noch, einer geht noch rein“ angestimmt haben. Beim in dieser Höhe völlig überraschenden 5:0 (1:0)-Erfolg beim Tabellenfünfzehnten 1. FC Nürnberg waren diese Gesänge der rund 2500 Mitgereisten im Grundig-Stadion in erster Linie Pierre-Michel Lasogga zu verdanken, der die Hamburger mit dem schnellsten Auswärts-Hattrick der Bundesliga-Geschichte innerhalb von nur acht Minuten auf die Siegerstraße und weg vom Relegationsrang brachte.

„Ich habe in der Jugend schon mal einen Hattrick gemacht, aber das hier heute ist natürlich einmalig“, sagte der auf Leihbasis von Hertha BSC verpflichtete Angreifer, der bei den Berlinern nur Stürmer Nummer vier gewesen war. In 1703 HSV-Spielen in der Bundesliga waren zuvor nur Ivica Olic drei Tore hintereinander in einer Halbzeit gelungen (2007 beim 4:1 gegen Stuttgart). Doch Lasogga gab das Lob schnell an die Mannschaft weiter, im Besonderen an Kapitän Rafael van der Vaart, der ihn des Öfteren perfekt in Szene gesetzt habe.

Die sportliche Leitung zeigte sich begeistert von ihrem Neuzugang: „Er ist ein Stürmer, der für sein Glück arbeitet. Vor allem sein erstes Tor war sensationell, die Annahme, der Abschluss“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer. Und auch Trainer Bert van Marwijk stimmte in die Lobeshymnen mit ein. „Pierre ist ein vorbildlicher Teamplayer, der auch viele Wege für die Mannschaft geht. Er hat sich seine Treffer verdient.“

Die Leistung von Lasogga war in der Tat die Krönung für den Auftritt einer Hamburger Mannschaft, die nach einer taktisch guten ersten Halbzeit eine nahezu perfekte zweite folgen ließ. Ein Kopfball von Nürnbergs Tomas Pekhart streifte den Außenpfosten (11.), ansonsten arbeiteten die HSV-Profis schon vor dem Wechsel vorbildlich zurück. Doch anders als noch vor einer Woche in Frankfurt vergaßen sie am Sonntag nicht, auch offensive Akzente zu setzen.

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Lasogga hatte nach feinem Zuspiel van der Vaarts bereits nach acht Minuten die Chance zur Führung, doch seinen Schuss mit der Picke konnte „Club“-Torhüter Raphael Schäfer noch entschärfen. Doch nur neun Minuten später hatte der zuletzt stark kritisierte Kapitän seinen großen Auftritt: Van der Vaart selbst leitete den Angriff ein, und nach einer butterweichen Flanke von Heiko Westermann traf der Niederländer mit einem fulminanten Volleyschuss aus acht Metern (17.).

Die Führung beruhigte zwar, doch der Spielaufbau war auch danach noch ausbaufähig. Die Passquote des HSV in der gegnerischen Hälfte war vor dieser Partie schon besorgniserregend schlecht, und daran sollte sich zunächst nichts ändern. „Wir hatten viel zu viele Ballverluste im Mittelfeld“, kritisierte Kreuzer, und auch van Marwijk tat verbal alles, um den Ball flach zu halten: „Wir müssen mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben, haben viel zu viele Fehler gemacht.“ Doch die Nürnberger gaben die Bälle noch schneller wieder her als der HSV, woran die exzellente Viererkette des Bundesliga-Dinos an diesem Tag einen großen Anteil hatte.

In der zweiten Halbzeit versuchte Nürnberg nur halbherzig, das Spiel noch zu drehen – bis Lasogga mit seinen drei Toren zwischen der 59. und der 67. Minute für die Vorentscheidung sorgte: Einen tollen Konter schloss der 21-Jährige mit einem trockenen Schuss ins lange Eck erfolgreich ab, dann war er nach einer Van-der-Vaart-Ecke zur Stelle – bereits das siebte Standard-Tor des HSV – und traf zum Abschluss sogar aus großer Distanz mithilfe des Innenpfostens. „Es hat mal jemand gesagt, wenn du nicht weißt, wohin mit dem Ball, dann hau ihn einfach auf den Kasten – und genau das habe ich in der Situation gemacht“, sagte Lasogga.

Später drohte ihm nur Tolgay Arslan die Show zu stehlen, als er nach einem missglückten Abschlag Schäfers den Ball direkt aus etwa 45 Metern über den verdutzen Torwart ins Netz lupfte und den Kantersieg perfekt machte. „Es passiert nicht so oft, dass man ein Spiel auswärts mit 5:0 gewinnt“, erkannte van Marwijk nach der Partie völlig richtig und ließ sich nach der Kritik am fehlerhaften Aufbauspiel doch noch zu einem Gesamtlob hinreißen. „Das Team hat gezeigt, was ich will, keine langen Bälle gespielt und taktisch sehr diszipliniert agiert. Dennoch sind wir noch lange nicht da, wo wir hinwollen.“

Aufgrund der Länderspielpause hat der Trainer nun zwei Wochen Zeit, zumindest die Nicht-Nationalspieler diesem Ziel näher zu bringen und ihnen seine Vorstellungen von erfolgreichem Fußball einzuimpfen – denn zumindest drei der kommenden vier Gegner Stuttgart, Freiburg, Mönchengladbach und Leverkusen werden deutlich schwerer zu schlagen sein als die an diesem Tage doch sehr harmlosen Nürnberger.

Das Schema

Nürnberg: Raphael Schäfer – Chandler, Nilsson, Pogatetz, Plattenhardt – Hasebe – Frantz (66. Feulner), Hlousek – Kiyotake (72. Stark) – Pekhart, Drmic. – Trainer: Wiesinger

HSV: Adler – Westermann, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Arslan (81. Jiracek) – Zoua (61. Beister), van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga (85. Rudnevs). – Trainer: van Marwijk

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

Tore: 0:1 van der Vaart (17.), 0:2 Lasogga (59.), 0:3 Lasogga (62.), 0:4 Lasogga (67.), 0:5 Arslan (74.)

Zuschauer: 38.042

Gelbe Karten: Pogatetz (2) -

Torschüsse: 7:16

Ecken: 5:4

Ballbesitz: 50:50 %