HSV

Ertel: "Die Fananleihe ist ein gutes Projekt"

HSV-Aufsichtsräte Hunke und Ertel halten ein solches Finanzierungsmodell für denkbar. Doch nicht in allen Fällen führte dies zum gewünschten Erfolg.

Hamburg. Die Fußballwelt des HSV unterscheidet sich von der des städtischen Konkurrenten FC St. Pauli in vielen Punkten gewaltig. Doch nun könnte der Nachbar in Sachen Finanzierung zum Vorbild für den Bundesliga-Dino werden. Denn der Kiezklub hat vorgemacht , wie durch Fananleihen fremdes Geld akquiriert werden kann. Innerhalb kürzester Zeit waren alle Schuldverschreibungen vergriffen, der Verein nahm acht Millionen Euro ein - zu vergleichsweise günstigen Zinsen. Ein Modell, das auch beim HSV seit einiger Zeit diskutiert wird. Supporters-Chef Ralf Bednarek brachte die Idee nun wieder ins Rollen und befürwortet auch für seinen Klub Anleihen, die zu unterschiedlichen Beträgen zum Kauf angeboten und entsprechend verzinst werden.

Eine Überlegung, die Aufsichtsratsmitglied und Ex-Präsident Jürgen Hunke nur begrüßen kann. "Ich habe ja schon vor 20 Jahren mit der HSV-Aktie eine ähnliche Idee entworfen, auch wenn das damals eine andere Situation war. Aber eine Fananleihe ist grundsätzlich hochinteressant und spannend." Es dürfe jedoch nicht darauf hinauslaufen, das eingenommene Geld komplett in Spieler zu reinvestieren - auch wenn es verlockend erscheint. "Wenn es in angemessenen Teilen dafür verwendet wird, um Eigenkapital zu schaffen, ist dieses Modell sehr kaufmännisch gedacht und wird viele Interessenten finden, auch über die uneingeschränkten Fans hinaus. Für den HSV geradezu prädestiniert."

Beim FC St. Pauli wird das aus den Anleihen erworbene Geld komplett für den Stadionneubau sowie den Ausbau des Trainingszentrums eingesetzt - ein Projekt, mit dem sich die Anhänger hundertprozentig identifizieren. Ein wesentlicher Grund, der den Erfolg erklärt. Diese Identifikation ist auch für Manfred Ertel, stellvertretender HSV-Aufsichtsratsvorsitzender, ein entscheidender Punkt bei den Überlegungen für oder gegen eine solche Finanzierungsmöglichkeit: "Man muss eine deutliche Trennung ziehen zwischen einem Investor, der nach Gewinnmaximierung strebt, sowie Fans und Gönnern, für die ein großer ideeller Anteil hinter ihrem Engagement steht. Dieser ideelle Aspekt ist wichtig. Dann ist die Fananleihe ein gutes Projekt." Auch wenn die Verzinsung mit den von Bednarek angedachten vier bis fünf Prozent im Vergleich zu anderen Anleihen eher gering ausfiele (5,9 Prozent im Schnitt), seien die Erträge immer noch besser als bei einer Tages- oder Festgeldanlage.

Doch selten waren Fananleihen in der Vergangenheit ein derartiger Verkaufsschlager wie bei St. Pauli. Einzig Schalke 04 konnte mit elf Millionen Euro noch mehr Geld einspielen als der Kiezklub. Elf Profivereine versuchten sich bisher mit der Platzierung von Fananleihen - mit sehr unterschiedlichem Erfolg. So hatte Ligakonkurrent Hansa Rostock im vergangenen Juli seine bis Herbst 2017 laufende Anleihe platziert und sich eine Einnahme von fünf Millionen Euro erhofft. Bisher wurde trotz einer Verzinsung von fünf Prozent aber nur ein Volumen von etwa 400.000 Euro gezeichnet. Bei einem Aufstieg in die Bundesliga hätte es sogar zusätzliche zwei Prozent gegeben.

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Nun wird der Klub jedoch in die 3. Liga absteigen, die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Wegen der drohenden Insolvenz droht Hansa völlig von der Landkarte zu verschwinden. Die Anleihezeichner zittern - und das nicht ohne Grund: In den Vertragsbestimmungen der Rostocker Anleihe ist festgelegt, dass der Verein Zinsen und Rückzahlung nicht leisten muss, wenn er kein Geld dafür hat. Und das ist nicht das einzige warnende Beispiel: Als Zweitligist Alemannia Aachen im letzten Jahr vor der Insolvenz stand, wurde der Klub nur von einer 5,5-Millionen-Euro-Bürgschaft der Stadt gerettet. Sicherheiten, die der Klub auch brauchte, um die Rückzahlung der 2008 zur Finanzierung des neuen Stadions herausgegebenen "Tivoli-Anleihen" abzusichern. Eine sichere Anlage sieht anders aus.

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Von einem Bankrott ist der HSV glücklicherweise weit entfernt. Der Vorstand des HSV hat sich mit der Möglichkeit einer Fananleihe auch schon beschäftigt. Doch in unmittelbarer Zukunft, sodass Sportchef Frank Arnesen noch in der anstehenden Transferperiode frisches Geld zur Verfügung hätte, soll es nicht umgesetzt werden.

Für Markus Kern, der als Projektleiter für die St.-Pauli- und die Schalke-Anleihe verantwortlich war, ist dasTiming eines solchen Projektes entscheidend für die Erfolgsaussichten. Sollte sich der HSV in naher Zukunft durchringen, ein solches Finanzierungsmodell in die Wege zu leiten, gäbe es immerhin schon einen optimalen Zeitpunkt: das 125. Vereinsjubiläum im September dieses Jahres.