Champions League

"Oan Neuer" bringt die Bayern ins Finale - "Ich liebe ihn"

Lesedauer: 8 Minuten
abendblatt.de

Der große Traum ist Realität: Bayern München hat dank Torhüter Manuel Neuer das „Finale dahoam" in der Champions League erreicht und damit Geschichte geschrieben.

Madrid. Der große Traum ist Realität: Bayern München hat dank Torhüter Manuel Neuer das „Finale dahoam“ in der Champions League erreicht und damit Geschichte geschrieben. Der deutsche Fußball-Rekordmeister feierte im Halbfinal-Rückspiel bei Real Madrid ein 3:1 im Elfmeterschießen, nach dem es nach Verlängerung 1:2 (1:2, 1:2) nach Verlängerung hieß.

+++ Das Spiel im Liveticker +++

Mit dem gleichen Ergebnis hatte der deutsche Rekordmeister das Hinspiel gewonnen und damit den Grundstein für den Einzug ins Endspiel am 19. Mai in der heimischen Arena gelegt. Dies war bislang noch keinem Verein in der 1992 gegründeten Königsklasse gelungen. Neuer hielt zwei Elfmeter von Cristiano Ronaldo und Kaka. Zudem schoss Sergio Ramos über das Tor. Nach dem Schlusspfiff spielten sich vor 80.000 Zuschauern im ausverkauften Estadio Santiago Bernabeu große Jubelszenen der Bayern-Stars ab, während Reals Doppeltorschütze Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Co. den Platz mit hängenden Köpfen verließen.

Die Verantwortlichen des FC Bayern gerieten nach dem Spiel ins Schwärmen. „Am 19. Mai ist jetzt alles drin. Wir gehen mit großem Elan, mit großem Schwung und auch mit großem Stolz in dieses Finale“, sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge in der Nacht zum Donnerstag in Madrid beim Bankett. Präsident Uli Hoeneß stammelte nach dem Spiel: "Boah. Wahnsinn. Ich dachte ich muss sterben", beschrieb Hoeneß seien Gefühle während des Elfmeterschießens. „Ich habe immer gesagt, das Höchste, was du erleben kannst, ist das WM- oder das Champions-League-Finale. Das Allerhöchste ist, beides im eigenen Stadion im zu erleben", so Hoeneß. "Das Finale in der Allianz Arena ist die Krönung für die Spieler, die werden so was nie wieder erleben. Das ist jetzt doch noch eine tolle Saison geworden.“

Rummenigge bedankte sich vor allem bei Manuel Neuer, der zwei Elfmeter parierte. „Deshalb lieben wir ihn. Ich liebe ihn nicht nur wegen dieser zwei Elfmeter, sondern auch weil er so überragend ist. Der Präsident von Real hat mir gerade gesagt: Das ist der beste Torhüter der Welt.“ Auch bei den Bayernfans dürfte Neuer nun endültig akzeptiert sein. In der Vorsaison demonstrierten sie noch mit "Koan Neuer"-Transparenten gegen den Transfer des Schalkers nach München.

Für die Bayern hatte es denkbar schlecht begonnen: Superstar Ronaldo schlug bereits in der Anfangsviertelstunde zweimal zu (6./Handelfmeter und 14.). Doch Arjen Robbens mit viel Glück und Unterstützung des linken Innenpfostens verwandelter Strafstoß nach einem Foul an Mario Gomez brachte die Münchner ins Spiel zurück (27.).

Für die einzigen Wermutstropfen bei den bayern sorgten am Ende die Gelbsperren von David Alaba, Holger Badstuber und Luiz Gustavo, die beim Finale auf der Tribüne Platz nehmen müssen.

Die Bayern streben nun bei ihrer neunten Final-Teilnahme den fünften Titel im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb an. Gegner ist der FC Chelsea, der überraschend Titelverteidiger FC Barcelona ausgeschaltet hatte. Real muss dagegen weiter auf den zehnten Triumph warten. Trotz verpasster Meisterschaft haben die Bayern nun noch die Chance auf ein Double: Am 12. Mai kommt es im DFB-Pokal-Finale zur Revanche gegen Meister Borussia Dortmund.

Dass sich der FC Bayern erneut als Angstgegner („bestia negra“) für Madrid erweisen würde, durften nach der Anfangsphase nicht einmal kühnste Optimisten hoffen. Fahrig, mitunter gar äußerst nervös ging die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes zu Werke. Bastian Schweinsteiger durfte wieder von Beginn an mitwirken - ohne seinen Nebenleuten zunächst aber Sicherheit geben zu können.

Der deutsche Nationalspieler Sami Khedira hätte Real vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw bereits nach drei Minuten in Führung bringen können. Sein Schuss nach Vorarbeit von Angel di Maria, der David Alaba einfach überlaufen hatte, war aber für Nationaltorhüter Manuel Neuer kein Problem.

Madrid versuchte sich immer wieder über Bayerns linke Seite, über Alaba - und wurde dafür belohnt, als der junge Österreicher einen Schuss di Marias mit der Hand abwehrte. Alaba sah die Gelbe Karte und is damit für das Endspiel gesperrt, Ronaldo verwandelte den Strafstoß sicher.

Die Bayern zeigten sich aber nicht geschockt und wären kurz nach dem 0:1 fast zum Ausgleich gekommen. Alaba legte all seinen Frust in einen Alleingang, der Ball gelangte zu Robben. Doch der brachte das Kunststück fertig, ihn aus drei Metern freistehend über das Tor zu schießen. Die Münchner machten danach weiter Dampf, mussten nach einem traumhaften Pass von Mesut Özil aber das 0:2 hinnehmen, als „CR7“ völlig frei vor Neuer locker einschob. Für den Portugiesen, der in der Primera Division schon 42 Saisontore erzielt hat, war es der zehnte Treffer im Wettbewerb.

In der Folgezeit hielten die Bayern die Partie durchaus offen und wurden für ihre Bemühungen auch belohnt. Nach Hereingabe von Toni Kroos wurde Gomez von Real-Innenverteidiger Pepe zu Fall gebracht. Robben - beim 0:1 in Dortmund noch Fehlschütze - schnappte sich wieder den Ball. Doch diesmal traf er. Die Spanier hatten in der Folge Pech, als Stürmer Karim Benzema das mögliche 3:1 vergab (31.). Doch auch die Bayern kamen in einem tempo- und abwechslungsreichen Spiel zu weiteren Chancen. Gomez scheiterte am guten Real-Keeper Iker Casillas (34.).

Der Bayern-Angreifer war es auch, der kurz nach der Pause per Kopf das Tor knapp verfehlte, auf der Gegenseite musste Neuer erneut gegen Benzema das 1:3 verhindern (56.). Die Bayern gestalteten die Begegnung in der zweiten Halbzeit offen und setzten immer wieder die von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge geforderten „Nadelstiche“.

Reals Offensive ließ seine Gefährlichkeit ebenfalls immer wieder aufblitzen, kam allerdings nicht mehr so häufig zu Abschlüssen. Doch je näher die 90. Minute rückte, je vorsichtiger agierten die beiden Mannschaften. Niemand wollte den spielentscheidenden Fehler machen. Dennoch ergab sich für Gomez in der 86. Minute freistehend eine Riesenchance zum Siegtreffer. Die Verlängerung ging an Real, dass noch einmal den Angriffsdruck erhöhte. Glück hatten die Bayern, dass der Referee einen Trikotzupfer von Neuer im Strafraum gegen Esteban Granero nicht mit einem Strafstoß ahndete.

Bei Real gefiel neben Ronaldo der abgeklärte Khedira. Die Münchner hatten im umsichtigen Toni Kroos und dem stets gefährlichen Robben ihre Besten.

Real Madrid - FC Bayern München

Real Madrid: 1 Casillas - 17 Arbeloa, 4 Ramos, 3 Pepe, 12 Marcelo - 14 Alonso, 6 Khedira - 22 Di Maria (75. Kaka), 10 Özil (111. Granero), 7 Ronaldo - 9 Benzema (106. Higuain). - Trainer: Mourinho

Bayern München: 1 Neuer - 21 Lahm, 17 Boateng, 28 Badstuber, 27 Alaba - 30 Luiz Gustavo, 31 Schweinsteiger - 10 Robben, 39 Toni Kroos, 7 Ribery (95. Müller) - 33 Gomez. - Trainer: Heynckes

Schiedsrichter: Viktor Kassai (Ungarn)

Zuschauer: 80.000 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Ronaldo (6., HE), 2:0 Ronaldo (14.), 2:1 Robben (27., FE)

Elfmeterschießen: Alaba (Bayern München) 0:1

Ronaldo (Real Madrid) vergeben 0:1

Gomez (Bayern München) 0:2

Kaka (Real Madrid) vergeben 0:2

Toni Kroos (Bayern München) vergeben 0:2

Alonso (Real Madrid) 1:2

Lahm (Bayern München) vergeben 1:2

Ramos (Real Madrid) vergeben 1:2

Schweinsteiger (Bayern München) 1:3

Mit Material von dpa, dapd und sid