Feld-EM

Die deutschen Hockeyherren setzen auf den Lerneffekt

Lesedauer: 3 Minuten
Tobias Hauke führt die deutschen Herren als Kapitän an.

Tobias Hauke führt die deutschen Herren als Kapitän an.

Foto: Dean Mouhtaropoulos / Getty Images

Im EM-Halbfinale gegen England muss heute die Abwehrarbeit verbessert werden. Die Hockeydamen sichern sich den Halbfinaleinzug.

Hamburg. Es gibt ohne Zweifel angenehmere Videositzungen als die, mit der die deutschen Hockeyherren am Mittwochvormittag konfrontiert waren. Aber Strafe muss einerseits sein, wenn man nicht tut, was man gesagt bekommt. Andererseits sahen Martin Häner und Tobias Hauke die Besprechung am Morgen nach dem wilden 6:5-Sieg gegen Frankreich zum Vorrundenabschluss bei der Feld-EM in Amsterdam (Niederlande) gar nicht als Strafe an. „Für den Lernprozess, in dem wir uns befinden, ist es wichtig, die Dinge aufzuarbeiten, die nicht gut gelaufen sind. Das haben wir getan“, sagte Abwehrchef Häner (32) vom Berliner HC.

Aufzuarbeiten gab es tatsächlich einiges. Da war zum einen das Abwehrverhalten in der ersten Hälfte, als die Auswahl von Bundestrainer Kais al Saadi gegen den international zweitklassigen Gegner fünf Tore kassierte, weil in der Defensive überhaupt kein Zugriff auf die Gegenspieler gelang. „Wir wissen, dass wir stark genug sind, um auch einen Dreitorerückstand aufzuholen“, sagte Häner, „aber das ist jedes Mal ein physischer und mentaler Kraftakt, mit dem man es sich in einem Turnier schwerer macht, als es sowieso schon ist.“

England ist formstärkstes Team des bisherigen Turniers

Zum anderen galt es, das durchaus ansprechende Offensivspiel, in dem elf Strafecken (plus neun Wiederholungsecken) und etliche Torchancen heraussprangen, einzuordnen und in effektivere Bahnen zu lenken. „So ein Spiel wie gegen Frankreich hilft uns für den Verlauf des Sommers mit dem Höhepunkt Olympia, weil wir gnadenlos aufgezeigt bekommen haben, wo wir uns verbessern müssen“, sagte Kapitän Hauke (33) vom Harvestehuder THC.

Lesen Sie auch:

Nach einer knackigen Halbzeitansprache, in der zunächst al Saadi und dann einige Führungsspieler das Wort ergriffen hatten, und der Analyse am Morgen danach richtete der EM-Vierte von 2019 seine Blicke von Mittwochnachmittag an auf das, was an diesem Donnerstag (17 Uhr/sportschau.de) ansteht. Mit England wartet im Halbfinale das formstärkste Team des bisherigen Turniers. Die Briten hatten als Sieger der Gruppe A Welt- und Europameister Belgien, der im zweiten Halbfinale (20 Uhr) auf Gastgeber Niederlande trifft, hinter sich gelassen. Mitte Mai waren die deutschen Herren England in der Nationenliga HPL auswärts 1:3 und 3:5 unterlegen.

Deutsche Hockeydamen sichern den Halbfinaleinzug

„Wir wissen, was auf uns zukommt. England spielt mit hoher Leidenschaft und Intensität und wird uns körperlich wehtun“, sagte Hauke. „Um sie zu schlagen, brauchen wir unsere beste Leistung, besser als beim 2:2 gegen die Niederlande im zweiten Gruppenspiel“, sagte Häner. Besonders die Konterstärke der Engländer, auf die die deutsche Abwehr auch gegen andere Gegner zuletzt allergisch reagierte, sei ein Gradmesser dafür, wie groß der Lerneffekt aus dem Frankreich-Spiel ist. Läuft es so wie erhofft, dürfte das Videostudium vor dem Finale am Sonnabend (12.30 Uhr) deutlich angenehmer ausfallen.

Die deutschen Damen sicherten sich am Mittwochnachmittag mit einem 4:0-Erfolg über den punktlosen Außenseiter Italien den Halbfinaleinzug, der zudem die Qualifikation für die WM 2022 in den Niederlanden und Spanien bedeutet. Der Gegner in der Vorschlussrunde am Freitag (18.30 Uhr/sportschau.de) für das Team von Bundestrainer Xavier Reckinger, für das Jette Fleschütz (Großflottbeker THGC/4.), Charlotte Stapenhorst (Uhlenhorster HC/33.), Nike Lorenz (RW Köln/42.) und Amelie Wortmann (UHC/54.) trafen, ist Spanien.

( bj )