Frauen-Fussball-WM

Traumquote: Jeder Zweite sah Deutschlands Torfestival

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Patrick Krull und Daniel Stolpe

Foto: AFP

Den 4:2-Erfolg der deutschen Damen gegen Frankreich verfolgten am Dienstagabend 16,24 Millionen Menschen. Inka Grings begeisterte.

Mönchengladbach. Deutschlands Frauen dürfen wieder jubeln! Nicht nur über den 4:2-Triumph gegen Frankreich, sondern auch angesichts dieser tollen TV-Quote: Jeder zweite Deutsche, der am Dienstagabend den Fernseher einschaltete, verfolgte das Spiel der Elf von Bundestrainerin Silvia Neid. 16,24 Millionen Menschen vor dem Fernseher und 45.817 Fans im Stadion waren dabei, als Inka Grings (2), Celia Okoyino da Mbabi und Kerstin Garefrekes für Deutschland trafen (51,9 Prozent Marktanteil). In der spannenden Schlussphase der Partie waren zeitweise sogar 19 Millionen Deutsche vor dem Bildschirm dabei.

Der Star verfolgte den Triumph von der Bank aus. Die glücklose Nationalstürmerin Birgit Prinz war verbannt worden. Beim 4:2 im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich taugte die 33 Jahre alte Rekordnationalspielerin nur noch als Reserve. Die für sie aufgebotene Inka Grings rechtfertigte ihre Aufstellung. Sie traf zweimal und lieferte eine tolle Vorstellung ab. "Das tat sicherlich gut. Wir hatten es nicht einfach. Es war ein richtig toller Abend für uns", sagte die sichtlich erleichterte Doppel-Torschützin. Auch Trainerin Silvia Neid war zufrieden. "Wir haben heute sehr, sehr gut gespielt. Das war Fußball für mich", lobte sie und richtete den Blick aufs Viertelfinale: "Wir haben immer gesagt, wir nehmen das, was dann kommt." Die DFB-Auswahl trifft als Gruppensieger nun im Viertelfinale am Sonnabend (20.45 Uhr) in Wolfsburg auf Japan.

Neid hatte schon im Vorfeld der Partie gegen Frankreich kaum Zweifel daran gelassen, dass sie Prinz vom Sockel stoßen wird. "Hut ab vor der Leistung von Birgit, die so lange auf höchstem Niveau gespielt hat. Irgendwann zählt das aber nicht mehr. Dann geht es um die momentane Form", hatte Neid gesagt. Die von Prinz war schon seit Längerem nicht gut. Nun bekam sie die Quittung. Gut nur, dass es im deutschen Team nicht an Alternativen mangelt. Die Frankfurterin wurde von Grings verdrängt. Die Bundesliga-Rekordtorschützin war in den ersten beiden Partien gegen Kanada (2:1) und Nigeria (1:0) überraschend nur Ersatzspielern. "In mir hat es gebrodelt", bekannte die Angreiferin vom FCR Duisburg.

Neid baute zudem auf Lena Goeßling und Bianca Schmidt: Sie ersetzten die von einer Gelbsperre bedrohte Kim Kulig sowie die erkrankte Linda Bresonik. Für die angeschlagene Melanie Behringer spielte Fatmire Bajramaj. Gerade rechtzeitig. Denn die Mittelfeldspielerin, im gesamten Turnier bis dahin nur 22 Minuten im Einsatz, hatte den Auftritt in Mönchengladbach persönlich zum vorerst wichtigsten überhaupt erklärt. Die 23-Jährige ist in der Stadt am Niederrhein nach ihrer Flucht aus dem Kosovo groß geworden und hatte rund 50 Freunde und Verwandte ins Stadion gelockt.

Diese und die restlichen 45 817 Zuschauer wurden in der 25. Minute für ihr Kommen belohnt. Nach nervösem Beginn beider Teams ging die deutsche Elf verdient in Führung. Sie war bis dahin das aktivere Team und profitierte schließlich von einem Patzer der französischen Verteidigerin Wendie Renard. Die 1,87 Meter große Spielerin vom Champions-League-Sieger Lyon verlor nach einem Freistoß von Babett Peter das Kopfballduell gegen Garefrekes (1,80 Meter), die zum 1:0 traf.

Kurz danach erhöhte Grings wieder mit einem Kopfball auf 2:0 (32.). Die Offensivabteilung strahlte wieder Gefahr aus. Kein Vergleich zu den beiden vorangegangenen WM-Partien, als viele Bemühungen Stückwerk blieben. Doch auch Frankreich wusste sich zu wehren. Nach einer Ecke verkürzte Marie-Laure Delie auf 1:2 (55.), fortan entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Nachdem Bajramaj allein vor Torhüterin Berangere Sapowicz aufgetaucht war, konnte diese nur mit einer Notbremse die Deutsche stoppen und sah dafür die Rote Karte. Den fälligen Strafstoß verwandelte wieder Grings (68.). Vier Minuten später verkürzte Laura Georges per Kopfball auf 2:3. Celia da Mbabi traf mit einem perfekten Schuss kurz vor Schluss zum Endstand.

Frankreich: Sapowicz - LePailleure, Georges, Renard, Boulleau - Soubeyrand, Bussaglia - Le Sommer (68. Deville), Necib (46. Abily), Thiney - Thomis (46. Delie)

Deutschland: Angerer - Schmidt, Krahn (78. Popp), Bartusiak, Peter - Laudehr (46. Hingst) Goeßling - Garefrekes, Okoyino da Mbabi, Bajramaj - Grings

Schiedsrichterin: Kirsi Heikkinen (Finnland) - Zuschauer: 45 860 (ausverkauft), Rote Karte: Sapowicz (Frankreich/65.)

Tore: 0:1 Garefrekes (25.), 0:2 Grings (32.), 1:2 Delie (56.), 1:3 Grings (68., Foulelfmeter), 2:3 Georges (72.), 2:4 Celia da Mbabi (89.)