Frauen-Fussball-WM

Zeit für Taten - die DFB-Frauen im Kurzporträt

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Ab Sonntag will die Frauen-Nationalmannschaft bei der WM im eigenen Land begeistern - und den Traum vom Titel-Hattrick verwirklichen.

Berlin. Es wurde viel gesprochen, über Titelträume, Erwartungshaltungen und das eine oder andere Klischee. Jetzt ist es an der Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auf den Fußball. Am morgigen Sonntag beginnt für die deutsche Nationalmannschaft mit der Auftaktpartie gegen Kanada im Berliner Olympiastadion (18 Uhr, ARD) die Weltmeisterschaft. Das Abendblatt stellt die Spielerinnen vor, die voraussichtlich starten werden.

1. Nadine Angerer : Sie ist seit 2007 die unangefochtene Nummer eins im deutschen Tor, blieb bei der WM in China ohne Gegentreffer. Willensstärke und Ehrgeiz zeichnen sie aus, vor allem jedoch eine unkonventionelle Art. Damit eckt sie an - und bezeichnet sich dennoch als uneingeschränkte Teamspielerin, die ungern streitet. Nach ihrer Karriere möchte die Halbitalienerin mit dem Bus durch Afrika touren.

2. Linda Bresonik : Es sind häufig die Fehler, die einen voranbringen. Bei der Verteidigerin war es der Frust über einen Bänderriss bei der WM 2003, der sie dazu bewog, vorzeitig abzureisen - und eine knapp dreijährige Auszeit von der Nationalmannschaft nach sich zog. Sie bereue das, sagt die Essenerin heute. Doch sie hat ihre Lehren gezogen, ist längst rehabilitiert - und will die WM als Bewerbungsbühne nutzen. Sie hat ihren Vertrag in Duisburg gekündigt.

3. Annike Krahn : DFB-Präsident Theo Zwanziger nennt sie, fast liebevoll, "mein Ruhrpottmädchen". Die Innenverteidigerin lebt und liebt ihre Heimatstadt Bochum. Beim VfL absolvierte die Sportwissenschaftlerin vor der Weltmeisterschaft ein Marketingpraktikum. Vor vier Jahren zählte sie bereits zum WM-Stammpersonal, und auch diesmal wird von ihr einiges zu hören sein. Sie nahm gemeinsam mit Stürmerin Alexandra Popp ein Lied auf. Der eingängige Titel: "Fußballsommer".

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4. Saskia Bartusiak : Sie hätte es wie ihre Zwillingsschwester machen können, wie viele Mädchen. Im Ballettunterricht wäre Saskia Bartusiak nicht weiter aufgefallen. Auf dem Hof, beim Kicken mit den Jungs, da tat sie es. Ihr Vater brachte sie zu dem Sport, in dem sie mit dem 1. FFC Frankfurt zwar früh Erfolge feierte, in der Nationalmannschaft allerdings erst mit 24 Jahren debütierte.

5. Babett Peter : Für ihre Mitspielerinnen ist sie der "Hulk". Weil sie besonderen Wert auf Muskelaufbau legt, Stunden im Fitnessstudio verbringt. Eisern hat die Linksverteidigerin für ihre Karriere gearbeitet. Mit 15 Jahren wechselte sie auf das Sportgymnasium Leipzig. "Fußball", sagt sie, "gibt mir Selbstvertrauen." Seit ihrem fünften Lebensjahr leidet sie unter einer Gesichtslähmung.

6. Kerstin Garefrekes : Die Jägerin im Team. Nach Toren, ja, doch auch privat hat die Mittelfeldakteurin und Kämmerin der Stadt Frankfurt ein durchaus ungewöhnliches Hobby. Sie betreibt "Geocoaching", eine Art moderne Schnitzeljagd. Da braucht man keine großen Worte, was wiederum der introvertierten Westfälin zugutekommt. In der Mannschaft gehört sie zu den Erfahrensten, ist seit 2003 dabei.

7. Kim Kulig : In Hamburg, sagt Kim Kulig, sei sie erwachsen geworden. Drei Jahre lang stand die vielseitige Mittelfeldakteurin beim HSV unter Vertrag, nach der WM wechselt sie zum 1. FFC Frankfurt. Ein Verlust, denn ihr gelang die Gratwanderung zwischen Ehrgeiz und Lockerheit, die sie zur Führungsspielerin reifen ließ, so beschreibt es HSV-Trainer Achim Feifel. Gefragt ist sie zudem bei den Sponsoren.

+++ Wenn nur der Titel zählt +++

8. Simone Laudehr : Sie hat sich im Finale der WM 2007 unvergesslich gemacht. Mit ihrem Tor zum 2:0 Endstand gegen Brasilien - und mit ihrem anschließenden Jubel, bei dem sie das Trikot über den Kopf zog. Nein, für dieses Turnier habe sie sich nichts zurechtgelegt, sagt die Mittelfeldspielerin. Bis auf eines: Tore zu schießen.

9. Celia Okoyino da Mbabi : Es sind ihre Wurzeln, auf die sie sich gern beruft. Wenn es darum geht, ihre Spielweise zu beschreiben. Als Tochter eines Kameruners und einer Französin begeistert sie auf dem Platz mit Dribblings und einem schnellen Spiel. So konnte sie in der Vorbereitung selbst die starke Konkurrenz um Fatmire Bajramaj und Melanie Behringer auf die Bank verweisen. Für den DFB ist die 22-Jährige als Integrationsbeauftragte aktiv.

10. Inka Grings : Mit ihrem Vorbild aus Jugendzeiten hat sie wenig gemein. Zumindest ist von Steffi Graf nicht bekannt, einen eher unbequemen Charakter zu haben. Die Bundesliga-Rekordtorschützin aber ist öfter angeeckt. 2006 suspendierte sie Silvia Neid, holte sie drei Jahre später ins Team zurück. Sie habe erst mal mit sich selbst groß werden müssen, sagt die Stürmerin heute. Das ist ihr nun wohl gelungen.

11. Birgit Prinz : Spielführerin, Weltfußballerin, Lichtgestalt des Frauenfußballs. Die Stürmerin gehört zu den besten Spielerinnen weltweit, beendet nach der WM ihre 17-jährige Nationalmannschaftskarriere. Mit dem Spiel gegen Kanada schließt sich für sie der Kreis: Am 27. Juli 1994, in einer Partie gegen die Kanadierinnen, begann ihre Laufbahn in der DFB-Elf. Sie schoss damals das Siegtor zum 2:1.