Nach 1:5 gegen Hoffenheim

„Erzähl nicht so einen Mist!“ - Protokoll der Fink-Wutrede

Nach der schmachvollen Niederlage gegen die TSG Hoffenheim wütete HSV-Trainer Thorsten Fink fast so wie einst Giovanni Trapattoni. Lesen Sie hier das Protokoll eines Wutausbruchs.

Hamburg. Thorsten Fink kennt Giovanni Trapattoni aus seiner Zeit bei den Bayern und in Salzburg. Nach dem 1:5 gegen Hoffenheim reagierte der HSV-Trainer ähnlich emotional wie der Italiener („Was erlauben Strunz?“). Das Protokoll eines Wutausbruchs.

Reporter 1: War das 1:5 gegen Hoffenheim eine Frage der Mentalität?

Thorsten Fink: Gegen Schalke war schon ein anderes Zweikampfverhalten da, eine andere Spannung. (…) Ich gebe trotzdem nicht auf, will weiter Gas geben mit den Jungs. (…) Die Mannschaft kann auch positiv überraschen. Wir müssen etwas entwickeln und konstanter werden. Das ist meine Aufgabe.

Reporter 2: War es zu gewagt, schon vom neuen Geist zu reden?

Fink: Ich muss ja Negationen vermeiden. (…) Das ist wie bei einem kleinen Kind: Wenn man ihm sagt: Lauf nicht gegen den Baum, läuft es gegen den Baum. Ich habe versucht, den Spielern die Siegermentalität einzuimpfen. (…) Was für mich zählt, ist, dass die Mannschaft nicht weit genug rausgerückt ist, nicht nahe genug dran war. (...)

Reporter 3: Trotz des guten Spiels auf Schalke fällt auf, dass der HSV defensiv anfällig ist.

Fink: Heute ja, aber auf Schalke nicht, da war die Defensivarbeit sehr gut. Aus dem Spiel heraus haben wir wenig Chancen zugelassen. (..) Gegen Hoffenheim haben wir aber viel zu viele Chancen zugelassen, waren nicht aggressiv am Mann. (kurze Pause, dann in Richtung Reporter 3) Erzähl nicht so einen Mist. Defensiv! Defensiv war gegen Schalke gut. Was erzählst du da? Nur weil da jetzt steht: acht Gegentore. Heute war Scheiße. Fertig! (Haut mit der flachen Hand auf den Pressekonferenz-Tisch.) Das musst du auch wissen. Nicht scheiß Defensive. Letztes Mal war gut, dieses Mal war Scheiße, so einfach ist das. Ihr schreibt immer mal so mal so.

Reporter 3: Ihr spielt aber auch mal so und mal so.

Fink: Hast ja recht. Das ist auch wahr.

Reporter 4: Dennoch haben Sie elfmal nicht zu null gespielt. Werden Sie demnächst nicht so offensiv spielen?

Fink: Ich habe mit zwei Mittelfeldspielern zentral gespielt, hinter zwei Außenspielern. Normal spielt man noch mit einem Stürmer und dahinter Rafael. (...) Ich habe ja defensiver gespielt als sonst, auch wenn sich das 4-2-4 anders anhört. (...) Wenn Rudnevs gespielt hätte, wie wir immer spielen, finden Sie, das ist defensiver als jetzt mit Hakan?

Reporters 4: Andersrum gefragt ...

Fink: Ne, ne, ne, ne, nicht solche taktischen Dinge fragen, das würde ich jetzt lassen. Ich glaube, da bin ich im Vorteil.

Reporter 5: Na ja, man ist immer im Vor- oder Nachteil, je nach Ergebnis.

Fink: Genau. Sie sind im Vorteil, weil Sie gesehen haben, wie wir gespielt haben, und dann reagieren können. (...) Nur, dass das jeder weiß: Ich bin nicht genervt, ich bin kampfeslustig. (Haut mit der rechten Faust in seine linke Hand) Ich will nicht aufgeben, ich will Gas geben mit der Mannschaft. Fertig!