Meinung
Kommentar

Fink gibt das falsche Signal

Trainingsfrei für HSV-Spieler nach 1:5 gegen Hoffenheim

Es war schon erstaunlich, was sich rund um die HSV-Arena am Sonntag abspielte. Nämlich nichts. Wer erwartet hatte, dass sich Thorsten Fink seine Versager-Mannschaft vom 1:5 gegen Hoffenheim gehörig zur Brust nehmen würde, sah sich arg getäuscht, denn der HSV-Trainer gab seinen Spielern zwei Tage frei nach einem Gruselauftritt, der so gut wie alles beinhaltete, was man bei einem Fußballspiel nicht sehen möchte. Auflösungserscheinungen beim Bundesliga-Dino am zweiten Spieltag – nicht schon wieder, werden sich viele desillusionierte HSV-Anhänger auf dem Heimweg gedacht haben, die in der jüngeren Vergangenheit viel zu viele Minusleistungen ihrer Mannschaft mitansehen mussten und nach dem 3:3 in Gelsenkirchen vor einer Woche ganz zarte Hoffnung auf eine bessere Zukunft hatten.

Man mag jetzt einwenden, dass es sinnvoll und wichtig für die Spieler sei, nach solch einem Desaster einmal komplett abzuschalten. Allerdings war die zusätzliche Freizeiteinheit für die Profis keine gezielte Maßnahme Finks – der Plan stand bereits vor dem Spiel fest. Somit sendete der HSV-Trainer das falsche Signal aus, denn: Wer so viele kollektive und individuelle Fehler begeht, muss üben, üben und üben, besonders diese zuletzt verjüngte Mannschaft. Gäbe es den HSV-Campus auf dem Stadiongelände schon, wären die ersten geeigneten Bewohner bereits gefunden, um Nachhilfe im kleinen Einmaleins zu erhalten.

Bei Fußballern scheint aber häufig der arrogante Glaube vorzuherrschen, was man einmal gelernt habe, müsse man nicht mehr üben. Dabei reicht ein Blick zu anderen Sportarten, um dies als fatalen Irrglauben zu identifizieren. Ständige Wiederholung verschafft Sicherheit, lautet das Gesetz, ob bei Individualsportarten (Tennis, Golf) oder bei Teamsportarten (Basketball, Eishockey, Hockey, Handball).

Fußballer brauchen konkrete Anleitungen, sie müssen wissen, wie sie sich auf dem Platz zu verhalten haben, dann gehen sie mit Selbstvertrauen in ein Spiel und benötigen nicht mehr unbedingt eine verbale Motivationsspritze. Denn eines ist klar: Im Team steckt mehr Qualität, als es das Hoffenheim-Spiel vermuten lässt.