Nach HSV-Debakel

Thorsten Fink ausgerastet: So geht es nicht

Der Hamburger SV spielte bei der 1:5-Klatsche gegen Hoffenheim wie ein Abstiegskandidat. Im Video analysiert Matz ab die Lage.

Hamburg. Rene Adler stand im Kabinentrakt und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. „Das war eine Demontage, absolut katastrophal. Die Fans tun mir leid. Sie müssen für diese Scheiße auch noch Geld bezahlen“, motzte der Nationaltorhüter nach dem blamablen 1:5 (1:1) des Hamburger SV gegen 1899 Hoffenheim.

Seine Bestandsaufnahme: „Man sieht, dass eine harte Saison vor uns liegt.“ Die Aufbruchsstimmung beim selbst ernannten Anwärter auf einen Europacup-Platz ist jedenfalls erst einmal dahin. Land unter in der Hansestadt - mal wieder.

Auch Trainer Thorsten Fink ging mit seinem Team nach dem Heimdebakel gegen den Beinahe-Absteiger der vergangenen Saison hart ins Gericht. „Das Defensiv-Verhalten war sehr, sehr, sehr schlecht. Das war ein Lehrbeispiel, wie man es nicht macht“, sagte Fink gereizt und haderte mit der fast schon chronisch fehlenden Konstanz im Hamburger Spiel: „Die Mannschaft lässt mich seit eindreiviertel Jahren nicht einmal zwei bis drei Spieltage durchatmen.“

+++ DER SPIELVERLAUF ZUM NACHLESEN +++

Der Bundesliga-Dino war sechs Tage nach dem beachtlichen 3:3 bei Schalke 04 kaum wiederzuerkennen. Nichts war mehr zu spüren von dem „neuen Geist“, den Fink noch in der Vorwoche ausgemacht hatte. Selbst der zwischenzeitliche Ausgleich durch Kapitän Rafael van der Vaart kurz vor der Pause (44.) durch einen verwandelten Handelfmeter gab dem Team keine Sicherheit - im Gegenteil: Im zweiten Abschnitt wurde der HSV von den agilen Gästen über weite Strecken sogar vorgeführt.

Vor allem die Verteidigung entpuppt sich zunehmend als Problemzone des HSV. Saisonübergreifend kassierten die Hanseaten nun schon zum elften Mal nacheinander mindestens ein Gegentor, allein acht waren es in den bisherigen zwei Partien der aktuellen Spielzeit - so viele hatte der HSV zuletzt zum Start in die Saison 1987/1988 hinnehmen müssen.

„Das war ein Scheißtag. Wir sind von der ersten Minute an nicht in die Zweikämpfe gekommen. Das Ergebnis tut weh“, sagte Abwehrchef Heiko Westermann, der bei den Gegentoren wie sein Nebenmann Lasse Sobiech keine gute Figur abgab. Am Ende hätte der Hoffenheimer Sieg sogar noch höher ausfallen können.

Noteinkäufe wie in der vergangenen Saison schließt HSV-Sportchef Oliver Kreuzer aber aus. „Das ist im Moment gar nicht machbar“, sagte Kreuzer der Hamburger Morgenpost am Sonntag: „Die Mannschaft genießt unser Vertrauen. Auch, wenn die Leistung diesmal viel zu wenig war.“ Doch auch die Offensivabteilung gleicht nach zwei Spieltagen einer riesengroßen Baustelle. Das Experiment, ohne „echten“ Neuner zu spielen, dürfte nach dem lausigen Auftritt schnell zu den Akten gelegt werden. Weder van der Vaart noch Youngster Hakan Cahanoglu konnten an vorderster Front Akzente setzen. Der niederländische Nationalspieler wurde bei seiner Auswechslung kurz vor dem Ende sogar von Teilen der Fans ausgepfiffen.

„Wir brauchen nichts zu beschönigen, müssen aber trotzdem nach vorne schauen und uns den Kredit bei den Fans zurückholen“, sagte Fink und stellte mit Blick auf die kommenden Partien klar: „Die Saisonziele werden nicht revidiert.“ Am nächsten Sonnabend muss der HSV in Berlin beim Aufsteiger Hertha BSC antreten.

Die 1899-Spieler bekamen von den Worten Finks nichts mehr mit. Sie feierten den Überraschungscoup am 44. Geburtstag ihres Trainers Markus Gisdol mit einer zünftigen Kabinenfete. Bei Hip-Hop-Beats wurde auf den höchsten Auswärtssieg der Hoffenheimer Bundesliga-Geschichte angestoßen, den der überragende Roberto Firmino (5. und 77.), Kevin Volland (50.) und Neuzugang Anthony Modeste (67. und 74.) mit ihren Treffern sicherstellten.

„Ich bin sehr glücklich, denn das war ein sehr stabiler Auftritt meiner Mannschaft. Es gab wenig Phasen, in denen wir nachlässig waren“, sagte Gisdol und zollte seiner Mannschaft für den ersten Erfolg in Hamburg Respekt (zuvor vier Niederlagen, ein Unentschieden). Nach vier Punkten aus den ersten beiden Spielen gehen die Kraichgauer mit reichlich Selbstvertrauen in das Duell mit dem SC Freiburg am kommenden Sonnabend.

Das Schema

HSV: Adler – Diekmeier, Sobiech, Westermann, Jansen (76. Aogo) – Badelj (63. Rudnevs), Arslan – Beister, van der Vaart (84. Jiracek), Zoua – Calhanoglu. – Trainer: Fink

Hoffenheim: Casteels – Beck, Abraham, Vestergaard, Johnson – Polanski, Salihovic (62. Strobl) – Volland (83. Herdling), Firmino, Elyounoussi – Modeste (80. Schipplock). – Trainer: Gisdol

Schiedsrichter: Günter Perl (Pullach)

Tore: 0:1 Firmino (5.), 1:1 van der Vaart (44., Handelfmeter), 1:2 Volland (50.), 1:3 Modeste (67.), 1:4 Modeste (74.), 1:5 Firmino (77.)

Zuschauer: 47.483

Beste Spieler: – Firmino, Salihovic, Modeste

Gelbe Karten: Diekmeier, Arslan (2) – Elyounoussi, Polanski (2)